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 :: Über Überforderungen, Teil 2 ::
 Themen | Krieg+Militarismus | Repression/Knast | Antifaschismus 16-10-2005 14:11
AutorIn : com
Polizisten schiessen mit Gummischrot in die Menge ? Gibt’s doch gar nicht. Polizisten verhalten sich immer anständig. Immer!
Polizisten, umgangssprachlich auch Bullen, in politisch korrektem Deutsch Bullinnen genant, wobei das ja biologisch gesehen eher schwierig sein dürfte, haben einen Beruf gewählt, der ihnen kaum grösste Anerkennung einbringen dürfte.

Dies liegt in der Natur der Sache. Allerdings lohnt es sich ein Blick über die Barrikaden zu werfen. Ja, vielleicht lohnt es sich sogar mal hinter den feindlichen Linien zu arbeiten. In Österreich gab's zu den Zeiten der boomenden Börse (jeder der keine Cisco Aktien hielt wurde bedauert) ein Buch, das hiess "Vom Polizisten zum Millionär". Anders als in der Schweiz ist es in Österreich offenbar Volksweisheit (mit Volk sind alle Einwohnerinnen gemeint) das Polizisten eher am hinteren Ende der Weisheitsskala angesiedelt sind. Schaut man sich die Ausbildung der Polizei an, so sind solche Verdächtigungen nicht von der Hand zu weisen. Und deshalb kommt es immer wieder, besonders bei politischen Demonstrationen, zu unüberwindbaren Gegensätzen. Da gewinnt halt dann der stärkere. Da beispielsweise die Freunde aus Lüdenscheid  http://www.mktechnology.de/ kaum an private Verkaufen und sich das längst nicht jeder politisch motivierte leisten könnte, sind die Polizisten immer in der vorteilhafteren Position.

Da sie zudem gewisse legale Vorteile auf ihrer Seite wissen (d.h. eigentlich sämtliche), können sie ungeniert handeln. Und ihr Gummischrot einsetzen wann immer, wo immer und wie immer es ihnen angebracht erscheint (deshalb ist es tendenziell gefährlich, sich als Prominenter auch bei friedlichen Demonstrationen zu Vorderst an der Front aufzuhalten - es kann schon vorkommen, dass einem Polizisten zufälligerweise die Hand am Gewehr ausrutscht und man eine Ladung direkt ins Gesicht erhält) . Spätestens der Korpsgeist innerhalb ihrer Organisation wird jede juristische Aufarbeitung irgendwelcher Ereignisse an Demonstrationen zwar nicht im Keim ersticken aber doch in ihrem Sinne zumindest beeinflussen. Das ist überall so. Deswegen lohnt es sich niemals, direkt gegen die Polizei zu kämpfen.

Aber der Reihe nach:
Polizist kann in der Schweiz praktisch jeder werden. Die schulischen Anforderungen sind nicht eben eine hohe Hürde. Vorausgesetzt werden meist nur eine abgeschlossene Berufslehre und bei Schweizern die Militärdiensttauglichkeit. Für gewisse Kreise ist der Polizeiberuf durchaus attraktiv. Wo sonst erhält man schon während der Ausbildung den vollen Lohn ? Realistischerweise muss man davon ausgehen, dass diejenigen die sich nach der RS und der Berufslehre für den Polizeiberuf entscheiden, in der freien Wirtschaft z.B. auf einer der netten Banken, niemals in vergleichbarer Zeit eine vergleichbare Position erhalten würden wie in der Polizei. In den Banken und auch sonst in der Wirtschaft ist der Wettbewerbsdruck einfach viel höher. Das sieht man schon daran, dass die Polizeikorps immer wieder Mühe haben, ihre Reihen zu füllen. Besonders in wirtschaftlich guten Zeiten. Das heisst in der Schweiz praktisch ständig. Es gibt gewisse Ausnahmen. Leiter einer Polizeibehörde wird im Allgemeinen nur, wer gewisse höhere Abschlüsse vorweisen kann - z. b. als Jurist. Aber Achtung: Die Verantwortung für das grösste Polizeikorps in der Schweiz trägt eine Romanistin die den zweifelsohne wichtigen Posten einer Prorektorin an einer Kantonsschule bekleidete, bevor sie es mit der Polizei zu tun bekam (weil sie unter anderem im Rahmen der wunderbaren Demokratie in die Regierung gewählt wurde). In Basel beispielsweise, schmückt Herr Schild das Amt des Polizeivorstehers. Der ist immerhin Jurist und kann auf gewisse Erfahrungen in diesem Teil des Systems verweisen. Die gewöhnlichen Polizeigrenadiere verfügen hingegen schlicht und ergreifend nicht über die nötige Voraussetzungen um ernsthaft zu begreifen, warum sich jemand auf die Strasse begeben kann um eine politische Demonstration durchzuführen.

Häufig hört man von den Herren in Blau höchst selbst, man solle doch arbeiten gehen (aha, sie studieren so so). Polizisten sind es sich gewohnt, militärisch zu funktionieren. Deshalb überlassen sie das Denken ganz gerne ihren Vorgesetzen. Oftmals kann man im Umfeld von Demonstrationen absurde Schauspiele beobachten. Da greift ein Vorgesetzter zum Megafon und brüllt irgendwelche Befehle und schon verstellen sich seine Schäfchen um fünf Meter. Wo sie dann 20 Minuten wie Statuen den öffentlichen Raum verschönern (vorausgesetzt man hat eine perversen Geschmack, die meisten Leute finden Schlagstöcke nicht eben attraktiv). Anschliessend geht’s zurück in die Kastenwagen. Nach 30 Minuten schmoren geht’s dann genau 2 Meter neben die ursprüngliche Position. Je nach Grösse der Begebenheit während Tagen.

Am G8 in Lausanne konnten einem diese Menschen wirklich leid tun. Bei 30 Grad ein Camp durchsuchen. Sich zum Gespött machen, weil man auf allen vieren in ein Zelt kriechen muss. Nichts finden, weil allfällige Gegenstände schon vor Stunden durch den Wald beiseite geschafft wurden. Ca. 2 Stunden bevor der zuständige Verantwortliche in der Befehlskette Hundeführer angefordert hat und wohl 3 Stunden bevor die bedauernswerten Hunde vor Ort waren. Dazu kommen noch nette Sprüche über Gärtner und Floristen sowie in der französischen Schweiz sinngemäss der Spruch, wonach man gerne in die Schule gehen würde, damit man nicht Polizist werden müsse. Da löscht es schon mal dem genügsamsten Trottel ab. Trotzt Ausbildung oder Abrichtung (im Tierbereich Konditionierung) auf angeblichem Weltniveau spüren die Polizisten sehr wohl, dass sie irgendwie im falschen Film sind. Oftmals wird auch der blanke Neid mitspielen. Viele Polizisten sind sich bewusst, dass diejenigen gegen die sie hier zu Felde ziehen müssen, diejenigen sind, die später die Marschrichtung in der Gesellschaft vorgeben werden. Im besten Fall werden diese keine zwei Jahre später im Parlament ihren Chef abwählen. Da kann es schon vorkommen, dass der Mindestabstand beim Abfeuern des Gummischrots um wenige Zentimeter unterschritten wird (oder halt auf diese Distanz zusammenschrumpft). Die holden Reden über Verantwortung, Schutzfunktionen und so weiter sind im wesentlichen Geschwafel. Selten kann man als Polizist eine gute Tat vollbringen. Häufiger passiert nichts und man muss sich soziales Elend anschauen.

Selbst wenn man innerhalb des Systems im Recht ist, sind juristische Auseinandersetzungen mit dem Polizeiapparat praktisch nicht zu gewinnen. Irgendwo sitzt immer ein Stockbürgerlicher der seine Ansichten zu verteidigen weiss. Es kann ja nicht sein, dass diejenigen die zum Schutz des Systems ihre Gesundheit riskieren (angeblich), dafür noch bestraft werden. Fehler können ja immer passieren.

Der Ansatz gegen die Polizei effektiv zu werden führt zu nichts - höchstens zu vom System geregelten Verhältnissen während längerer Zeit. Am Ende ist man ruiniert und bietet der Polizei eine ideale Übungsgrundlage. Man wird paranoid und verwendet seine ganze Energie für Gerichtsprozesse, Anzeigen und zum Abarbeiten von Bussen. Die Zeit die man für eigene Dinge verwenden kann, wird immer knapper. Der Polizeistaat freut sich immer, wenn ursprünglich politische Leute auf diese billige Art unschädlich gemacht werden können.

Die Ereignisse von gestern in Thun sind ein weiteres Lehrbeispiel, wie es sich der genialste Rechtspolitiker nicht besser ausdenken könnte. Herr Mörgeli wird die Beherrschung seiner Mimik einmal mehr verloren haben - seine Mundwinkel werden dem armen Mann wahrscheinlich jetzt schon unerträgliche Schmerzen zufügen. Es reden jetzt alle über gefährliche Chaoten, die nur dank dem Einsatz der kompetenten Ordnungshüter in Schach gehalten werden konnten.

Eigentlich war ja das Ziel, gegen Nazis aktiv zu werden. Das ist richtig und dringend nötig. Es braucht dazu keine Bewilligung. Alles richtig und Unterstützungswürdig. Nur handelt man sich mit dem verweigern von minimalen Kompromissen unüberwindbare Hindernisse ein. Es gibt schon Orte in der Schweiz, wo es möglich ist, ohne Bewiligung Demos zu veranstallten, aber dort wurden die Verhältnisse während Jahren aufgebaut.

Das es schwierig sein kann ohne Bewilligung zu demonstrieren müsste auch in Thun bekannt sein. Siehe die letzte Demo gegen das WEF im Januar in Basel. Schon damals hatten wir vorausgesagt, dass die Demo mehrmals gekesselt würde. Wir hatten uns geirrt. Die Demo wurde nur einmal gekesselt. Dafür gleich am Anfang und es waren dermassen viele Polizisten vor Ort, dass auch die gut Ausgerüsteten keine Chance hatten - die Demo kam keinen Meter vorwärts. Der Preis für eine symbolische Begebenheit ist viel zu hoch.

Nun sind wahrscheinlich viele fähige Leute in Thun in den Fängen des Polizeistaats gefangen. Wir wünschen ihnen dringend, das der lästige Kampf gegen die Polizei ihre Energie nicht zu sehr in Anspruch nimmt und dass sie ihre Energie und Kreativität bald wieder ungebremst gegen die Nazis einsetzen können.

Selbstverständlich beschützt die Polizei Nazis (wer dies nicht glaubt soll mal nach Deutschland an einen Naziaufmarsch gehen). Die Blocherdemo haben wir auch immer noch nicht vergessen. Das System fördert Nazis. Das beste Beispiel sind Nazis die jemanden fast umgebracht hatten (Dominik B, er wird sich nie mehr erholen und wird nie mehr ein eigenständiges Leben führen). Ein Mensch ohne Schweizerpass, der seine Frau ermorden lassen wollte (es kam niemand zu schaden) kassierte keine zwei Wochen später fast die doppelte Strafe.

Die Polizei ist Teil des Systems. Aber im Allgemeinen schiessen Polizisten nicht in der Freizeit mit Schusswaffen und scharfer Munition auf Linke. Es ist legitim, Gesetze des Systems im Kampf gegen Nazis zu verletzen und auch dringend nötig. Nur sollte man dies mit Bedacht tun und ein kleiner Kompromiss an richtiger Stelle kann Wunder bewirken. Es ist für die Polizei immer einfach die Demo schon am Anfang zu kesseln. Hingegen weiss selbst der dümmste Polizeikommandant, dass wenn seine Mannen in eine laufende Demo einfahren die Zurückhaltung auf Seiten der Demoteilnehmer rasant Ausfährt.

Sorgt doch dafür, dass Herr Leuenberger sich wieder voll auf seinen Beruf als Pfarrer konzentrieren kann oder muss. Das schadet niemandem, wer seine offensichtlich nicht allzu gescheiten Reden anhören will, soll dies tun. Aber jemand der indirekt den Nazis zuarbeitet, darf nicht in der Regierung sitzen, nirgendwo.
 :: 4 Inhaltliche Ergänzungen : > Ergänze diesen Artikel
  Danke
16.10.2005 14:47  
Guter Artikel. So sollte es hier sein!


AutorIn: oli
  Kompromiss
16.10.2005 14:58  
leuenberger wollte seit monaten nur über die "unabdingbarkeit" einer bewilligung "verhandeln". wie sollen da kompromisse geschlossen werden. als sich 2 personen zwecks "kompromissschliessung" den bullen näherten, feuerten diese aus wenigen metern distanz mit schrot. auch leuenberger reagierte nicht, als personen mit ihm über kompromisse über einen abzug verhandeln wollten, es ist ein leichtes, den kopf wegzudrehen. Leuenbergers kompromiss sah von beginn folgendermassen aus: Bewilligung oder Repression.

und das einholen einer bewilligung in thun ist ein reiner spiessrutenlauf. dass in thun eine demonstration bewilligungstechnisch gleichgestellt ist mit dem aufstellen eines marktstandes (Ortspolizeireglement Art. 11.) zeugt von einem sehr vereinfachten "demokratie"verständnis. auch die gebühr von 100.- zeigt dies. wenn mensch abstimmen geht, was ebenso ein verfassungsmässiges grundrecht ist, werden auch keine 100.- zusätzlich in die urne gelegt. kommt noch dazu, dass die unterzeichnende person mit bis zu 5000.- haftbar gemacht werden kann. wer will da noch hinstehen?

zu hoffen bleibt nur, dass leuenbergers rotes (obwohl ziemlich angebleichtes) und christliches herz ob der übermässigen gewaltbereitschaft der polizei doch ein bisschen schockiert war.
denn auch er hat gesehen, wie auf personen mit erhobenen händen geschossen wurde; wie der gruppenwicht der bullen mittteilte, es gebe schrot, und die mindestdistanz von 25 metern werde sicher nicht eingehalten. vielleicht ist ihm sogar aufgefallen, dass die meisten getroffenen, beuelen am rücken aufweisen... auch sprüche wie "wosch pfäffär" fielen mehrmals, tatsächlich wurde auch mehrmals leute gepfeffert.

zusammengefasst: leuenberger hatte seine meute schlechter im griff, als die demonstrantInnen sich selbst. wer ist hier der wahre chaot?

LEUENBERGER MUSS WEG! ES GIBT KEINEN KOMPROMISS MEHR


AutorIn: egal
  zum Artikel
16.10.2005 15:20  
Sag mal: warst du die ganze nacht auf und hast diesen Artikel geschrieben? Mann, ich war um 4.00 z Hause und muste mich bis jetzt erholen und verarzten.

Nun zum westentlichen: Der Artikel ist edel. Der sSchreiber hat sich echt viele Sedanken gemacht, bevor er seinen Senf :-) gepostet hat. Kompliment. Echt Spitze.


AutorIn: mm
16.10.2005 15:26  
kanns nicht auch eine schreibende gewesen sein? naja egal... hauptsache es gibt menschen die schreiben und überlegen sich solch gute sachen!


Dieser Artikel hat 1 versteckte Ergänzung.
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