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Die Winkelzüge hinter den Kulissen, die zum selbstherrlichen Verbot geführt hatten, werden wohl ebenso wenig je bekannt werden wie diejenigen, welche die Stapo nun wieder zurückbuchstabieren liessen. Die heutige Pressemeldung der Stapo von 12:06 h ist bezeichnend dürr und nichtssagend:
«Pasolini Film Salò
Umstrittener Film darf vorgeführt werden.
Die Stadtpolizei hat diesen Film letzte Woche visioniert und wegen seiner relevanten Darstellungen von Vergewaltigung, Folter und Szenen mit menschlichen Ausscheidungen, gemäss StGB Art. 197.3, als gewaltverherrlichend und pornografisch eingestuft. Deshalb wurde am vergangenen Freitag, 9. Februar 2007, ein Gespräch mit den Veranstaltern gesucht, bei welchem die obgenannten Gründe dargelegt wurden. Aufgrund dessen hat sich der Veranstalter entschieden, auf die Vorführung zu verzichten. Verschiedene Gespräche und Reaktionen, aber auch Gerichtsurteile in den Nachbarländern haben gezeigt, dass die Polizei den künstlerischen Wert (Absatz 5 des gleichen Artikels im StGB) offenbar zuwenig gewürdigt hat. Die Polizei kommt deshalb heute zum Schluss, dass der Film " Salò oder die 120 Tage von Sodom" von Pasolini gezeigt werden darf, sofern die gängigen Altersvorschriften betreffend Jugendschutz eingehalten werden. »
Quelle: http://www.stapo-content.ch/artikel.php?id=4822
Insbesondere Welschschweizer Medien hatten empört über den unhaltbaren Entscheid berichtet -- mit ungeahnten Folgen:
«Pasolini-Film: Welsches Komitee gegen Zürcher Intoleranz
Wer den in Zürich verbotenen Film «Salò oder Die 120 Tage von Sodom» in einem Kino sehen will, kann dies am kommenden Wochenende in Genf tun.
In zwei Genfer Kinos wird der Film aus Protest gegen die Zensur der Zürcher Polizei ausgestrahlt.
Gleichzeitig habe[n] die Cineasten zusammen mit anderen Personen aus dem Künstlermillieu ein Komitee gegen die Zensur gegründet, bestätigte die frühere Genfer Grossrätin Salika Wenger einen Bericht der Zeitung «Le Matin Bleu» vom Dienstag.
Zurzeit sammelt das Komitee Unterschriften für eine Petition. Darin fordern sie die Zürcher Behörden auf, die Zensurmassnahme gegen den Film des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini aufzuheben. »
Vollständiger Artikel: http://www.20min.ch/tools/suchen/story/23747851
Ebenso für zusätzlichen Druck dürfte der gestern bekannt gewordene Entscheid des Xenix gesorgt haben, auf der Aufführung zu bestehen und mit Juristen nach Möglichkeiten zu suchen, dies auch durchzusetzen.
Ende gut, alles gut?
Auch wenn die Rücknahme des Verbots eine überrschend positive Wendung darstellt, so zeigt das Vorgehen der Stapo deutlich, wie sie die Freiheit der Kultur geringschätzt, offensichtlich mit Billigung auch politischer Instanzen. Diese Geringschätzung (auch anderer Polizeikorps) kommt auch in anderen Fällen zum Ausdruck, etwa wenn es (wie im vorherigen Artikel beschrieben) darum geht, Filmsammlungen Privater mit juristisch wenig sauberen Mitteln durch amtl. bew. Verbrennung aufzulösen. In diesen Fällen stehen die Opfer der Staatsmacht allein gegenüber, und nirgends bilden sich Kommitees o.ä., in den allermeisten Fällen geschieht solches sowieso unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Auch das wohl nicht ganz grundlose Verhalten der Filmhändler und Videotheken, den "verbotenen" Film panikartig verschwinden zu lassen, weist darauf hin, dass die kulturelle Freiheit in der Schweiz oft ein Gang auf sehr dünnem Eis darstellt und Polizei und Behörden sich gewohnt sind willkürlich zuschlagen können -- im Gegensatz zu ihren Opfern ohne Risiko und Schadenfolge, schlimmstenfalls müssen sie einfach ausnahmsweise einmal wieder zurückkrebsen. Auch im vorliegenden Fall hatte ausschliesslich das Xenix und die St. Jakobskirche den Schaden und die Umtriebe, die selbstredend nicht entschädigt werden, von der Stapo sowieso nicht.
Vom prinzipiell rückgratlosen Verhalten der kommerziellen Filmverleiher, Medien usw. jenseits ihrer eigenen Partikulärinteressen und vom allgemeinen Duckmäusertum fang ich gar nicht erst an ... ebenso wenig wie vom neuen Polizeigesetz, der längst erfolgten Rückkehr des Fichenstaats inkl. Telefon-, Internet- und Emailüberwachung à discretion, Dum-Dum-Munition für Polizisten jetzt auch in der Schweiz, Taser als Gehorsamserzwingungsmittel, Trojaner für Bundesschnüffler, Mikrowellenwaffen vorerst im Irak, und und und ...
Frühere Artikel zum Fall «Salo»:
http://ch.indymedia.org/de/2007/02/46636.shtml
http://ch.indymedia.org/de/2007/02/46697.shtml |
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