|
Communiqué zur Spontandemo „Freiheit für Annina – Freiheit für alle!“
Heute, den 7.7.2005 um 19Uhr besammelten sich knapp 100 Leute bei der Heiliggeistkirche in Bern, um gegen die Inhaftierung von Anti-G8-AktivistInnen in Schottland zu protestieren. Mehrere der festgenommenen AktivistInnen stammen aus der Region Bern. Eine junge Genossin wurde zuerst wie die anderen freigesprochen, dann von einer Rekurskommission doch noch zurückgehalten und angeblich unter die absurde Anklage der „Anführerschaft des schwarzen Blockes“ gestellt. Die Aktivistin befand sich seit Montag in Polizeigewahrsam und wurde just zum Ende der Demo freigelassen!
Die Demo bewegte sich von der Heiliggeistkirche durch die Hauptgassen in Richtung Kirchenfeldquartier vor die britische Botschaft, wo sie von einigen Dutzend PolizistInnen und Polizeihunden aufgehalten wurde. Die Demonstrantinnen versuchten mehrmals mittels schnellem entweichen in Seitengassen die Polizeisperren zu umgehen. Die Polizei kam zwar jeweils ins schwitzen und das Dispositiv geriet mehrmals ein wenig durcheinander, ein Vordringen direkt vor die Botschaft konnten die wackeren PolizistInnen jedoch immer im letzten Moment verhindern. Vor der Botschaft wurde eine Grussbotschaft der Roten Hilfe Zürich sowie unser Protest-Flugblatt (im Anhang) verlesen.
Nach dem vorgetäuschten Abzug der Demo nutzten die Protestierenden ein Tram als trojanisches Pferd und wurden geduckt und auf dem Boden liegend durch die Polizeisperren gelassen. Die plötzlich auftauchenden DemonstrantInnen sorgten abermals für Verwirrung auf Seiten der PolizistInnen, welche sich zum Teil aggressiv verhielten.
Die DemonstrantInnen zogen nach lautstarkem Protest direkt vor der Botschaft ab und verschwanden im strömenden Regen.
Flugblatt:
Freiheit für Annina – Freiheit für alle!
Während der Protestaktionen gegen den G8-Gipfel in Schottland kam es zu mehreren brutalen Polizeieinsätzen und ungerechtfertigten Festnahmen. Unter den Festgenommenen befinden sich mehrere Leute aus der Region. Darunter auch eine Genossin aus Bern. Annina befindet sich immer noch in Haft. Von mehreren anderen AktivistInnen fehlt jede Spur – wir gehen davon aus, dass auch sie von den Bullen festgehalten werden. In Edinburgh wurden bereits am Montag 4.7.05 mehrere hundert DemonstrantInnen grundlos von der Polizei eingekesselt. Etwa 150 Personen wurden aus diversen Polizei-Kesseln herausgegriffen und verhaftet. Unter den Verhafteten befinden sich auch einige Einheimische, welche sich mit den Protestierenden solidarisierten und versuchten die Polizeisperren zu durchbrechen. 17 AktivistInnen mussten laut Presse hospitalisiert werden (3 angeblich schwer verletzt), auch vier PolizistInnen wurden verletzt. Unter den Verhafteten befanden/befinden sich mindestens drei Leute aus unserer Region. Eine Person wurde inzwischen wieder freigelassen. Die anderen sind noch in Haft. Ihnen werden Absurditäten wie „Anfüherschaft des schwarzen Blocks“ vorgeworfen – so auch unserer Genossin Annina aus Bern. Am Montag wurde sie vom Untersuchungsrichter freigesprochen, doch nach dem Einspruch einer Rekurskommission wartet sie im Frauenknast auf ihre Anhörung am Freitag, wo über ihre Freilassung entschieden wird. Die brutale Repression vor allem gegen Leute aus anarchistischen/revolutionären Zusammenhängen zeigt, wie gross die Angst der Mächtigen vor einer tatsächlichen Veränderung hin zu einer gerechten, selbstverwalteten und basisdemokratischen Gesellschaft ist. Wenn Menschen es wagen, tatsächliche Veränderungen, echte Freiheit und reale Gerechtigkeit zu verlangen und nicht bloss Almosen (z.B. in Form eines ach so grosszügigen Schuldenerlasses), scheuen die Mächtigen weder Mühe noch Mittel: Einmal mehr wird unser Widerstand kriminalisiert, als gewalttätig verschrien, isoliert, niedergeknüppelt, weggesperrt... Aber wir kämpfen dennoch weiter, in Schottland, hier in Bern, weltweit! Freiheit für Annina – Freiheit für alle! Die Anklagen treffen einzelne, doch gemeint sind wir alle! Kriminell ist das System und nicht der Widerstand! Wir wollen kein grösseres Stück vom Kuchen – wir wollen die Bäckerei! AnarchistInnen
Grussbotschaft:
Solidarische Grüsse an die Spontandemo in Bern vom 7. Juli
Ob G-8 in alten Herrschaftsschlössern mitten in schottischer Landschaft oder Luxushotels und Kongresshäusern in idyllischer Berglandschaft wie in Davos: die Eliten der kapitalistischen Herrschaft müssen sich bei ihren Treffen hinter Stacheldraht und einem Heer von Bullen und Militärs einbunkern und abschotten. Berlusconi dachte damals gar an Kriegsschiffe mitten auf dem Meer, um den G-8 von Genua ungestört abhalten zu können!
Kessel- und Spaltungspolitik, immer weitergehende präventive Massnahmen im polizeilichen wie justiziellen Bereichen sollen auch hier ein ruhiges Hinterland sichern. Der Widerstand soll entweder in staatskonforme Spielregeln gepresst oder auf Dialogkurs gebracht werden!
Der krisengeschüttelte Kapitalismus, der selbst an den eigenen Projekten wie ein vereinigtes Europa im ersten Anlauf gescheitert ist, fürchtet sich zu recht davor, dass die Menschen weltweit die Nase voll haben von Ausbeutung und Unterdrückung, dass sich Widerstand nicht nur auf der Strasse sondern auch in den Betrieben immer mehr regt.
Weder Landquart, noch die Demoverbote im Zusammenhang mit dem WEF 05 oder dem revolutionären 1. Mai in Zürich haben den Widerstand abblocken können. Der Widerstand hat die staatliche Repression unterlaufen und mit zahlreichen und vielfältigsten Mitteln und Methoden revolutionäre Inhalte und Formen zum Ausdruck gebracht.
Solidarität ist eine wichtige Antwort auf Repression, Spaltung und Zerschlagung! Setzen wir sie ein, denn angegriffen sind oft Einzelne oder einige, wie jetzt in Schottland, gemeint aber sind wir alle!
Vergessen wir nicht die Betroffenen aus Seattle, Göteborg, Prag oder Genua.
Solidarität ist eine wichtige Waffe im Kampf gegen Staat und Kapital.
Solidarität mit den Verhafteten und von der Repression Betroffenen in Schottland – sie müssen raus!
Rote Hilfe Zürich, den 6. Juli 05
|
|
Medienmitteilung Nr. 197, 07.07.2005
Die Stadtpolizei Bern teilt mit: ^
Unbewilligte Spontan-Kundgebung in der Innenstadt
Heute Donnerstag, um 19 Uhr, besammelten sich vor der Heiliggeistkirche ca. 70 Personen zu einer unbewilligten Kundgebung. Anlass für die Kundgebung war das G8- Treffen in Schottland. Die Teilnehmenden bildeten einen Umzug und zogen lautstark auf folgender Route durch die Innenstadt: Spitalgasse – Theaterplatz – Kirchenfeldbrücke – Helvetiaplatz – Thunstrasse; vor der englischen Botschaft an der Thunstrasse besammelten sich die Teilnehmenden zu einer kurzen Platzkundgebung. Dabei kam es zu kurzzeitigen Behinderungen des öffentlichen und privaten Verkehrs. Von der Thunstrasse bewegte sich der Umzug auf der selben Route wieder zurück Richtung Innenstadt, wo sich die Kundgebung gegen 20.45 Uhr auflöste. Die Kundgebung verlief friedlich, es kam weder zu Sachbeschädigungen noch zu anderen Ausschreitungen.
Polizeikommando der Stadt Bern
ff