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Heute vormittag haben einige Leute aus den villages in Annemasse einen Zug gekapert. Nach einigem hin und her mit den Leuten von der Bahn fuhr der Zug kostenlos und ohne Pass- oder sonstige Kontrollen in Richtung Genf los. Wegen des Geruechts von wegen Bullenaufgebot am Genfer Bahnhof wurde kurz vor dem Bahnhof die Notbremse gezogen und eine Demo mit rund 200 Leuten machte sich auf den Weg zur Demo gegen I.O.M (International Organisation of Migration Management), WIPO (World Intellectual Property Organisation) und WTO (World Trade Organisation).
Insgesamt waren etwa 3 500 Leute am Start. Die Demo ging durch das Institutionenviertel und machte an unterschiedlichen Stationen halt. Hier wurden auch mehrsprachige Redebeitraege von einem als Lauti umfunkionierten Trecker mit Haenger gehalten. Von Anfang an haben vermummte Leute aus der Demo heraus an alle moeglichen Gebaude und vor allem an mit Spanplatten verbarrikadierte Geschaefte und Hotels politische Parolen und Slogans gesprueht - bspw. "no border, no nation" und immer wieder "G8-illegal". Bullen waren weit und breit nicht zu sehen, die Pink und Silver Samba-Band spielte heisse Rythmen und die Sonne schien, bestes Demowetter also.
Am vergitterten WTO-Gelaende angekommen haben es einige AktivistInnen geschafft das riesige Eisen-Tor zu knacken und aufzustossen. Hurrah... was fuer ein Jubel! Ein paar Pyros und Steine flogen, circa 50 Bullen standen direkt vor dem Gebauede um es zu schuetzen, hielten sich aber ansonsten zurueck. Auf dem Gelaende wurden Slogans wie "smash capitalism" gesprueht. Im allgemeinen Trubel ist es einigen kanadischen Gewerkschafts-Kollegen gelungen, das repraesentative WTO-Schild zu entwenden. Nach 25 Minuten gings weiter.
Das UNO-Gebaude wurde mit dem Spruch "die Traume der UNO sind unsere Alptraume" kommentiert. Ein Zeitungsstaender mit Infomaterial der UNO wurde in Brand gesetzt, welcher von einer Aktivbuergerin unter franzoesischen Fluechen geloescht wurde. Spaeter wurde die russische Botschaft unter Rufen "Putin - assasin", doch schwere Glasscheiben hielten stand. Vor dem I.O.M.-Gebauede, wo direkt unter den Augen der Bullen wieder fett gesprueht wurde, kam es zum ersten Traenengaseinsatz, 2-3 Granaten, um die Leute zu vertreiben, worauf sich die meisten mit Tuechern und Staubschutzmasken vorbereitet hatten.
Dann wurde auf dem Weg zum Bahnhof eine Shell-Tanke und ein Audi-Verkaufshaus demoliert - Scheiben gingen zu Bruch, eine Zapfsaeule musste dran glauben... Allerdings befanden sich im Verkaufsraum noch Leute, die beim Shoppen und Pluendern die Beine in die Hand nehmen mussten, als auch das Schaufenster beworfen wurde. Schwere Metall-Muelltonnen wurden als Barries auf die Strasse geschleppt, (hier kann das deutsche Entsorgungssystem nicht mithalten, scheiss Plastik).
200 Meter weiter war das International Trade Center das naechste Opfer - das Erdgeschoss wurde fast vollstaendig entglast. Im Nachbargebaude stand eine Frau lachend auf ihrem Balkon und berichtete per Telefon jemandem von den Geschehnissen - wahrscheinlich einer Freundin.
Die Stimmung super,die Samba Band trommelte unentwegt und immer noch keine Bullen zu sehen. Die hielten sich voellig zurueck, nach unbestaetigten Angaben gab es Absprachen mit den Demo-OrganisatorInnnen. Allerdings meinten schweizer AktivistInnen, dass sich die Bullen hier auf Demos eigentlich nie zeigen, im Zweifelsfall Traenengas einsetzen und nach den Demos mit wahllosen Verhaftungen anfangen.
Die Demo endete am Bahnhof, und wir freuen uns ueber diesen schoenen Tag und auf die folgenden Tage... |
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