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 :: Weder ihren Krieg, noch ihren Frieden! ::
16-11-2015 13:58
AutorIn : Anon.
Weder ihren Krieg, noch ihren Frieden!

„Wir müssen die Feinde der Republik vernichten... und jene der Nationalität entheben, die den französischen Geist verspotten.“
Manuels Valls, Premierminister
14. Nobermber 2015
Wenn man der französischen Republik eine gewisse Kontinuität anerkennen muss, dann ist das wohl jene der Massenmorde. Vom Staatsterror von 1793-94, der eben dem Wort Terrorismus Ursprung gab, bis zur Niederschlagung der Aufständischen von 1848 und derjenigen der Kommune von 1871; von der Kolonisation oder der Deportation der Juden, welche durch frühere Karteien erlaubt war, bis zum Massaker von algerischen Demonstranten 1961 mitten im Herzen von Paris: alle französischen Republiken haben ohne Nachsicht massakriert, damit die Machthaber weiter alle beherrschen und ausbeuten. Die französische Republik ist ein Leichenberg, deren Unrat, der ihre Spitze bildet, sich nur halten konnte, indem er ihre wahren Feinde zerschlug, die Revoltierenden und die Revolutionäre, welche für eine Welt der Gerechtigkeit und der Freiheit kämpften. Der ”französische Geist”, wenn solch ein unsäglicher Blödsinn jemals existieren könnte, wäre ein zum Zerbersten volles Schild mit nach Rache schreienden Stimmen gegen die Bürgerlichen, die Politiker, die Bullen, die Soldaten und die Priester, die sie mit den Füssen getreten haben, um ihre Macht zu festigen.
Ach, aber das ist doch alles Vergangenheit. Nicht? Haben etwa Jahrzehnte der Bürgerbeteiligung, der Warenintegration und der generalisierten Enteignung diejenigen, die noch eine Spur von Sensibilität bewahren, wirklich vergessen lassen, dass in die Menge zu schiessen nicht eine Exklusivität von fernen Terroristen ist? Dass der französische Staat seit einigen Jahren sein grosses Comeback auf der internationalen Bühne des staatlichen Terrorismus gehabt hat, indem er seine militärischen Angriffe in allen Ecken des Planeten multiplizierte (Libyen, Mali, Afghanistan, Elfenbeinküste, Somalia, Zentralafrika, Irak, Syrien)? Der Vorwand ändert sich jedes Mal, aber die Gründe bleiben dieselben: die Kontrolle über strategische Ressourcen wahren, neue Märkte und Einflusszonen erschliessen, seine Interessen gegenüber seinen Konkurrenten schützen, vermeiden, dass Aufstände sich in Experimente von Freiheit verwandeln. Und falls es noch nötig war, so wurden sogar Warnungen lanciert, um den Schläfrigen verständlich zu machen, dass diese Kriegslogik keine territorialen Grenzen kennen wird: der Tod von einem Demonstranten im vergangenen Jahr in Sivens oder die von Splittern durchbohrten Körper von denjenigen von Notre-Dame-des-Landes und von Montabot rufen in Erinnerung, dass man, auch hier, nicht zögert, kakibraune Angriffsgranaten gegen Mengen zu werfen, um Terror zu sähen.

Denn was ist der Terrorismus, wenn nicht, unterschiedslos in die Menge zu schlagen, um zu versuchen, die Macht zu bewahren oder zu erobern? So ähnlich wie es die Reichen tun, indem sie tagtäglich Millionen von Menschen bei der Arbeit töten und verstümmeln im Namen der Kohle, die sie aus ihrer Ausbeutung ziehen. So ähnlich wie es die Industriellen und ihre Lakaien in den weissen Hemden tun, indem sie nachhaltig alles Leben auf der Erde vergiften. So ähnlich wie alle Staaten, die die Ausgeschlossenen aus ihrem Warenparadies und die Rebellierenden gegen ihre Gesetze einsperren und auf kleiner Flamme foltern, indem sie sie während Jahren zwischen vier Mauern einschliessen. So ähnlich wie jene grrrossen Demokratien, die das Mittelmeer in einen Friedhof verwandelt haben, der von Tausenden von Unerwünschten bevölkert wird, die das Verschulden hatten, nicht über den geeigneten kleinen Fetzen Papier zu verfügen. Aber das ist, was der Frieden des Staates und des Kapitalismus kostet. Der Frieden der Mächtigen ist der Krieg gegen die Beherrschten, innerhalb wie ausserhalb seiner Grenzen.
Am 13. November in Paris wurden die Regeln des Spiels respektiert. Ob er sich nun islamisch nennt oder Republik, Kalifat oder Demokratie, ein Staat bleibt ein Staat, das heisst eine autoritäre Macht, deren massenhafte Gewalt gegen all jene eingesetzt wird, die sich seinem obersten Befehl nicht unterwerfen. Eines der Prinzipien von jedem Staat ist es, nur Untertanen anzuerkennen. Untertanen, welche Gesetzen gehorchen müssen, die von oben diktiert werden, das heisst, das völlige Gegenteil von freien Individuen, die sich ohne Geführte noch Führer selbst-organisieren können. Von den Bombardierungen von Dresden und Hiroshima bis zu den Dörfern von Vietnam, die dem Napalm unterzogen wurden, oder jenen von Syrien unter den TNT-Fässern: die Staaten haben in ihren schmutzigen Kriegen nie gezögert, einen Teil ihrer eigenen Bevölkerung, oder jene ihrer Konkurrenten zu opfern. Indem sie wahllos auf Pariser Passanten schossen, um deren Staat zu bestrafen, haben die kleinen Soldaten von Daesch nichts anderes getan, als die erbarmungslose Logik ihrer Gegner zu reproduzieren. Eine schreckliche Logik, so schrecklich, wie jede staatliche Macht es sein kann.

Der Ausnahmezustand, der in Frankreich seit gestern verhängt wurde, als interne Kriegsmassnahme von einer Regierung, die das Land in Adäquanz mit seiner internationalen Terrorismuspolitik bringt, ist nur ein Schritt mehr in der grundlegenden Praxis von jeder Regierung, auf die gezwungene Normalisierung des Lebens, auf seine institutionelle Kodifizierung, auf seine technologische Standardisierung abzielend. Denn, wenn der Staat in die Zukunft schaut, was sieht er? Wirtschaftliche Zusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, eine Erschöpfung der Ressourcen, internationale militärische Konflikte, Bürgerkriege, ökologische Katastrophen, Bevölkerungsexodusse... Er sieht kurzum eine Welt, die immer instabiler wird, worin die Armen immer zahlreicher und konzentrierter werden, eine Welt, die vor Verzweiflung schwitzt, die sich in ein enormes Pulverfass verwandelt, aller Art von Spannungen ausgeliefert (soziale, identitäre, religiöse). Eine Welt, worin die Entzündung des geringsten Funkens, was auch immer er sei, von einer immer totalitäreren Demokratie nicht toleriert werden darf. Dann bedeutet der „Krieg gegen den Terrorismus“, ebenso wie „Bürger“ ein anderes Wort für „Bulle“ ist, vor allem Krieg gegen all diejenigen, welche die Ränge der Macht durchbrechen. An alle, welche sich der sozialen Befriedung nicht unterwerfen, an alle, welche den Kriegen zwischen Mächtigen und Autoritären desertieren, sabotieren wir die nationale Einheit...

Ein schlechter Untertan,
Feind der Republik und aller Staaten
Paris, 14. November 2015
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  kritische notizen
16.11.2015 15:13  
Einige kritische Notizen zum Text, die auf der Seite von Non Fides zur Publikation des Textes geschrieben wurden:

Wir erlauben es uns, einige Vorbehalte über diesen Text zu äussern, den wir dennoch publizieren. Seine Abwesenheit von Empathie (während er unterzeichnet ist aus Paris, dem 14. November...) vereint mit der kalten und klinischen Darlegung einer Argumentation haben uns zuerst zögern lassen, bevor wir ihn übernahmen. Denn solcherart sind die üblichen Kriterien von jedem ideologischen Abdriften, das stets darin endet, alles zu banalisieren, um zu einer Form von Relativismus zu gelangen, der sich in seiner linksextremsten Version in den negationistischen Abdriftungen einer gewissen Ultra-Linken materialisiert, deren wahrer Motor und Matrize, unserer Meinung nach, der Bordigismus war: der absolute Archetyp von einer kalten Ideologie, die nur Zahnräder und Bolzen sieht, wo sich Individuen, Leiden und Komplexitäten befinden, welche es manchmal schwierig ist, mit Worten zu erfassen.

Uns liegt die Vorstellung fern, den oder die Autoren von diesem Text (und anderen, die gekommen sind oder kommen werden) solch schwerwiegender Dinge zu anzuschuldigen. Ausserdem teilen wir die meisten Bekräftigungen (die, wie ein anderer Gefährte anmerkte, sehr gut auch vor 30 Jahren, oder in 30 Jahren hätten geschrieben werden können). Es liegt uns schlicht daran, eine kleine Glocke zu klingeln, um daran zu erinnern, wohin diese Art von Wegen geführt haben. Es wird immer wichtig sein, zu wiederholen, um die bevorzugten Beispiele aufzugreifen von, beispielsweise, einem Gilles Dauvé (und vieler anderen Negationisten, die, im Grunde, an allem zweifeln), dass, wenn der Supermarkt und die Gaskammer aus den gleichen Mechanismen hervorgehen (was noch zu beweisen bleibt), die Tatsache, sie auf dieselbe Ebene von Grausamkeiten zu stellen, und sich zu weigern, die Spezifitäten von jeder begangenen Grausamkeit zu analysieren, bedeutet, zu relativieren, was nicht relativiert werden kann und darf. Der Supermarkt, seinerseits, ist relativierbar, und ist nicht das Produkt von einem Einverständnis unter Personen, um ganz spezifische Blutbäder zu begehen, wie in dem Fall von Daesch, aber auch der Nazis, oder von Saddam Hussein 1988 gegen die Bevölkerungen des Irakischen Kurdistan.

Gleichermassen ist es nicht dasselbe, in eine gedrängte Menge von Unbekannten zu schiessen, um für so viele Tote wie möglich zu sorgen und daraus einen Trancezustand zu ziehen, wie wenn ein Bulle auf einen Jugendlichen schiesst und ihn tötet. Beides ist grausam, beides ist inakzeptabel. Aber, wenn man aus ideologischen Gründen dahin gelangt, uns zu sagen, dass es sich um denselben Akt handelt, von derselben Schwere, dann sollte man diese Ideologie in Frage stellen, welche zwangsläufig darin enden wird, das Nicht-Relativierbare zu relativieren und die Welt durch Lesemuster und Gedanken-Systeme von einäugigen Politikern zu erklären. Lasst uns an die Worte von Bakunin erinnern (trotz einer gewissen Ambivalenz betreffend der Wissenschaft, aber der Text [„Gott und der Staat“], dennoch von einer grossen Aktualität, stammt aus 1882), in Auseinandersetzung mit den beiden schlimmsten Gedanken-Systemen seiner Zeit: dem autoritären und pseudo-wissenschaftlichen Marxismus, und dem Positivismus von Auguste Comte und seinen zahlreichen Schülern: „Was ich predige, ist also, bis zu einem gewissen Grade, die Revolte des Lebens gegen die Wissenschaft, oder vielmehr gegen die Regierung der Wissenschaft. Nicht, um die Wissenschaft zu zerstören – Gott bewahre! Dies wäre ein Verbrechen an der Menschheit –, sondern um sie wieder an ihren Platz zu setzen, derart, dass sie ihn nie wieder wird verlassen können.“

Vielleicht ist an diesem Wochenende des 13. Novembers nicht die Stunde, um über den blutgetränkten Köpfen Slogans zu hämmern. Nicht, während das noch warme Blut noch immer nicht von den Treppen gereinigt worden ist, die wir jeden Tag beschreiten.

Ein Gedanke für jene, die uns lesen und die, an diesen schrecklichen letzten Tagen, zahlreiche Freunde und Freundinnen, Arbeitskollegen, und ihre Jungfräulichkeit im Terror verloren haben.

Der Staat ist nicht der einzige Terrorist, er ist nur der am besten ausgerüstete, aber sicherlich nicht der am meisten vom Blutdurst durchströmte.

Tod der Demokratie, Tod der Theokratie.
Weder Gott, noch Meister, HEUTE WIE IMMER.

Ein Gefährte aus Paris,
am 15. November 2015


AutorIn: .
  Logik?
16.11.2015 20:25  
Gilles Dauvé als einen Negationisten zu bezeichnen, ist im besten Fall absurd, im schlimmsten eine propagandistische Lüge. Da Non Fides in der Regel vor nichts zurückschreckt, um politische Konkurrenten zu diffamieren, ist letzteres wahrscheinlicher. Gilles Dauvé hat sich für seine unappetitlichen Äusserungen (die nie die Existenz der Gaskammern in Frage stellten) bezüglich der Shoa entschuldigt und seine Meinung revidiert. Und in einem Punkt hat er sicher Recht: Moralische Kategorien sind alles andere als hilfreich, um die Funktion der kapitalistischen Welt zu verstehen. Die Welt ist etwas komplexer als man in diesen Kreisen gemeinhin annimmt, ihre Unterteilung in böse Unterdrücker, resignierte Kollaborateure und heldenhafte anarchistische Widerstandskämpfer erklärt überhaupt nichts.

Trotzdem danke für die Übersetzung des Texts!


AutorIn: Kalter Ideologe
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