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 :: Der Kampf bei Sanitarios Maracay geht weiter ::
 Themen | Anti-Kapitalismus/Globalisierung 04-06-2008 09:05
AutorIn : Wladek Fakin
Sanitarios Maracay ist eine Fabrik im venezolanischen Bundesstaat Aragua, die Keramikprodukte für Badezimmer herstellt. Der Name der Fabrik wurde zu einem Synonym für einen heroischen ArbeiterInnenkampf und die massiven Widersprüche, die zwischen der ArbeiterInnenbewegung und der "sozialistischen" Regierung in Venezuela bestehen.
Sanitarios Maracay ist eine riesige Fabrik, die mehr als 1.000 ArbeiterInnen beschäftigte und mit einer Produktion von bis zu 2.500 vollständigen Badezimmern pro Woche 70% des venezolanischen Marktes für Badezimmerinventar kontrollierte. Aber das Geschäft entwickelte sich 2003 in eine Spirale nach unten und schließlich meldete der Besitzer Konkurs an. Als er im November 2006 ankündigte, dass alle ArbeiterInnen entlassen und unter wesentlich schlechteren Bedingungen neu angestellt werden sollten, besetzten die ArbeiterInnen die Fabrik und begannen unter ArbeiterInnenkontrolle zu produzieren.

Die Haltung der venezolanischen Regierung war gegenüber der Besetzung von Anfang an feindlich. Die Regierung hatte zuvor einige Betriebe, die von ihren Besitzern aufgegeben worden waren, verstaatlicht, beispielsweise die Fabriken Inveval und Invepal. Aber der Arbeitsminister José Ramón Rivero verweigerte beharrlich die Verstaatlichung von Sanitarios Maracay; mit dem Argument, dass der Betrieb für die venezolanische Industrie einfach nicht "strategisch" sei. Die ArbeiterInnen betonten, dass die Regierung ein riesiges Wohnbauprojekt, Petrocasa, betreibt, das alleine in diesem Jahr 18.000 Badezimmer benötigt. Aber die Regierung gab den Auftrag der anderen großen Keramikfabrik in Maracay, einem normalen kapitalistischen Betrieb.

Nach neun Monaten gingen dem Kampf bei Sanitarios Maracay langsam die Luft und das Geld aus. Die harte Linie der bolivarianischen Regierung demoralisierte eine große Zahl von ArbeiterInnen, die auf die Unterstützung ihrer Regierung gehofft hatten. "Wir hatten Besucher aus den USA, Deutschland, Frankreich, Korea und von überall auf der Welt. Die einzige Person, die uns nicht besucht hat, ist Chávez, obwohl er nur 90 Kilometer entfernt lebt", kommentiert José Villegas, einer der Streikführer. Am 10. August 2007 gelang es dem Arbeitsministerium, der Gewerkschaftsbürokratie und dem Verwaltungspersonal der Fabrik in einer koordinierten Aktion, das Streikkomitee abzusetzen und eine Mehrheit der ArbeiterInnen zu überzeugen, ein Schlichtungsabkommen zu akzeptieren. Sie bekamen zumindest umgerechnet etwa 1400 Dollar pro Person und beendeten die Besetzung.

Nur eine kleine Minderheit der ArbeiterInnen entschied sich für die Fortsetzung des Kampfes, etwa 60 KollegInnen (von 600, die die Besetzung neun Monate vorher begonnen hatten). Im Dezember 2007 besetzten sie eine kleine Produktionseinheit, auf der anderen Seite der Straße des Hauptkomplexes, wo Plastikteile der Badezimmer-Produkte hergestellt werden. In den letzten sechs Monaten haben sie Toilettensitze und ähnliche Produkte hergestellt und sie auf der Straße verkauft.

Im letzten Jahr gab es in der deutschsprachigen Linken wenig Information über Sanitarios Maracay. Das liegt hauptsächlich daran, dass zuvor die meisten Berichte von der "International Marxist Tendency" (IMT) von Alan Woods publiziert worden waren, deren strategisches Ziel ein Verhandlungsabkommen zwischen den ArbeiterInnen und der Regierung war. Als die Regierung Verhandlungen verweigerte und sich die Konfrontation zuspitzte - die Staatsmacht attackierte die ArbeiterInnen auf dem Weg zu einer Demonstration in Caracas im April 2007 auf brutale Weise und die ArbeiterInnen von Maracay antworteten mit einem regionalen Generalstreik - entschied die IMT-Gruppe sich zurückzuziehen. "Die Leute von FRETECO [die Gewerkschaftsfront der IMT] kommen nicht mehr vorbei", sagte Marco Pacheco, einer der Führer der BesetzerInnen, "sie haben eine sehr freundliche Position gegenüber der Regierung." Der Chavismus der IMT geht so weit, dass sie die ArbeiterInnen dafür verantwortlich machen, dass die Regierung das Werk nicht verstaatlichte - sie argumentieren, dass der regionale Generalstreik die wohlmeinende "revolutionäre" Regierung verschreckt hätte.

Die ArbeiterInnen von Sanitarios Maracay brauchen verzweifelt Solidarität, um die Produktion aufrechterhalten zu können. Verbreitet die Informationen und sammelt Geld zur Unterstützung der Besetzung!

Von Wladek Flakin (unabhängige kommunistische Jugendorganisation Revolution/Berlin)
 http://www.revolution.de.com/


Übersetzt aus dem Englischen und in Zusammenarbeit mit der RSO (Revolutionär Sozialistische Organisation), www.sozialismus.net
Übersetzung: Eric Wegner (RSO Wien Süd/West)


Aktuelle Analysen der RSO zur Entwicklung in Venezuela:
Teil 1: "Bolivarischer Prozess" und Klassenkampf
 http://www.sozialismus.net/ue_texte/weiter-venezuela_1.html

Teil 2: PSUV und ArbeiterInnenbewegung
 http://www.sozialismus.net/ue_texte/weiter-venezuela_2.html

Teil 3: Referendum und weitere Perspektiven
 http://www.sozialismus.net/ue_texte/weiter-venezuela_3.html

Broschüre der RSO: Für eine sozialistische Revolution in Venezuela. Bilanz und Perspektiven des "bolivarischen Prozesses" und die Chancen für die Arbeiter/innen/klasse. Mai 2006, 96 Seiten A5, 3,50 Euro

 :: 5 Inhaltliche Ergänzungen : > Ergänze diesen Artikel (.onion )
  WC-Schüsseln auf der Strasse verkaufen? Wie revolutionä
05.06.2008 14:12  
Die Strassen sind dort voll von Ramschhändlern aller Art. Das passt zu den Venezolanern. Sie sind ein Volk von Kleindealern und Dieben, und es ist echt unverständlich, dass dort jemand auf die Idee kommen konnte, den Sozialismus einzuführen!


AutorIn: Wladek Flakin, zurück nach Deutschland!
  In Maracay wird noch anderes verkauft
05.06.2008 14:28  
Das Zentrum um die Plaza Girardot ist voll von Marktständen - jeden Tag. Dort verkauft man alles straffrei - ausser Drogen. Handkopierte CDs und DVDs zum Spottpreis von Fr. 1.-! Die neuesten Filme aus Hollywood! Und die Polizei patroulliert daran vorbei und schaut, dass niemand etwas davon klaut!

Solidarnosc-Kämpfer Flakin, geh heim in dein geistig-eigentumsgeschütztes Polen!


AutorIn: wenn der spiesser sich als revolutionör ausgi
  Hintergrund ist Geberit AG, 8645 Jona SG
05.06.2008 15:24  
Venezuela hofft immer noch, den Anschluss an neue Sanitär-Technologien zu bekommen. Mit der Kollektivierung wären diese Pläne zunichte, und von da an würde Venezuela rückständige Sanitärprodukte herstellen.

Nicht umsonst suchen sich die orangen Kräfte genau solche Betriebe wie Sanitarios Maracay aus. Auf diese Art kann die Volkswirtschaft Venezuelas nachhaltig geschädigt werden.


AutorIn: insider
  Bitte etwas differenzierter!
05.06.2008 15:38  
Man sollte hier etwas differenzierter herangehen, als "der" Regierung die ganze Sache vorzuwerfen. Das Vorgehen des (alten) Arbeitsministers, der dem sozialdemokratischen rechten Flügel des Chavismus angehört, zeigt ganz gut, was für Kämpfe gerade innerhalb des bolivarianischen Lagers gefochten werden. Diese Widersprüche dafür zu benutzen, den gesamten Prozess zu diskreditieren ist nicht ok. Interessant wäre zB zu wissen, ob sich mit dem neuen Arbeitsminister etwas ändert. Der alte wurde ja gerade wegen seiner arbeiterInnenfeindlichen Politik im Rahmen des SIDOR-Konflikts rausgeschmissen.

 http://www.venezuela-aktuell.de/index.php?option=com_content&task=view&id=604&Itemid=3
 http://www.amerika21.de/nachrichten/inhalt/2008/mai/sidor-Tarifvertrag


AutorIn: ich
  Wenn die linken sozialrevolutionären Politos...
05.06.2008 16:40  
...in den reichsten kapitalistischen Ländern seit 40 Jahren nicht nur Sit-Ins, Demos, Frauenfurz- und Farbanschläge und Ähnliches machen würden, wäre vermutlich nicht nur die DDR nie zugrundegegangen, sondern der Sozialismus hätte überhaupt keinen schlechten Ruf bei den Menschen.

Wer in der Schweiz leben und studieren konnte, hätte etwas studieren können, was z.B. Cuba gerade technologisch und industriell weitergeholfen hätte.

Sogar der Rev. Aufbau ist nur gut im Kritisieren, wenn es um Cuba geht. Wirklich geholfen haben dem Sozialismus ausgerechnet solche scheinreformistischen Leute wie Medicuba. Wenn wir mit der Strategie "den Kampf auf die Strasse tragen" nicht mehr weiterkommen, sollten wir uns vielleicht einmal fragen, was denn "Internationale Solidarität" wirklich bedeuten könnte. Gerade wenn man aus einem so viel reicheren und technologisch überlegenen Land kommt wie wir.

Aber nein, die DDR musste höchstselbst ihre eigenen auffälligen Staatsfunktionäre in den Westen schicken, um mühsam und höchst konspirativ ein paar technologische Details des westlichen Fortschritts ausspionieren zu können. Während die Bürgerkinder der RAF sich dem edlen Handwerk des bewaffneten Kampfes um das Nichts widmeten.

Sozialismus in Einem Land, das könne ja gar nicht funktionieren, sagte mir einmal der Bullenspitzel X.B.. Das war damals, als er wissen wollte, ob ich denn als Anarchist auch ganz sicher nichts für den Staatssozialismus übrig hätte und nicht doch noch eines Tages dorthin hinüberwechseln würde.

Grundsätzlich hatte er schon Recht. Kapitalismus bedeutet nicht nur Ausbeutung, sondern auch Sklavenarbeit. Und höheren Arbeitsdruck. Dadurch wird logischerweise eine grössere Wirtschaftsleistung erreicht, als sie im Sozialismus möglich ist. Wenn dann zusätzlich noch der grösste Teil aller linksrevolutionären Politos sich vom Realsozialismus distanzieren und ihn als feindliche Macht zu begreifen beginnen, und wenn die restlichen Radikalen wie Aufbau oder RAF auch nichts als den bewaffneten Kampf im EIGENEN Land auf dem Programm haben, dann ist es um den Sozialismus tatsächlich geschehen.

Was wäre echte internationale Solidarität? Uns zu fragen, wie unsere Zusammenarbeit mit Cuba aussehen könnte. Was haben wir, was Cuba nicht hat? Was hat Cuba, was wir nicht haben? Könnten wir - analog zum Konzept der Kapitalisten zu China, aber anti-profitmotiviert - hier in der Schweiz Produkte entwerfen, welche Cuba nachher herstellen und auf dem kapitalistischen Markt verkaufen könnte? Industrieprodukte, die mehr einbringen als Orangen und Zigarren? Und warum ist uns diese Idee eigentlich nicht schon vor 30 Jahren gekommen? War uns unser theatralisches Ego als linke Befreiungskämpfer soviel wichtiger?


AutorIn: wer schon wieder?
 :: Nicht inhaltliche Ergänzung :
  1. Die Revolution kommt nur in Zusammenarbeit — Flakin ich komme nach Venezuela dich suchen
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