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| :: Zürich: Wieder Film-Razzia und Beschlagnahmungen ... :: |
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16-02-2007 07:13 |
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AutorIn : PigBrother.info
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: http://PigBrother.info
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15. Februar 2007 -- der Tag, an dem in allen Zeitungen stand, die zürcher Stadtpolizei habe sich endlich eines besseren besonnen und offiziell bekannt gegeben, der Film «Salò oder Die 120 Tage von Sodom» sei nicht mehr "verboten" und dürfe wieder aufgeführt, gehandelt und in den Videotheken verliehen werden. Der junge Filmproduzent und -Händler Heiko «Psyko» Muuss öffnet wie gewohnt um 10 Uhr morgens sein auf Horrorfilme und Merchandise spezialisiertes Ladengeschäft für Erwachsene, den «Psyko-Store» an der General-Guisan-Strasse 9 in 8400 Winterthur.
Heiko fährt den Computer hoch und will sich einen Kaffe machen. Plötzlich drängen sich drei Personen in den Raum, weisen sich als Kapo-BeamtInnen in Zivil aus und halten ihm einen vom 8.2.07 datierten Durchsuchungsbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland «betreffend Pornographie etc.» unter die Nase, unterzeichnet von Staatsanwältin P. D'Angelo.
Während seine KollegInnen das Lokal auf den Kopf zu stellen, fragt ein Beamter: «Führen Sie den Film "Salò"?»
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«Nein, aber ich könnte ihn für Sie bestellen», entgegnet der der Verblüffte schlagfertig. Dann muss er seinen Bürosessel räumen, damit die Beamten ungehindert (wenn auch erfolglos) den PC nach der Kundenkartei durchsuchen können. «Rape and Revenge» heisst der nächste Filmtitel, den die Beamten zu sehen wünschen. Wiederum muss der Filmhändler passen, er führe keine Pornos. (Wie eine Internetrecherche ergab, handelt es sich um eine eher obskure deutsche Produktion aus dem Jahre 2004 unter der Regie einer gewissen A. Simona, die in Online-Versandläden in Deutschland und Österreich ab 18 Jahren problemlos erhältlich ist.) Warum er ausgerechnet auf diese Filme versessen ist und worum es bei der Razzia überhaupt geht, will der leitende Beamte Det. Kpl. A. R. S. nicht verraten.
Seine KollegInnen gehen die gesamten Bestände des Kauf- und Verleihangebots durch, vergleichen sämtliche Titel mit einer reichlich veralteten "Liste problematischer Filme" aus dem Jahre 2005 des Schweizerischen Video-Verbandes. Auf die Einwendung des Filmemachers und Genrefachmanns Heiko, diese (strafrechtlich ohnehin nicht relevante) Liste betreffe aber ausschliesslich Horrorfilme, und was an der Kundenkartei pornographisch sein soll, könne er sich auch nicht erklären, erklärt ihm der Beamte: «Das ist halt ein Sammelbegriff.»
Nebst dem Ladenlokal wird auch die Privatwohnung von Heiko samt Estrich und Keller durchwühlt. Im Wohnzimmer werden die Beamten ein erstes Mal fündig und beschlagnahmen eine Videokassette, bei der zumindest der Filmtitel mit einem Eintrag in der Liste übereinstimmt: «Braindead», eine Horrorkomödie des mittlerweile weltberühmten «Herr der Ringe»-Regisseurs Peter Jackson, die in der Schweiz bisher in mehreren DVD-Versandhäusern und Videotheken ab 18 Jahren erhältlich war und ist (weltweit schwanken die Altersfreigaben von 15-18, einzig in Deutschland ist die ungeschnittene Fassung immer noch verboten). Der Film erhielt 13 Preise und wurde so nebenbei in seinem Entstehungsland Neuseeland u.a. mit Mitteln der Filmförderung erstellt. Wäre Peter Jackson Schweizer Staatsbürger, hätte er statt Oscars und anderen renommierten Preisen wohl eher Polizeivorladungen und Gerichtsverfahren gesammelt ...
http://imdb.com/title/tt0103873/
http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Jackson
http://www.kaihoro.net/default.php?content=sitemap/news.php
Gut 2 Stunden dauerte die gesamte Schnüffel-Aktion. Um nicht mit leeren Händen wieder abziehen zu müssen, behändigen sich die Beamten schliesslich alles, was auf dem Cover einen Anflug von Nacktheit oder Verruchtheit verbreitet, insgesamt 6 weitere Titel, die allesamt sowohl in der Schweiz wie auch in allen umliegenden Ländern problemlos ab 18 Jahren erhältlich sind. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Neuauflagen von sog. Exploitation-Filmen aus den 70er und 80er Jahren mit ihren typisch reisserischen Covers und Titeln. Hervorgehoben sei hier lediglich der auch via amazon.de ungeschnitten erhältliche "Soft Erotik"-Film «Sadomania, Hölle der Lust» des spanischen Vielfilmers Jesus «Jess» Franco erwähnt (der übrigens zusammen mit der CH-Filmlegende Erwin C. Dietrich in der Rolle des Produzenten allein 1975-77 nicht weniger als 14 "verruchte" Trashperlen in die Welt setzte).
http://www.amazon.de/Sadomania-H%C3%B6lle-Lust-Ursula-Buchfellner/dp/B000AQEHO4/
http://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_Franco
http://www.erwincdietrich.ch/ger/jessfranco.htm
http://imdb.com/name/nm0226244/ Benedikt Eppenberger, Daniel Stapfer: Mädchen, Machos und Moneten. Die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounternehmers Erwin C. Dietrich. Mit einem Vorwort von Jess Franco. Verlag Scharfe Stiefel, 2006, http://www.scharfestiefel.ch/
Zusammen mit Freunden und Bekannten der Produktionsfirma «Nuckleduster» hat Heiko auch schon bei mehreren Filmen mitgewirkt oder Regie geführt, die meisten davon sind in der «Splatbox»-DVD versammelt. Beim ebenfalls auf DVD erhältlichen »Debilitas» ist auch der bekannte Künstler HR Giger in einer kleinen Rolle zu bewundern.
http://www.psyko-store.ch --> nuckleduster
http://nuckleduster.com/
Es ist nicht das erste Mal, dass Heiko und sein Laden zur Zielscheibe der Behörden werden. Einmal gab es Reklamationen wegen einem Weihnachtsschaufenster, das angeblich die Winterthurer Bevölkerung in ihren Gefühlen verletzt habe, auch wenn es -- vgl. wiederum den Fall «Salo» -- letztlich doch nicht für ein Strafverfahren reichte. Regelmässig erhält er auch Droh- und Hassbriefe. In den letzten Monaten kam es zudem mehrmals vor, dass sich die Polizei einen Spass daraus machte, Kunden, die aus dem Psyko-Store kamen, hinter der nächsten Ecke oder gleich vor dem Laden anzuhalten und zu filzen.
Eine Liste der beschlagnahmten Filme erhielt der junge Gewerbler erst nach mehrmaligem, hartnäckigem drängen. Diese Liste auch zu unterzeichnen, hielten die Beamten nicht für nötig. Worum es bei der gestrigen Durchsuchung eigentlich ging, wollten sie ihm bis zum Schluss nicht bekanntgeben, sondern lediglich, dass er sich heute morgen 08:00 h auf dem Posten zu einem weiteren Verhör einzufinden habe ...
Kleine Schweiz, kleines Denken.
http://www.psyko-store.ch
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Jetzt debattieren und vernetzen! So 20:30 h, Magnusstr. 20, Zürich Der Zürcher Skandal um Pasolinis "Salo oder die 120 Tage von Sodom" gibt Anlass, eine Debatte auszulösen. Die Wirksamkeit der diffusen polizeilichen Androhungen ist das eine, die gegenwärtige kulturelle, gesellschaftliche und politische Relevanz von Pasolinis Botschaften das andere. Das wollen wir nicht verpassen!
Weil die Informationsfreiheit und künstlerische Freiheit grob beschnitten wurden.
Weil wir hinschauen wollen, statt in staatsbürgerliche Lethargie und zynischem Rückzug ins Private zu verfallen.
Weil wir zu mehr Engagement für Freiheitsrechte auffordern wollen - nicht nur vom Bürger auf der Strasse, auch von Prominenz aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Medien.
Deswegen laden wir alle unsichtbaren Komplizen ein, aus ihrem Versteck zu kommen. Deswegen zeigen wir den Film!
"Salo oder die 120 Tage von Sodom" an der Magnusstrasse 22, 8004 Zürich, Sonntag, 20.30 Uhr (Ausweichmöglichkeit vorhanden).
Wir sind überzeugt, dass viele unser Unbehagen gegenüber einem latent wahrnehmbaren Zerfall der freiheitlichen Grundrechte teilen. Wir wollen Euch kennen lernen!
Club-Komitee: [...]
Zusatz-Information: "Salo"läuft auch am kommenden Sonntag in Genf im Kino Spoutnik oder Kino CAC Voltaire. Danke an unsere Komplizen in Genf! Das Kino Xenix zeigt "Salo" im Mai im Rahmen einer Serie über Brutalität im Film |
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Inhaltliche Ergänzungen
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Wiederum verlangt ihr von Bullen höhere Kunstkenntnisse - woher sollen die bitte sehr ein überdurchschnittliches cineastisches Wissen haben? Die kennen sich doch allenfalls mit Gina Wild Filmchen aus - bei den Bullen in Winterthur soll ja auch ein Schlagersänger arbeiten - verglichen mit dem Niveau seiner Liedchen verdient DJ Bobo für seine Texte den Literaturnobelpreis.