Jüdische Friedensaktivisten und israelische G
  28-08-2002 11:43
Autore
Anis Hamadeh
: http://www.anis-online.de
 
 
  Analyse der Klage der "Aktion Kinder des Holocaust" gegen Indymedia wegen Carlos Latuff  
     
  Jüdische Friedensaktivisten und israelische Gewalt - ein Beispiel (28.08.02)

In einer Presseerklärung vom 26.08.02 nimmt die AkdH (Aktion Kinder des Holocaust, Schweiz,  http://www.akdh.ch) Stellung zur Einstellung eines Strafverfahrens, welches sie gegen den brasilianischen Zeichner Carlos Latuff bzw. seine Veröffentlichungen bei Indymedia.org geführt hatte. Es geht um eine Zeichnung, die einen Jungen mit dem Judenstern zeigt. In der Sprechblase steht: "I am Palestinian". Diese Zeichnung steht im Kontext mit mehreren ähnlichen Cartoons, in denen ein Schwarzer, ein Indianer und andere jeweils in einer Unterdrückungssituation gezeigt werden. Alle sagen: "I am Palestinian."

In der Urteilsbegründung heißt es: "Doch selbst wenn damit der Betrachter emotional gegen das jüdische Volk beeinflusst wird, so wird nicht das jüdische Volk als solches kritisiert, sondern dessen politisches Verhalten gegenüber den Palästinensern. Es geht dabei nicht um eine bestimmte Eigenschaft der Juden als Menschen, sondern um deren Vorgehen im gegenwärtigen Konflikt. Die grundrechtliche Gleichwertigkeit als Menschen wird den Juden damit nicht abgesprochen." (S. 2/Absatz 1.2.)

Dazu sagt die AKdH unter anderem: "Die Bezirksanwaltschaft spricht von "DEM jüdischen Volk", das offenbar "EIN politisches Verhalten" gegenüber Palästinensern zeigt. Die Erfindung der einheitlichen jüdischen Haltung "des jüdischen Volkes" ist ein mehrfach wissenschaftlich belegtes antisemitisches/antijudaistisches Denkstereotyp! Es wird damit dem "jüdischen Volk" nicht nur eine pluralistische politische Haltung abgesprochen - diese Optik ist insbesondere Grundlage für die antisemitische Wahnvorstellung der jüdischen Weltverschwörung."

Samuel Althof, Sprecher der AKdH, fügt hinzu: "Wir sind der Meinung, - dies um Missverständnissen vorzubeugen - dass das politische Verhalten der aktuellen politischen und militärischen Behörden in Israel gegenüber den Palästinensern durchaus kritisierbar ist und kritisiert werden soll. (Siehe:  http://www.akdh.ch/akdh-ovp.htm )"

Sami Althof macht Friedensarbeit, seit er 1975 von der israelischen Armee desertiert ist, und ich lese seine Beiträge seit einiger Zeit mit prinzipiellem Wohlwollen. Es ist an Juden bzw. Israelis wie ihm und Palästinensern wie mir, die wir Gewalt verabscheuen, für Frieden im Nahen Osten zu sorgen und positiv auf die Extremisten auf unseren jeweiligen Seiten einzuwirken.

Die Kritik des AKdH an der Bezirksanwaltschaft zeigt aber deutlich, wie die Schuld Israels selbst von jüdischen Friedensaktivisten gedeckt wird: Sie bewertet bereits den Ausdruck "das jüdische Volk" als Stereotyp und als latent antisemitisch, ja rassistisch. Cui bono? Diese Hyperempfindlichkeit nützt vor allem israelischen Gewalttätern wie der Armee. „Die Juden“ oder „die Israelis“ gibt es in dieser Sichtweise eben nicht, Schuldzuweisungen für Menschenrechtsverletzungen werden damit an die extremen Gruppen abgeschoben, und die anderen haben nichts damit zu tun. Damit wird - zum großen Teil wohl unbewusst - von Scharon abgelenkt. Gleichzeitig mit derartigen Strafanzeigen betont die AKdH ihre eigene Opferschaft ("Wie Indymedia-AktivistInnen die AKdH zu erpressen versuchen / Über die AKdH werden bei Indymedia abstruse antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet / Über den AKdH-Sprecher Samuel Althof werden weiterhin abstruse Behauptungen, Lügen und Beleidungungen bei Indymedia-Switzerland veröffentlicht / Der AKdH und anderen Beteiligten wird mit roher Gewalt gedroht / Hackerangriffe von Indymedia auf AKdH" etc.)

Es ist diese Hyperempfindlichkeit und Klagewut, die auf Kosten der Palästinenser den Diskurs verzerrt. Ist es ein Wunder, dass etwa Deutsche sich fürchten, Israel zu kritisieren, wenn sie solche Überreaktionen in Kauf nehmen müssen? Denken wir auch an die rezenten Probleme der israelischen Friedensgruppe Gush Shalom zurück, dessen von mir bislang verehrter Initiator Uri Avnery fast schon als Alibi auf den Seiten der AKdH (und anderen jüdischen Homepages) gepusht wird: Als Gush Shalom eine Broschüre an israelische Soldaten ausgab, wo Tacheles geredet wurde, reagierte die israelische Öffentlichkeit ganz ähnlich: Natürlich darf man kritisieren, aber nicht so weit, dass es tatsächliche Veränderungen bringen könnte!

Es ist traurig, dass gute Männer wie Sami Althof, für den ich durchaus gute Gefühle hatte, nicht den Mut zu einer konsequenten Meinung haben. Wenn er mal Scharon so aufpusten würde wie Carlos Latuff! In welchem Verhältnis steht denn das? Der tiefere Grund des anti-anti-semitischen Geschreis und der wehleidigen Herumklagerei ist, dass viele Juden sich als Opfer des Holocausts noch nicht genügend beachtet finden, ein Argument, das sicher eine Berechtigung hat, weil Deutschland bekanntlich seine Vergangenheit nicht bewältigt hat. Die Identitätslosigkeit der Juden, die Aktivisten wie Althof durchaus geläufig ist, wird so überbrückt, eine geistige Heimat durch Abgrenzung von anderen (Rechtsextremen, Rassisten, Anti-Semiten, Palästinensern) aufgebaut. Die Palästinenser sind oft nicht viel besser, jedoch sind es nicht die Palästinenser, die Israel besetzen, sondern die Israelis, die Palästina besetzen. Das wird häufig vergessen.

Sami Althoffs unfreiwillig komischer Kommentar zu dieser Kritik in einer Email ist, dass Hypersensibilität „ein altes antisemitisches Denkstereotyp“ sei, womit der Kreis wieder geschlossen ist.

Sehen Sie Carlos Latuffs hervorragende Cartoons hier:  http://www.sinkers.org/latuff/

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An English translation is available at:  http://www.anis-online.de/pages/_1-ebene/SamisRoom.htm

Anis Online is a journalistic art website in German, English, and Arabic with about 570 pages. It contains poetry and prose, music, essays, children’s stories, satires, political statements, Palestiniana, Orient Online, drawings, an Elvis page, the Latiina transcription for Arabic, and many more things.
 
     
   
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  mein bester freund ist jude 2002-08-28 13:35  
> jeweils in einer Unterdrückungssituation gezeigt werden.

die unterdrueckungssituation in der sich der junge in jenem comic befindet ist das warschauer gettho. es ist nicht irgendeine beliebige unterdrueckungssituation.

> Sie bewertet bereits den Ausdruck "das jüdische Volk" als Stereotyp und als latent antisemitisch, ja rassistisch. Cui bono? Diese Hyperempfindlichkeit nützt vor allem israelischen Gewalttätern wie der Armee.

seit wann ist ein wie auch immer geartetes "volk" schuld an einem krieg, vergisst man hier ploetzlich gewisse unterscheidungen, die sonst bis zur bewusstlosigkeit repetiert werden (gegen S T A A T und kapital). es genuegt anscheinend nicht, dem israelischen staat eine besondere boeshaftigkeit zu unterstellen, nein, das muster muss auf subjektiver ebene fortgesetzt werden. nicht die regierung ist schuld, nein das JUEDISCHE VOLK.

> Damit wird - zum großen Teil wohl unbewusst - von Scharon abgelenkt.

mit dieser agumentation, liegt die alleinige verantwortung fuer die selbstmordattentate bei der plo (was wohl grossteils auch zutreffen duerfte).

> Es ist diese Hyperempfindlichkeit und Klagewut, die auf Kosten der Palästinenser den Diskurs verzerrt.

huh, die KLAGEWUT und die HYPERENDFINDLICHKEIT, sollte hier nicht auch noch angehaengt werden, dass "das kollektiv juden" doch aus der shoa gefaelligst lernen soll seine natuerliche herbsetzungslust (mehrfach nachgeweisenes stereotyp) und seine schuldzuweisungswut (stereotyp mit welchem der sekundaere antisemitimus bsiweilen zu rechtfertigen versucht wird) zu unterlassen.

> ist es ein Wunder, dass etwa Deutsche sich fürchten, Israel zu kritisieren, wenn sie solche Überreaktionen in Kauf nehmen müssen?

hier wird gefliessentlich ueber den sekundaeren antisemitismus hinweggesehen, der sich genau jener strukturell antismeitischen diskussionsstruktur bedient um ein vermeintliches(!) tabu zu brechen. wie heisst es doch so schoen: die deutschen werden den juden den holocaust nie verzeihen.
wer sich nicht mit antisemitismus auseiandersetzt hat zu israel die schnauze zu halten, ganz einfach.

> Der tiefere Grund des anti-anti-semitischen Geschreis und der wehleidigen Herumklagerei ist, dass viele Juden sich als Opfer des Holocausts noch nicht genügend beachtet finden, ein Argument, das sicher eine Berechtigung hat,

siehe oben, antismemitismus in reinkultur. sekundaerer- eliminatorischer- allsamt -idiotischer, -barbarischer. wie nett er doch ist, der verfasser, er wirft nicht allen juden, jene wehleidigkeit vor, NEIN, boese sind nur jene juden, denen israel am herzen liegt, die nicht einfach ob soviel unverbluemter ressentiments das maul halten. ein sehr sehr tiefer grund ist das, lieber verfasser, deiner meinung nach nicht vielleicht auch der grund fuer DEINEN ganz persoenlichen antisemitismus, so wie ja israel auch schuld daran ist, dass irgendwo in der welt irgendwelche juden angegriffen werden?

> weil Deutschland bekanntlich seine Vergangenheit nicht bewältigt hat.

so so, die sollen also endlich ihr mahnmal bauen, damit man das dann ein fuer alle mal bewaeltigt hat und sich ohne sorgen gegenseitig ueberbietren kann in der kritik an israel UND seinem volke, welches ja spaetestens dann seinen anspruch auf entschaedingung oder mindestens gleichberechtigung verwirkt hat.

> jedoch sind es nicht die Palästinenser, die Israel besetzen, sondern die Israelis, die Palästina besetzen. Das wird häufig vergessen.

AHA: lies mal: blick, woz, nzzz, tagi, vorwaerts, facts usw. welche dieser blaetter hat dies vergessen? diese tatsache, die alle vereint, vom naturschuetzer ueber den attacer bis zum pnos´ler, wer vergisst wohl, dass der entwurzelte jude, dem widerstaendigen natuerlichen volk palaestina seinen boden und sein blut entzieht?

> Sehen Sie Carlos Latuffs hervorragende Cartoons hier:

das haette nun wirklich nicht auch noch sein muessen, wes geistes kind der verfasser ist, zeigt sich spaetestens nach der dritten oder vierten zeile.

das statement ist EIN antiemitisches klischee und hat mit linker politik absolut nichts zu tun, es ist einfach zu loeschen.

israel lebe am laengsten.
Tom
  absolut unleserlich 2002-08-28 14:09  
> jeweils in einer Unterdrückungssituation gezeigt werden.
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die unterdrueckungssituation in der sich der junge in jenem comic befindet ist das warschauer gettho. es ist nicht irgendeine beliebige unterdrueckungssituation.
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> Sie bewertet bereits den Ausdruck "das jüdische Volk" als Stereotyp und als latent antisemitisch, ja rassistisch. Cui bono? Diese Hyperempfindlichkeit nützt vor allem israelischen Gewalttätern wie der Armee.
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seit wann ist ein wie auch immer geartetes "volk" schuld an einem krieg, vergisst man hier ploetzlich gewisse unterscheidungen, die sonst bis zur bewusstlosigkeit repetiert werden (gegen S T A A T und kapital). es genuegt anscheinend nicht, dem israelischen staat eine besondere boeshaftigkeit zu unterstellen, nein, das muster muss auf subjektiver ebene fortgesetzt werden. nicht die regierung ist schuld, nein das JUEDISCHE VOLK.
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> Damit wird - zum großen Teil wohl unbewusst - von Scharon abgelenkt.
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mit dieser agumentation, liegt die alleinige verantwortung fuer die selbstmordattentate bei der plo (was wohl grossteils auch zutreffen duerfte).
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> Es ist diese Hyperempfindlichkeit und Klagewut, die auf Kosten der Palästinenser den Diskurs verzerrt.
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huh, die KLAGEWUT und die HYPERENDFINDLICHKEIT, sollte hier nicht auch noch angehaengt werden, dass "das kollektiv juden" doch aus der shoa gefaelligst lernen soll seine natuerliche herbsetzungslust (mehrfach nachgeweisenes stereotyp) und seine schuldzuweisungswut (stereotyp mit welchem der sekundaere antisemitimus bsiweilen zu rechtfertigen versucht wird) zu unterlassen.
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> ist es ein Wunder, dass etwa Deutsche sich fürchten, Israel zu kritisieren, wenn sie solche Überreaktionen in Kauf nehmen müssen?
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hier wird gefliessentlich ueber den sekundaeren antisemitismus hinweggesehen, der sich genau jener strukturell antismeitischen diskussionsstruktur bedient um ein vermeintliches(!) tabu zu brechen. wie heisst es doch so schoen: die deutschen werden den juden den holocaust nie verzeihen.
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wer sich nicht mit antisemitismus auseiandersetzt hat zu israel die schnauze zu halten, ganz einfach.
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> Der tiefere Grund des anti-anti-semitischen Geschreis und der wehleidigen Herumklagerei ist, dass viele Juden sich als Opfer des Holocausts noch nicht genügend beachtet finden, ein Argument, das sicher eine Berechtigung hat,
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siehe oben, antismemitismus in reinkultur. sekundaerer- eliminatorischer- allsamt -idiotischer, -barbarischer. wie nett er doch ist, der verfasser, er wirft nicht allen juden, jene wehleidigkeit vor, NEIN, boese sind nur jene juden, denen israel am herzen liegt, die nicht einfach ob soviel unverbluemter ressentiments das maul halten. ein sehr sehr tiefer grund ist das, lieber verfasser, deiner meinung nach nicht vielleicht auch der grund fuer DEINEN ganz persoenlichen antisemitismus, so wie ja israel auch schuld daran ist, dass irgendwo in der welt irgendwelche juden angegriffen werden?
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> weil Deutschland bekanntlich seine Vergangenheit nicht bewältigt hat.
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so so, die sollen also endlich ihr mahnmal bauen, damit man das dann ein fuer alle mal bewaeltigt hat und sich ohne sorgen gegenseitig ueberbietren kann in der kritik an israel UND seinem volke, welches ja spaetestens dann seinen anspruch auf entschaedingung oder mindestens gleichberechtigung verwirkt hat.
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> jedoch sind es nicht die Palästinenser, die Israel besetzen, sondern die Israelis, die Palästina besetzen.
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Das wird häufig vergessen. AHA: lies mal: blick, woz, nzzz, tagi, vorwaerts, facts usw. welche dieser blaetter hat dies vergessen? diese tatsache, die alle vereint, vom naturschuetzer ueber den attacer bis zum pnos´ler, wer vergisst wohl, dass der entwurzelte jude, dem widerstaendigen natuerlichen volk palaestina seinen boden und sein blut entzieht?
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> Sehen Sie Carlos Latuffs hervorragende Cartoons hier:
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das haette nun wirklich nicht auch noch sein muessen, wes geistes kind der verfasser ist, zeigt sich spaetestens nach der dritten oder vierten zeile.
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das statement ist EIN antiemitisches klischee und hat mit linker politik absolut nichts zu tun, es ist einfach zu loeschen.
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israel lebe am laengsten.
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Tom
  Alles klar... 2002-08-28 14:14  
...wir brauchen neue Sprachregelungen: rot ist von heute an grün, blau heisst von jetzt an gelb und umgekehrt. Schuld ist nicht das Volk, sondern immer die Regierung. Soldaten sind, wenn sie Soldaten sind vom Staat gesteuerte Verbrecher und Vergewaltiger und im Urlaub sind sie wieder friedliche und unschuldige Zivilisten und gehören wieder zum Volk, welches man nicht beim Namen nenne darf ...recht so ?
Masters of Revolution