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Pasolinis "Salo" lief mehrfach in Zürich ohne Probleme, ist in verschiedenen Videotheken, Läden und in sämtlichen einschlägigen Internetvertrieben legal und problemlos ab 18 Jahren erhältlich. 2002 legte ihn das deutsche Label Legend als gut gemachte DVD mit umfangreichem Booklet neu auf, ohne dass es bisher zu Problemen gekommen wäre.
Die vor aus dem US-Armeegefängnis Abu Ghraib bekannt gewordenen Fotos [1] illustrierten unlängst, wie treffend Pasolini die Perversion der Macht in seinem letzten Film analysiert und dargestellt hatte: Auch wenn kaum davon ausgegangen werden kann, dass die folternden und demütigenden Soldatinnen und Soldaten "Salo" kannten, so weisen einige der aus Abu Ghraib stammenden schrecklichen Bilder trotzdem eine deutliche Ähnlichkeit mit Szenen aus Pasolinis Film aus dem Jahre 1976 auf.
Generell sind Menschenrechte in den so genannten 'westlichen Demokratien' in der Abwärtsspirale. Wie eben unlängst bekannt wurde, auch lieferte die Schweiz der US-Armee Fragen an die in diversen 'extralegalen' Foltergefängnissen Inhaftierten und nimmt so, wenn auch nur mittelbar, aktiv an den dort praktizierten Folter teil.
Somit ist der Film nach wie vor unheimlich aktuell und es bestünde erst noch vermehrt ein öffentliches Interesse, ihn zu zeigen. Dies umso mehr -- wie von den Veranstaltern vorgesehen -- in Verbindung mit einer Einführung sowie anschliessender Diskussion.
Offensichtlich haben gewisse Kreise an solcherlei allerdings kein Interesse ...
Prompt erschienen am letzten Mittwoch, den 7. 2. erschienen im Tagblatt sowie in 20 Minuten Artikel mit klarer Tendenz, in denen entrüstet auf die geplante Vorführung hingewiesen wurde.
Das Tagblatt brachte unter dem Titel «Der Film ist wirklich abstossend» ein Interview mit Christine Stark, der Filmbeauftragten des reformierten Mediendienstes, die den Film verteidigte. Verfasser Jan Strobl brillierte mit tendenziösen Fragen wie' Mit dem Film hat Pasolini endgültig den Blick für die Realität verloren' oder 'Vor lauter Fäkalien und Foltern geht die Botschaft verloren. Der Film wird masslos überschätzt.' (Sogar wenn dem so wäre, hätten mündige Bürgerinnen trotzdem das Recht, sich den Film anzusehen und sich eine eigene Meinung zu bilden -- zumindest theoretisch ...)
20 Minuten [2] bemängelte zu Recht, der Film sei ohne Altersbeschränkung angekündigt. Der Rest des Artikels ist wiederum bekannt tendenziös, desgleichen ter Aufmacher: «Zürcher Kirche zeigt Sado-Maso-Film»
Die Reaktion liess nicht lange auf sich warten: Prompt wurde die Polizei bei Xenix und Kirche vorstellig und drohte den Film zu beschlagnahmen, falls die Veranstalter nicht kuschten und den wohlbemerkt seit langem legalen Film [3] von sich aus aus dem Programm kippten.
«Zu brutal», urteilt die Stadtpolizei und verbietet die geplante Ausstrahlung eines Skandalfilms in der Kirche St. Jakob. [...] «Der Film verstösst gegen den Artikel 197.3 im Strafgesetzbuch.» (20min: «Sado-Maso-Film verboten» -- ähm, nein, ich glaube kaum, dass Folteropfer 'Masochisten' sind, auch wenn' 20min das offensichtlich gern so hätte ...) [4]
Der Apell an den vorauseilenden Gehorsam der wagemutigen Veranstalter zeitigte ebenso prompt die gewünschten Folgen: Sie kniffen den Schwanz ein und sagten die Vorführung wie brav ab. Obwohl der Zesur-Befehl der Stapo vor Gericht wohl kaum eine Chance gehabt hätte, da der vom Gesetz verlangete «schutzwürdige kulturelle Wert» bei Filmexperten seit längerem unumstritten ist. (Siehe auch Tages-Anzeiger vom heute 10.2.07)
Soviel zum Thema Zivilcourage ...
Immerhin findet am Sa um 17:15 in der St. Jakobskirche am Stauffacher eine Diskussion zum Verbot statt.
Mal schauen, ob kritische Fragen überhaupt erwünscht sind ...
[1] Der grösste Teil des offiziell bekannt gewordenen Abu Ghraib-Materials ist aus offensichtlich-fadenscheinigen Gründen weiterhin unter Verschluss. Die auch in nahezu allen hiesigen Medien gezeigten, noch eher 'harmlosen' Fotos finden sich hier, die bekanntesten zu unterst (WARNUNG!):
http://www.thememoryhole.org/war/iraqis_tortured/index2.htm Diejenigen Fotos, welche verstümmelte und tote Gefangene zeigen, wurden 'zufälligerweise' in der hisigen Presse unterschlagen (WARNUNG!!!):
http://www.thememoryhole.org/war/iraqis_tortured/
[2] http://www.20min.ch/news/zuerich/story/27247548
[3] http://www.ssi-media.com/zensur/Zensurgesch.htm
[4] http://www.20min.ch/tools/suchen/story/31471567 |
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