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 :: Frauen, haut auf den Putz! Gemeinsam gegen rechte Hetze und Sexismus! ::
 Themen | Feminismus/Gender/Queer 21-02-2012 13:47
AutorIn : 8. März Frauenbündnis Zürich

8. März 2012

Aufruf zur Frauendemo:
Sa. 10. März, 13.30, Hechtplatz Zureich, Frauendemo
Sa. 10. März, Abends Frauenparty im Autonomen Beauty Salon - Hohlstr. - Zureich

Do. 1. März, Solikonzert mit zwei Frauenbands beim Bahnhof Wollishofen - ZH

Inhalt: Aufruf | Geschichte des 8. März | Texte GaP :: Kasama :: Aufbau :: Frauen Café :: Wen-Do | Communiqué | Links zu Indy-Artikeln

:: Frauen, haut auf den Putz! Gemeinsam gegen rechte Hetze und Sexismus!

Wer wir sind
Das 8. März Frauenbündnis Zürich ist ein revolutionäres Bündnis aus verschiedenen Organisationen, Gruppen und Einzelfrauen. Als Kommunistinnen, Feministinnen, Autonome und Anarchistinnen setzen wir uns inhaltlich mit verschiedensten Themen rund um den Frauenkampf auseinander und organisieren seit rund 25 Jahren jedes Jahr eine Demo zum internationalen Frauenkampftag.

Gegen Rechtsstrutsch und Sexismus
Mit dem Motto für 2012 – «Frauen, haut auf den Putz! Gemeinsam gegen rechte Hetze und Sexismus!» – möchten wir einerseits auf den gesellschaftlichen und politischen Rechtsrutsch aufmerksam machen und andererseits daran erinnern, dass wir gemeinsam stark sind. Wir sind nicht bereit, den Abbau von Errungenschaften und die Verschärfung von Ungleichheiten einfach so hinzunehmen. Wir wehren uns entschieden gegen die vorgegaukelten Sachzwänge sowie die Individualisierung und Privatisierung gesellschaftlicher Probleme, die dazu führen, dass die Reichen immer reicher werden, die Armen immer ärmer und die Prekarisierten immer prekärer leben müssen.

Wieso wir auch dieses Jahr auf die Strasse gehen
Weil Sexismus alltäglich ist, weil halbnackte Frauen in der Werbung zum Kaufen animieren sollen, weil durch Initiativen wie «Abtreibung ist Privatsache» die erkämpfte Selbstbestimmung der Frau über ihren Körper wieder in Frage gestellt wird, weil frauenspezifische Fluchtgründe im Asylverfahren ignoriert werden, weil durch Sozialabbau und Sparprogramme Frauen im öffentlichen Dienst besonders hart getroffen werden, weil geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Doppel- und Dreifachbelastung und ein Lohnunterschied von durchschnittlich 28% in Zürich Realität sind, weil Migrantinnen aufgrund ihres Geschlechts, ihres Aufenthaltsstatus und des rassistischen Klimas mehrfach diskriminiert werden, kämpfen wir am 8. März und das ganze Jahr um den rechtskonservativen Rollback zurückzuschlagen.

Frauen, kommt alle an die Demo: Samstag,10. März, 13.30 Uhr, Hechtplatz (ZH)!

8. März Frauenbündnis Zürich, frauenbuendnis(a)immerda.ch

:: Die Geschichte des 8. März und des Frauenkampfes von seinen Anfängen...

Die Wahl des Datums geht auf die Kämpfe der Textilarbeiterinnen in den USA zurück. Bereits 1857 kam es am 8. März in New York zu einer Demonstration gegen unmenschli­che Arbeitsbedingungen und für gleichen Lohn. Im Jahr 1908 kam es während einem Streik von Textilarbeiterinnen zu ei­nem Massaker: 129 Arbeiterinnen starben in einem Feuer, weil Fabrikbesit­zer und Vorarbeiter sie in der Fabrik einsperrten, um ihre Kontaktaufnahme mit der Gewerkschaft zu verhindern.
Die Ausrufung des Internationalen Frauentages geschah 1910 an der Internationalen Frauenkonfe­renz in Kopenhagen durch Clara Zetkin und weitere sozialistische Frauen aus 16 europäischen Län­dern und der USA. Am achten März1911 wurde der Internationale Frauentag dann erstmals in verschiedenen Ländern begangen.

In den folgenden Jahrzehnten wurden europaweit Veranstaltungen, Demonstrationen und Aktionen durchgeführt zu Themen wie Krieg, Nationalismus und das Frauenwahlrecht, Arbeitsbedingungen, Ausbeu­tung, Mutterschutz, Bildung, Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Ab den 20er Jahren zudem der Kampf gegen Faschismus und Nationalsozialis­mus. Die Nazis verboten Anlässe zum 8. März, dennoch fanden heimliche Veranstal­tungen gar im KZ statt. Frauen wurden einerseits ideo­log­isch auf ihr Mutter- und Hausfrauenrolle reduziert, fanden sich aber real als Arbeiterinnen v.a. in der Rüstungsindustrie wieder. Nach 1945 fand der 8. März in den sog. wes­tlichen Ländern wäh­rend des Kalten Krieges v.a. im Rahmen par­teipolitischer Ver­an­stal­tung­en statt:­ für den Frieden, gegen das Wettrüsten. In der Schweiz kämpften bürgerliche und pro­letar­isch­e Frauen weiterhin ums Wahl­recht.

...zu den Befreiungs- und der neuen Frauenbewegung...
Ab den 60er Jahren eigneten sich die Frauen der Befreiungsbewegungen im Trikont den 8. März als Kampftag an. Noch bevor die neue Frauenbewegung in den Metropolen den Tag wiederent­deckten, fanden u.a. in Indien, Algerien und Ceylon Frauendemonstrationen statt, in Unter­stützung der Befreiungskämpfe und mit spezifischen Forderungen zu ihrer Lage als Frauen.

Ende der 60er brach in den USA im Umfeld der Student/innenbewegung und unter dem Eindruck der Black-Powerbewegung die neue Frauenbewegung aus. Rasch entwickelte sich in Europa ähn­liches: Frauen, die zuvor in gemischten linken Gruppen tätig waren, verabschie­deten sich und grün­deten ihre eigenen Gruppen.

Die spezifische Situation von Frauen im gesellschaftlichen Gewaltverhältnis wurde analysiert. Das Private wurde politisch: Ins Zentrum ge­rückt wurden die patriarchalen Machtverhältnisse in Fami­lie, Arbeit und Politik; die konkrete und strukturelle Gewalt von Männern gegen Frauen; der Zwang zur Heterosexualität und die Sozialisie­rung zu zwei Geschlechter. Die Hausarbeit im kapi­talistisch­en Produktionsverhältnis wurde zum Kampfterrain erklärt, das seine Bedeutung als Feld revolutio­närer Auseinan­dersetzung neben der Fabrik beansprucht. Es entstanden Frauen­räume aller Art: Frauen­häuser, Nottelefone, Bibliotheken, Beratungsstellen etc. Frauen kämpften auch für bessere Arbeits­beding­ungen, den 6-Stunden-Tag und Kinderbetreuungsplätze.

Im Laufe der 70er/80er Jahre wurde um viele Fragen gestritten: um die rich­tige Sexualität, um Mili­tanz, Instituionalisierung, Parlamentarismus, um das Verhältnis von Ge­schlecht, Klasse und Rasse und um die neue "Spiritualität". Auch die Frage der Männerbeteiligung an Aktionen und Demos war bereits damals umkämpft und führte zu Brüchen. Die Bewegung driftete auseinander. Ein Teil der Frauen entschied sich für eine Karriere in neuen und alten Par­teien, ein anderer entschwand in den reaktionären Gefilden der Esoterik, weitere Teile professionalisierten ihr femi­nis­ti­sches En­ga­ge­ment. Erkämpfte Räume ver­wandelten sich lang­sam zu staatlicher Infrastruktur, viele For­der­un­g­en wurden vom Mainstream aufgenommen.

...bis 2011 dem Jahr der Frauen-Jubiläen
Die Themen der hiesigen 8. März-Demos der letzten Jahre gleichen oft jenen des frü­hen 20. Jahr­hun­derts und der 70er Jahre. Vieles was erkämpft wurde, wird heute im Zuge des all­gemein­en Rechtsrutsches - gerade in den Metropolen - bedroht oder bereits wieder grundsätzlich in Fra­ge gestellt. Einiges geriet in Verges­senheit, und sehr viele Forderungen sind bis heute un­er­füllt ge­blieben.

Zu betonen ist, dass die patriarchalen Strukturen hierzulande von besonde­rer verkrusteter Stand­haf­tig­keit sind. Davon zeugt, dass es im Vergleich mit den umliegenden Län­dern 50 Jahre länger dauerte, bis das Frauenstimmrecht 1971 (lokal gar erst mittels Zwang 1991) durchgesetzt wurde. Dass es über 30 Jahre und mehrere Initiativen brauchte, bis die Abtreibung 2002 durch die Fristen­lösung lega­lisiert wurde. Dass es zwar einen Gleich­stellungs­artikel in der Verfassung gibt, er­käm­pft durch bürgerliche Frauen in den 80ern, dass es aber - trotz Frauenstreik 1991 - bis heute keine reale Gleichstellung gibt.

Die Einbin­dung von Frauen in die obersten Etagen der Herrschaft in Politik und (etwas spärlicher) Wirtschaft sind zwar Aus­druck der Entwicklungen, die u.a. durch Kämpfe von Frauen erreicht wur­den. Sie stel­len für uns aber nicht per se eine Verbesserung dar, sondern sind Teil einer Ausweit­ung der Einflussbereiche des kapi­talistischen Systems. Die zunehmende Erweiterung und Flexi­bili­sier­ung wei­blicher Lohn­arbeit ändert nichts an den Grundlagen der Ausbeutung, sie sind lediglich eine Mo­dernisierung bestehender Verhältnisse. Wenn nun bürgerliche Kreise 40 Jahre Frauen­stimm­recht und 30 Jahre Gleichstellung bejubeln und uns weismachen wollen, die vier Bundes­rät­innen sei­en Grund zum Feiern, wissen wir: Reine Augenwischerei. Auch Bundesrätinnen gehen über Lei­chen, machen dabei nach altbekannter patriarchaler Logik einfach eine bessere Figur.

100 Jahre Frauenkampftag sind nicht genug!
Für die Über­windung von Kapital und Patriarchat! Gegen ihre Kriege!
Für eine Welt ohne Grenzen, ohne Ausbeutung und Unter­drück­ung!


8. März Frauenbündnis Zürich, Februar 2011



:: «Neuer Feminismus» mit konservativem Inhalt

In Europa fand die autonome Frauenbewegung ihren Anfang in den 70er Jahren. Im Zuge gesellschaftlicher Umwälzungen forderten auch Frauen ihre Rechte ein. Neben der Selbstbestimmung über Körper und Sexualität stand diese Bewegung immer für die Klasse der Frauen ein, die sozial und ökonomisch benachteiligt war. Autonome Frauenstrukturen haben sich gebildet und Räume wurden geschaffen, in denen sich Frauen weg von der männlichen Dominanz in unserer Gesellschaft organisieren konnten. Frauen debattierten, bildeten sich untereinander und emanzipierten sich gegenüber «ihren» Männern, Chefs und Gynäkologen. Dabei ging es nicht um eine diesen Frauen oft vorgeworfene Männerfeindlichkeit, sondern darum, die Frauenfeindlichkeit in der Gesellschaft aufzuzeigen und zu bekämpfen. Viele dieser Räume und Strukturen sind im Laufe der Zeit verschwunden. Das Interesse an ihnen schmälerte sich. Frau ging vermeintlich davon aus, dass sie nicht mehr nötig sind, weil wir schon alles erreicht haben.

Nun tauchte in den letzten Monaten das Wort «neuer Feminismus» vermehrt in den Medien auf. Konservative Positionen werden zum feministischen Trend. Vertreterinnen wie Angela Merkel und Alice Schwarzer sind der Meinung, dass der Feminismus nun endlich da angekommen sei, wo er auch hingehöre: «In der Mitte der Gesellschaft». Der Feminismus, der als verstaubt und überholt gegolten hat, wird nun positiv konnotiert. Dieser «neue Feminismus» vertritt die neoliberale Lüge, dass Frauen heutzutage alles offen stehe, Frau müsse sich nur dafür entscheiden, alles zu wollen. Es ist ein Elitefeminismus, der für die weisse Oberschicht- und Karrierefrau spricht. Die starke, sexy Powerfrau, die Karriere und Familie lächelnd unter einen Hut bringt, die auch jeden Abend noch genügend Energie hat, sich mit Leib und Seele um ihren Mann zu kümmern, entspricht dem neoliberalen Ideal dieser neuen Feministinnen.

Die Existenz von Migrantinnen, Sozialhilfebezügerinnen, alleinerziehenden Müttern und allen Anderen, die nicht diesem Bild entsprechen, wird nicht einmal erwähnt.

Wir sind der Meinung, dass Forderungen nach einer emanzipatorischen und feministischen Politik und Kritik immer auch die Forderungen nach einer selbstbestimmten und von Unterdrückung befreiten Gesellschaft ist. In letzter Konsequenz revolutionäre Forderungen also, die die Herrschaftsverhältnisse in Frage stellen. Der «neue Feminismus» tut dies in keinster Weise und Frauenpolitik kommt darin ohne kritische Gesellschafts- und Machtanalyse aus.

Dass ein Feminismus weiterhin auch eine revolutionäre Politik zum Ziel haben sollte, zeigen die Angriffe auf von Frauen erkämpfte Errungenschaften, die in letzter Zeit vermehrt stattgefunden haben. Antifeminist_innen gehen auf die Strasse, Lebensschützer_innen aus dem christlich-fundamentalen Umfeld versuchen, den Schwangerschaftsabbruch zu kriminalisieren. Dem müssen wir als Feministinnen vehement entgegentreten.

Für ein selbstbestimmtes Leben jenseits patriarchaler, heteronormativer Strukturen!

gap - Gruppe für eine antikapitalistische Praxis

:: Verteidigen wir das Recht auf Abtreibung!

Frauenfeindliche Inititative
Im Juli 2011 wurde die Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache – Entlastung der Krankenversicherungen durch Streichung der Kosten des Schwangerschaftsabbruchs aus der obligatorischen Grundversicherung» eingereicht. Dass dem Initiativkomitee die Kostensenkung im Gesundheitswesen nur als Vorwand dient, wird deutlich, wenn man sich die Mitglieder des Komitees[1] ansieht: Dieses setzt sich zusammen aus katholisch- und protestantisch-konservativer AbtreibungsgegnerInnen, die sich schon gegen die Fristenregelung eingesetzt haben. Zudem sind die zu erwartenden Einsparungen lächerlich klein.

Angriff auf das Recht der Selbstbestimmung
Diese Initiative ist, trotz gegenteiligen Beteuerungen, ein Angriff auf das Recht auf Abtreibung. Ein Recht, für das Kommunistinnen, Sozialistinnen, Anarchistinnen und Feministinnen lange gekämpft haben: Erst seit 2002 können Frauen bis zur 12. Schwangerschaftswoche selbst entscheiden, ob sie abtreiben wollen.

Wir setzen uns vehement für das Recht auf Abtreibung ein und erachten die jetzige Lösung als wichtige Errungenschaft der Kämpfe der letzten 100 Jahre. Damals wie heute ist die Frage nach dem Recht abzutreiben – oder darauf verzichten zu können – gekoppelt an Klassenzugehörigkeit und Herkunft.

Kontrollierte Frauenkörper
In den Publikationen des Initiativkomites werden Frauen, die abtreiben, als leichtsinnig und unmoralisch verunglimpft. Doch nicht nur AbtreibungsgegnerInnen versuchen mit ihrer Propaganda Frauen ihren Wertvorstellungen zu unterwerfen und ihre Körper für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Frauen die sich ein Kind wünschen sind einem ganz anderen moralischen Druck ausgesetzt: In den westlichen Ländern sehen sich schwangere Frauen immer mehr einem medizinisch-technischen Apparat konfrontiert. Die medizinische Begleitung von Frauen mit Kinderwunsch beinhaltet routinemässig eine Anzahl von Kontrollen und Untersuchungen, die dazu dienen Krankheiten und Behinderungen möglichst schon vor der Geburt festzustellen. Über die Risiken der Tests wird aber selten aufgeklärt. Die Schwangere und ihre zukünftigen Kinder werden kontrolliert und bewertet, mit dem Ziel, Menschen, die sich nicht gut genug in die neoliberale Leistungsgesellschaft einfügen, zu verhindern.

Wohlgemerkt: dies gilt nur für einen kleinen privilegierten Teil der Welt. Anderswo wird mit ideologischer und finanzieller Unterstützung des Westens die mythologische Überbevölkerung bekämpft. Die Regulierungsmassnahmen reichen von Hohn und Spott für schwangere Frauen über Kopplung lebenswichtiger Güter an Geburtenkontrolle bis hin zu Zwangssterilisationen. So wurden im Rahmen eines bevölkerungspolitischen Programms in Peru zwischen 1995 und 1998 über 300’000 Frauen sterilisiert.

Dies alles sind Facetten derselben Politik. Sie zielt darauf ab, Frauen ihre ökonomische Unabhängigkeit und ihre Entscheidungsfreiheit im Umgang mit ihrem Körper abzusprechen. Sie schränkt Frauen in ihrer Wahl, ob sie Kinder wollen oder nicht und wie sie diese grossziehen wollen, ein. Sie ist ein Angriff auf das Leben der Frauen.

[1] 11 gehören der SVP an, 7 der CVP, 3 der EVP und EDU, 2 der FDP. Vertreten ist die AUNS, die Vereine „Ja zum Leben“, „Mamma“ (ehemals: „Für Mutter und Kind“), „Pro Genesis“, sowie die „Arbeitsgemeinschaft evangelischer Ärzte“.

Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!

FrauenLesbenKasama, frauenlesben(a)kasama.ch



:: Streik und Widerstand statt Pflegenotstand!!

Mit Haube und Schoss, so kennen wir die «Krankenschwester». Diese würde eigentlich Pflegefachfrau heissen, doch nennt sie niemand so, was schon beweist, dass patriarchale Spuren bis heute im Pflegebereich tief verankert sind. Pflegefachfrauen sollen so sein wie damals die Ordensschwestern, diese hatten lange ohne Besoldung aus so genannter «christlicher Nächstenliebe» Menschen gepflegt und versorgt.

Zwar haben die Pflegenden mittlerweilen erreicht, dass ihre Arbeit entlöhnt wird, doch nach wie vor sind sie durch das Geschlecht stigmatisiert: Die so genannten Care-Kompetenzen (z.B Fürsorge, Empathie, Betreuung usw.) werden gerne als weiblich und dadurch als «naturgegeben» gesehen, frau hat’s ja in den Genen.

Diese althergebrachte Rollenverteilung ist dem Kapitalismus dienlich: Die Care-Arbeit, also all die Arbeit rund um Pflege und Betreuung der Menschen, hat zwar einen sehr grossen gesellschaftlichen Nutzen, doch wäre sie auch teuer, müsste sie bezahlt werden. Die unbezahlte Frauenarbeit, sei das nun im Haushalt, oder beim Betreuen der Kinder und Verwandten, erspart die immensen Reproduktionskosten.

Im Gegensatz dazu, wird jene Arbeit als wertvoll anerkannt, die Waren produziert, die verkauft werden können. Der Kapitalismus kann dieses konservative Rollenbild der Frau nutzen, um die Care-Arbeit, die im Gesundheitsbereich geleistet wird, zu entwerten und das Pflegepersonal stärker auszubeuten. Somit kämpft das Pflegepersonal auch heute noch um eine anerkannte Berufsidentität und entsprechenden Lohn. Doch die Zeiten sind nicht rosig.

Der Kapitalismus steckt in der Krise und das ist auch im Spital spürbar. Zusätzlich macht der Staat den Reichen Steuergeschenke, wodurch ihm natürlich das Geld ausgeht. Man nennt das Politik der leeren Kassen: Der Staat zwingt sich damit selbst zu sparen, d.h. er reduziert seine Ausgaben! Er baut den Sozialstaat ab! Was will der Staat mit einem Spital, der nur Kosten verursacht, wenn er genau dieses Spital verkaufen könnte an private Betreiber und dabei sogar noch Geld bekommen würde? In Deutschland ist genau diese Entwicklung der Privatisierung schon weit voran geschritten. Zusätzlich verschärft wird diese Entwicklung noch mit den Fallkostenpauschalen. Sie erzeugen einen Wettbewerb unter den Spitälern und man orientiert sich jeweils am kostengünstigsten Spital. Das führt dazu, dass so genannt unrentable Spitäler ums Überleben kämpfen und dem entsprechend die Effizienz steigern und die Kosten senken müssen. Lohndrückerei, Personalmangel, Arbeitsintensivierung und sinkende Pflegequalität sind Folgen davon.

Nun regt sich Widerstand! Das Fass zum Überlaufen brachte im Frühling 2011 die Entlassungen von 200 MitarbeiterInnen des Universitätsspitals Zürich. Mit grossen und zahlreichen Transparenten an der Spitalfassade machten die Beschäftigten auf ihre Arbeitsbedingungen aufmerksam.

Gekämpft und gesiegt hat das Personal in Genf. Zuerst streikten die PflegerInnen, dann die LaborantInnen und die Reinigungsleute. Es ging ihnen um Lohnforderungen. Der Lohn wird tatsächlich immer wichtiger, denn im Gesundheitsbereich wird bei ständig steigender Arbeitsbelastung der Lohn eingefroren, was eine Reallohnverminderung zur Folge hat.

Es lohnt sich auf jeden Fall zu kämpfen und dabei Solidarität zu erfahren.

Gesundheit ist keine Ware! Gesundheit ist ein Gut, das nicht billig zu haben ist und schon gar nicht gratis.

Revolutionärer Aufbau CH, ag-frauen(a)aufbau.org



:: Zur Verschärfung des Schweizer Asylregimes und der Situation von Frauen auf der Flucht

Das herrschende Klima
Rassismus ist eines der zuverlässigsten Schmiermittel des Motors der Schweizer Migrati-onspolitik. Nicht erst seit der Schwarzenbach-Initiative der 1960er/70er Jahre, bei der die Gefährlichkeit von italienischen und spanischen Arbeiter/innen beschwört wurde. Nicht erst seit die SVP in den letzten Jahrzehnten immer lauter einen Vorherrschaftsanspruch stellt. Rassismus ist salonfähig und wird von beinahe allen Parteien mehr oder weniger offen gefördert um Wahlen zu gewinnen und erkämpfte sozialeRechte abzubauen.

In den letzten Monaten wurde eine orchestrierte Hetze betrieben gegen Flüchtlinge aus Nordafrika. Gehetzt wird vor allem von Vertreter/innen der Ausländerbehörden von Bund und Kantonen. Die Machart dieser Hetze gleicht früheren Kampagnen gegen Einwanderer/innen aus Italien, Türkei, Sri Lanka oder Jugoslawien, die alle mordend und stehlend durch den Mediendschungel rauschten. Männer aus Nordafrika seien frech und forderten eine Arbeit oder einen Ausbildungsplatz. Sie seien eine lauernde Gefahr für Frauen, steht in der Zeitung. Denn ausländische Männer hätten keinen Respekt vor Frauen und ausländische Frauen seien alle unterdrückt und gebeutelt. Nicht zu vergleichen mit der fortschrittlichen Zivilisiertheit im einheimischen Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Die tagtägliche Berieselung mit reaktionären Lügen geht nicht spurlos an den Leuten vorbei. Der Protest in der Aargauer Gemeinde Bettwil gegen ein Asylzentrum drückt die rassistische Grundhaltung in der Bevölkerung aus. Medial inszeniert wurde die Angst von Frauen, die behaupteten, ihre Kinder seien ihres Lebens nicht mehr sicher, wenn 140 Asylsuchende im Dorf wohnen. Unausgesprochen blieben die Horrorszenarien, was denn genau ihren Kindern blühen würde. Sie seien keine Rassist/innen, betonten die Bettwiler/innen, trotz der offensichtlichen Nähe ihrer Kampagne zur SVP. Schnell erhielt ihr Anliegen Unterstützung von Faschist/innen, wie der «Europäischen Aktion» oder der PNOS. Wer im Dorf eine andere Meinung äusserte, wurde bedroht.

An vorderster Front der rassistischen Hetze stehen auch Frauen. Die Sprecherinnen der Bettwiler/innen, diverse Politikerinnen und Funktionärinnen der Polizei, der Migrationsbehörden und der Regierungen von Bund und Kantonen haben sich einen Platz oben ergattert, um von da aus nach unten zu treten. Heute sind es Frauen aller Parteien – wie die St. Galler FDP-Regierungsrätin Karin Keller-Suter oder die aufstrebende Neofaschistin Nathalie Ricklin – die auf exzessive Repression und staatliche Härte setzen zur Lösung sozialer Probleme.

Die Pläne zur weiteren Verschärfung des Asylrechtes
In einem solchen Klima stossen die Vorschläge der SP-Justiz- und Polizeiministerin Simonetta Sommaruga auf wenig Widerspruch. Sie hat eine Beschleunigung des Asylverfahrens versprochen. Beschleunigung durch eine schnelle Abfertigung der Gesuche in Asyllagern des Bundes. Sie betont, das seien keine Internierungslager, aber wohl unbenutzte militärische Anlagen, in denen die Asylsuchenden bis zu ihrer Ausschaffung interniert werden. Ähnliches ist in einzelnen Kantonen bereits Realität. Asylsuchende werden möglichst abgelegen in militärische Bunker in den Bergen verfrachtet. Der Begriff Lager wird vermieden, genannt werden sie Bundeszentren. Die Sprache der Schreibtischtäter/innen ist bemerkenswert: «Nach einer Ablehnung des Asylgesuchs sollen die Betroffenen in den Bundeszentren intensiv auf eine freiwillige Rückkehr vorbereitet werden».

Die Justiz- und Polizeiministerin möchte die Projekte ihrer Vorgänger/innen Blocher und Widmer-Schlumpf vorantreiben, die das Recht auf Asyl für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure abschaffen wollen. Wenn Männer sich der patriarchalen Logik des Krieges zu entziehen versuchen, und deswegen verfolgt werden, wird ihnen der Schutz in der Schweiz künftig verweigert. Das SP-Beschleunigungsprojekt will ausserdem, dass nur jene medizinischen und psychischen Probleme im Asylverfahren berücksichtigt werden, die bei der ersten medizinischen Untersuchung im Bundeszentrum zur Sprache kommen. Was für Betroffene von Folter und Vergewaltigungen die Chance auf Asyl weiter verringert. Kaum eine traumatisierte Person wird sich bei der ersten Behandlung dem Personal anvertrauen.

Nach der massenhaften illegalen Verweigerung, Asylgesuche irakischer Kriegsflüchtlinge in Schweizer Botschaften in Syrien und Ägypten zu behandeln, werden nicht die Verantwortlichen für diesen Skandal zur Rechenschaft gezogen. Statt dessen wird die Möglichkeit abgeschafft, überhaupt ein Gesuch in einer Schweizer Botschaft zu stellen. Die Begründung des Bundesrates: Dies sei schliesslich in den Botschaften anderer europäischer Länder auch nicht möglich.

Die Situation von Frauen im Asylverfahren
Frauen und Kinder machen weltweit den grössten Teil der Flüchtlinge aus. Die meisten von ihnen schaffen es nicht in die Festung Europa. Etwa ein Drittel der Asylgesuche, die 2011 in der Schweiz gestellt wurden, stammen von Frauen. Lange Zeit erhielten Frauen nur wegen des Asylgesuchs des Ehemannes ein Aufenthaltsrecht. Seit 1998 sind frauenspezifische Fluchtgründe im Asylgesetz verankert. Zu diesen Gründen zählen u.a. häusliche Gewalt, sexuelle Übergriffe, Zwangsverheiratung, sexuelle Orientierung oder geschlechterdiskriminierende Gesetzgebung. Erst 2008 hat das Bundesamt für Migration sein Handbuch für das Asylverfahren diesbezüglich erweitert. Dieses Handbuch dient den Sachbearbeiter/innen bei den Befragungen als Grundlage.

2011 ist nun erstmals eine Studie veröffentlicht worden zur Lage von Frauen im Schweizer Asylverfahren seit der Berücksichtigung der frauenspezifischen Fluchtgründe. Die Studie von Terre de Femmes Schweiz untersucht 32 konkrete Asylfälle von Frauen. Dabei geht sie auf spezifische Hürden und Probleme ein, mit denen Frauen konfrontiert sind. Sie kommt zum Schluss, dass die Aussagen von Frauen im Asylverfahren generell als nicht glaubwürdig eingestuft werden. Oft werden die Gesuche deshalb in erster Instanz abgelehnt. Wird der Entscheid angefochten, sind die Chancen auf Anerkennung besser.

Die Studie betont die Rolle der sexualisierten und geschlechtsspezifischen Gewalt, der die Frauen vor, während und nach ihrer Flucht ausgesetzt sind. In einer Fluchtsituation sind Frauen der Macht von Lageraufsehern, Polizisten, Militärs, Mitarbeitern von Hifs-organisationen und Regierungsbeamten ausgeliefert. Zu den psychischen und physischen Folgen, unter denen die Betroffenen leiden, kommt die Stigmatisierung, der Opfer von sexualisierter Gewalt in den meisten Gesellschaften ausgesetzt sind.

Es wird festgehalten, dass bei jeder Asylbewerberin – vor allem wenn sie alleine geflohen ist – davon auszugehen ist, dass sie sexualisierte Gewalt erlebt hat und deshalb traumatisiert ist. Die Befragungssituation, die einem Verhör gleichkommt, stellt ein zusätzlich traumatisierendes Moment dar. Den Behörden geht es bei dieser Befragung in erster Linie darum, der Gesuchsstellerin Lügen zu unterstellen, um ihr Gesuch ablehnen zu können. Die Aussagen werden als unlogisch beurteilt, das Denken der Befrager/innen ist von Stereotypen und Vorurteilen bestimmt.

Bei der Beurteilung der Glaubwürdigkeit stützt sich das BFM auf sog. «Herkunftsländerinformationen», deren Quellen nicht bekannt gegeben werden. Der Bundesrat legt zudem fest, dass Asylgesuche aus sog. «Safe Countries» nicht berücksichtigt werden. Eine Roma aus dem Kosovo, die vergewaltigt wurde und aus Angst vor weiteren Angriffen floh, wurde in den Kosovo ausgeschafft, weil sie keine Verfolgung im Sinne des Asylgesetztes erlitten habe und der Kosovo angeblich ein sicherer Staat sei.

Die Studie bestätigt lediglich, was von der Schweizer Asylpolitik zu erwarten ist. Die Einführung eines Gesetzesartikels, der die Anerkennung frauenspezifischer Fluchtgründe zum Inhalt hat, bleibt eine reine Alibiübung. Die Verfolgung und Entwürdigung der Flüchtlinge hört hier nicht auf, sondern erreicht eine neue Stufe.

Wehren wir uns gegen die Ausbeutungsmaschine
Die Asylpolitik, wie sie ist, ist Ausdruck einer Ausbeutungsmaschine. Hier leben darf nur, wer nützlich und verwertbar ist oder viel Vermögen mitbringt. Die andern sollen bleiben, wo sie sind. Sie sollen Hungerlöhne akzeptieren in der Weltfabrik, in imperialistischen Kriegen als Kanonenfutter dienen oder schlicht das Elend ertragen. Die vordergründige rechtliche Unterscheidung in Asyl- und Migrationsfragen soll den Anschein erwecken, dass es sowas wie «Humanität» gibt innerhalb eines mörderischen Selektionsverfahren. Dass vielleicht einzelne Migrant/innen hier putzen oder anschaffen dürfen, obwohl sie nicht «asylwürdig» sind, aber dafür billig und weitgehend rechtlos.

Wehren wir uns gegen patriarchale und kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung! Unsere Solidarität gilt allen, ob legal oder illegal, die sich gegen ihr vermeintliches Schicksal wehren und sich nicht mit den Brösmeli zufriedengeben, die ihnen als ihr Stück des Kuchens präsentiert werden.

Für eine internationalistische Frauensolidarität, die sich dem rassistischen Polizeidenken, das uns als feministische Politik verkauft wird, entgegenstellt!

Frauen Café Winterthur



:: Schlagkräftige Netzwerke da und dort

Wen-Do Trainerinnen aus Zürich vernetzen sich mit feministischen Strukturen in Apulien und in Nicaragua.

Wen-Do ist verbale und körperliche Selbstverteidigung und Selbstbehauptung für Frauen und Mädchen. Feministische Kreise entwickelten in den 1970er Jahren in Kanada ein Set von Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungstechniken, welche allen Frauen und Mädchen, egal wie gross, wie stark und wie alt, die Möglichkeit gibt, sich gegen sexistische Übergriffe und Belästigung zu wehren. Das Wort Wen-Do bedeutet Frauen unterwegs – Wen kommt von Women und Do bedeutet Weg auf Japanisch. Der Fokus liegt auf der Stärkung der Frauen und Mädchen in ihrem Handeln und in der Förderung ihrer Fähigkeiten sowie im Vermitteln von einfachen aber schlagkräftigen physischen Techniken. Der Solidaritätsgedanke unter Frauen und Mädchen sowie der Anspruch an eine Gesellschaft ohne Diskriminierung – sei es in Form von Sexismus, Rassismus, Homophobie, Behindertenfeindlichkeit, gegenüber Alten oder benachteiligten sozialen Schichten – sind ebenso wichtige Grundpfeiler der Arbeit als Wen-Do Trainerinnen. In den letzten Jahren sind gleich zwei Projekte in anderen Ländern realisiert worden um den direkten Austausch und die Solidarität unter Frauen weltweit zu fördern.

Wen-Do in Apulien...
Im Frühling und Herbst 2010 leitete eine Wen-Do Trainerin aus Zürich zum ersten Mal Kurse in Süditalien. Auf Einladung einer in der lokalen Frauengruppe ”Fuirosa“ aktiven und seit 20 Jahren im Salento lebenden Schweizerin und Alt-Feministin konnte ein erster Kurs in Tricase, südlich von Lecce, organisiert werden. Dank ihr kam auch der Kontakt zur süditalienischen Frauenorganisation ”Sud Est Donne“ zustande. Diese wiederum ermöglichte die Durchführung zweier Kurse in Martina Franca und Crispiano südlich von Bari. ”Sud Est Donne“ wurde auf Initiative einiger junger, im Alltag, in Kultur, in zivilen und sozialen Institutionen aktiven, engagierten Frauen ins Leben gerufen. Das erklärte Ziel der Organisation ist die Förderung der Gleichberechtigung der Frauen im sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Kontext.
Das Kursangebot war Bestandteil ihrer politischen Kampagne ” rompiamo il silenzio“ ( ”Brechen wir das Schweigen“ ). Oberstes Ziel der Kampagne ist die Errichtung eines überkommunalen Präventions- und Interventionsnetzwerkes, welches auf die geschlechtsbezogene Gewalt adäquat reagieren kann. Dank der starken Mobilisierung für die Wen-Do Kurse durch die“Sud Est Donne“, meldeten sich so viele Frauen an, dass die Kurse doppelt geführt werden konnten. Die Mund zu Mund – Propaganda, die Plakate und Flyers in Bäckereien, Einkaufsläden, öffentlichen Institutionen und auf den Piazze zeitigten einen vollen Erfolg.
Bepackt mit Schlagkissen, viel Papier und anderen, nützlichen Utensilien fuhren im Sommer 2011 nun schon zwei Trainerinnen nach Apulien. Für die Herstellung geeigneter Bretter, die jeweils am Ende der Kurse mit viel Willenskraft durchschlagen werden, konnte mittlerweile ein lokaler Schreiner gefunden werden.
In Martina Franca leiteten die Trainerinnen auf Wunsch der Teilnehmerinnen, die bereits einen Kurs besucht hatten, eine Intensivwoche mit dem Ziel, das Wissen rund um Wen-Do nachhaltig weiterzugeben. So konnten die interessierten Frauen, ihre Wen-Do Kenntnisse vertiefen, um sie künftig eigenständig weitervermitteln zu können.
Eine Gruppe von circa 10 Frauen trifft sich in Martina Franca seither weiterhin regelmässig, trainiert selbstorganisiert und adaptiert Wen-Do auf ihre Verhältnisse. Als weiteren Austausch und auch, um die freundschaftlichen Beziehungen die durch diese Arbeit entstanden sind zu pflegen, werden die beiden Trainerinnen im Frühling 2012 ein weiteres Mal in den Süden Italiens reisen.
Soeben haben wir erfahren, dass Wen-Do in Martina Franca auch ein 8. März Thema sein wird. Die Wen-Do Erfahrenen haben die Möglichkeit an einer lokalen Demonstration Wen-Do einer grösseren Öffentlichkeit vorzustellen.

... und in Nicaragua
Während das Projekt in Italien schon gut am Laufen ist, haben zwei weitere Trainerinnen letzten Herbst in Nicaragua ein neues Austauschprojekt aufgegleist. Aufgrund langjähriger feministischer und freundschaftlicher Kontakte konnten schliesslich während eines Monats in Managua, Boca de Sábalos und in Matagalpa Wen-Do Kurse für Mädchen und Frauen realisiert werden. Die Arbeit in Nicaragua war ein ständiges Improvisieren, was jeden Tag abwechslungsreich und spannend werden liess. So machte zum Beispiel die Regen- und Präsidentschaftswahlzeit den Aufenthalt einiges turbulenter als geplant. Durch die hohe Feuchtigkeit waren die Notizzettel und die Bretter mit der Zeit schimmlig und der als Schlagkissen umfunktionierte Schlafsack fiel gegen Schluss des Aufenthaltes gänzlich auseinander. Wegen der überschwemmten Strassen konnten die Frauen und Mädchen oft nicht bis zum Kursort kommen. Dafür waren die Diskussionen um die anstehenden Wahlen um so kontroverser und interessanter. Der linke Präsident und erneute Kandidat für das Präsidentenamt Daniel Ortega – unterdessen wieder im Amt bestätigt – ist aus feministischer Sicht sehr umstritten, da er beispielsweise das Abtreiben in jeder Situation wieder illegalisierte. Dies brachte viele linke Frauen in einen Zwiespalt bezüglich Wahlverhalten, was sich in regen Disputen zwischen den Frauen äusserte.
2013 sind weitere Reisen nach Nicaragua geplant, um gemeinsam die Weiterführung der Arbeit mit Selbstverteidigung und Selbstbehauptung zu konkretisieren, damit auch in Nicaragua das Projekt auf eigenen, lokalen Füssen stehen kann.



Austausch statt Expertinnentum
Bei der Arbeit als Wen-Do Trainerinnen in Italien und in Nicaragua ging es uns nicht darum, die Expertinnen aus der Schweiz zu verkörpern. Vielmehr sehen wir die Kurse als Austausch zum Thema (sexualisierte) Gewalt an Frauen und Diskriminierung. Welche Strategien entwickeln die Frauen in Apulien und Nicaragua, um mit der sexualisierten Gewalt umzugehen? Mit welchen Schwierigkeiten sind sie konfrontiert?
Diese Themen müssen, zumindest in Nicaragua, stets vor dem Hintergrund sehr prekärer Lebenssituationen der Einzelnen betrachtet werden. Welche Handlungsmöglichkeiten haben Frauen, um sich gegen den sie schlagenden Ehemann zu wehren und ihn zu verlassen, wenn die alltäglichen dringenden Lebensumstände schon alle Kapazitäten aufbrauchen? Beispielsweise wissen viele Frauen nicht, ob das nächste Unwetter ihr Haus stehen lässt. Viele haben kein sicheres Einkommen und keine Sozialversicherung, aber Kinder zu versorgen. Die Möglichkeit, sich an eine Opferhilfe zu wenden, gibt es nicht. Und die Polizei zu rufen ist sowieso kein Thema, da diese bei „familiären Angelegenheiten“ nicht kommt.
Der Umgang mit dem Thema häusliche Gewalt ist in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. In der Schweiz ist dieses Thema nach wie vor sehr tabuisiert, auch wenn in struktureller Hinsicht schon einige Fortschritte gemacht wurden (seit 2004 ist häusliche Gewalt in der Schweiz ein Offizialdelikt). In Nicaragua ist zwar in gesetzlicher Hinsicht diesbezüglich überhaupt kein Bewusstsein vorhanden, die gesellschaftliche Debatte darüber hingegen wird viel offener geführt als in der Schweiz. In Nicaragua geht es nicht darum, die angebliche Idylle hinter dem Einfamilienhaus-Gartenzaun aufrecht zu erhalten. Diesen Gartenzaun gibt es – zumindest in den unteren sozialen Schichten – nicht. Alle wissen Bescheid, wer geschlagen wird und wer schlägt. Es scheint schon fast eine gewisse Normalität zu haben: Die Männer schlagen halt. Doch reicht alleine das Wissen um diese Gewalt, um aus der Opferrolle auszubrechen und die Solidarität unter den Frauen zu stärken?
An allen Orten war der Austausch sehr intensiv, die Frauen haben mit grosser Motivation, viel Freude und Kraft die Anregungen und Tricks umgesetzt und gleich in ihren Alltag eingebunden. So erzählte eine Frau im Verlaufe des Kurses, dass sie nun nicht mehr möglichst unauffällig und ängstlich abends nach Hause geht, sondern gut sichtbar in der Mitte der nicht sehr befahrenen Strasse. Manchmal ging es auch nur darum, zu erzählen, zu wissen, dass andere Frauen zuhören und zu merken, dass frau nicht alleine ist mit solchen Themen. Es wurde auch mit viel Lust von den unzähligen Erfolgsgeschichten im Alltag erzählt. Geschichten, bei denen Frauen sich gegen sexistische Übergriffe gewehrt haben, anstatt weg zu schauen und sie über sich ergehen zu lassen. Dabei haben wir sehr mutige und humorvolle Frauen und so auch einige Überlebensstrategien kennengelernt, die wir nun auch in unseren Alltag und in unsere Arbeit integrieren können. Einen ersten Schritt also zu mehr Solidarität und gegen die Ohnmacht, denn jede Geschichte einer Frau, die sich erfolgreich gewehrt hat, macht uns sicherer und damit handlungsfähiger, nicht nur in Bezug auf sexistische Gewalt.

Frauen bilden Banden
Die Erfahrung an den verschiedenen Orten zeigen, dass Solidaritätsnetzwerke enorm wichtig sind, um die prekären und gewalttätigen Lebensumstände zu bewältigen. In Apulien und in Nicaragua knüpften wir die Kontakte immer über lokale Frauenorganisationen, um die Kurse zu organisieren. Die meisten Frauen waren also in irgend einer Form vernetzt. Im gesellschaftlichen Kontext von Nicaragua bedeutet dies, dass diese Frauen sich schon gewisse Freiräume erkämpft hatten, für einige sogar, dass ihnen dadurch überhaupt erst die Teilnahme am Wen-Do Kurs ermöglicht wurde, ohne dass der Mann zuhause dies verbietet. In Apulien war es sehr eindrücklich, wie gross die Bereitschaft war, Anmache und sexistische Gewalt nicht hinzunehmen, sondern zu lernen, wie frau sich wehren kann. Die Frauen waren bereit, sich darauf einzulassen, mit der Opferrolle zu brechen und Respekt und Achtung einzufordern. Das setzt viel Mut voraus, denn eine solche Auseinandersetzung bedeutet stets, der unangenehmen Realität in die Augen zu blicken und sich in der Gesellschaft zu exponieren. Ein stützendes feministisches Netzwerk im Rücken kann eine solche Auseinandersetzung um vieles erleichtern.

Im Austausch mit den Frauen in Apulien, Nicaragua und der Schweiz wird klar, dass Gewalt an Frauen und sexuelle Übergriffe universell sind. Sie sind an den jeweiligen lokalen Kontext angepasst, aber verletzend, demütigend und (oft) auch tödlich sind sie überall auf der Welt. Ein solidarisches Frauennetzwerk kann die prekäre Situation der Frauen nicht von heute auf morgen verändern. Genauso wenig kann mit einem Wen-Do Kurs die Gewalt an Frauen gestoppt werden. Aber die geteilten Erfahrungen können den Alltag erleichtern, indem die Frauen nicht mehr alleine sind mit ihren Fragen, Ängsten, Schuldgefühlen und Sorgen. Die Kurse können also Sicherheit und Selbstbewusstsein vermitteln. Sie können ein erster Schritt sein für ein Bewusstsein, dass Frauen, und vor allem auch in Armut lebende Frauen, ein Recht auf ein gewaltfreies Leben in Würde haben.

In Matagalpa und in Martina Franca haben wir erlebt, wie im Verlaufe des Wen-Do Kurses der Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Frauen gewachsen ist. Viele Frauen haben neue Strategien und Sicherheiten aus den Kursen mitgenommen und diese Ideen und Anregungen werden nun in irgendeiner Form auf den nicaraguensischen und süditalienischen Kontext übersetzt und weiterentwickelt, während wir hier in Zürich die neuen Erfahrungen, an unsere Realität anpassen und weitergeben.



:: Communiqué Frauendemonstration 10.3.

500 Frauen demonstrierten heute unter dem Motto: «Frauen, haut auf den Putz! Gegen rechte Hetze und Sexismus!» anlässlich des Internationalen Frauenkampftages 8. März durch Zürich. Begleitet wurde die Demo von Riesenweibern. Die Prada-Filiale wurde unterwegs eingefärbt.

Auf dem Hechtplatz in Zürich versammelten sich heute anlässlich des internationalen Frauenkampftages 500 Frauen, um an der alljährlichen Frauendemonstration zum 8. März, dem Internationalen Frauenkampftag teilzunehmen.

Das Motto der diesjährigen Demonstration lautete: «Frauen, haut auf den Putz! Gegen rechte Hetze und Sexismus!» Die Demonstrantinnen wurden begleitet von sieben “Riesenweibern“, die diesem Motto einen starken Ausdruck verliehen. Sie trugen Namen wie EVA, Rita Riot, Grace Jones, Bloody Mary, Frau Huber und Lotta Continua. Sie symbolisierten Kämpfe von Frauen zu Arbeitbedingungen, Prekarisierung, Sexismus, Schönheitswahn und reaktionärem Rollback.

Kämpferisch zog die Demonstration über das Bellevue und die Quaibrücke durch die Bahnhofstrasse und von da zur Kaserne, durch die Langstrasse zum Helvetiaplatz. Die Parolen und Forderungen waren nicht zu überhören. Es wurden viele Flugblätter und Zeitungen verteilt und Reden gehalten, unter anderem zu diesen Themen:

Gegen einen neuen Feminismus von rechts
Für das Recht auf Abtreibung und gegen die reaktionären Lebensschützer/innen
In Solidarität mit den Arbeitskämpfen in der Pflege und anderswo
Gegen die rassistische Asyl- und Ausländerpolitik und den rassistischen Normalzustand
In Solidarität mit den Gefangenen (speziell erwähnt wurde die Fälle von Sonja Gauger, politische Gefangene z.Zt. in Frankfurt und Silvia Guerini, politische Gefangene z.Zt. In Hindelbank, BE)
Gegen den Sozialabbau und die Austragung der Krise auf dem Rücken der Unterklassen
Gegen sexistische Rollenbilder und Arbeitsteilung
Für eine internationalistische Frauensolidarität
Zu Sexarbeit und städtische Vertreibungs- und Säuberungspolitik

Unterwegs wurde auf dem Bauschänzli ein Riesentranspi mit der Aufschrift “Wir wachsen über uns hinaus – keinen Fussbreit dem Sexismus“ gehängt.
Unter der Parole “Prada hat Blut an den Händen“ wurde die Prada-Filiale an der Bahnhofstrasse mit roter Farbe markiert. Firmen wie Prada, H&M und Triumph lassen ihre Kleider unter ausbeuterischen und frauenfeindlichen Verhältnissen produzieren. Zum Beispiel starben in letzten Jahren immer wieder Arbeiterinnen in den Textilfabriken von H&M bei Bränden. Die Aktion stand für die Solidarität mit den TextilarbeiterInnen weltweit.

Transparente, Fahnen und Pfeifen begleiteten die laute Demonstration, die vor allem durch die massive Präsenz der Riesinnen für Staunen und Freude bei Passant/innen sorgte.
Es wurden auch viele Bilder von berühmten und unbekannten Kämpferinnen mitgetragen. Damit wollen wir die vielen Frauen sichtbar machen, die gestern und heute, hier und international gekämpft haben und kämpfen.

Hintergrundinfos
Seit Jahrzehnten wird die 8. März-Demonstration ohne offizielle Bewilligung und unter solidarischem Fernbleiben der Männer durchgeführt. Sie ist ein wichtiger Anlass und wird von einem vielfältigen, linken, revolutionären und feministischen Frauen-Bündnis organisiert. Das Bündnis deckt viele Spektren der ausserparlamentarischen Linken und der linken Frauenzusammenhänge ab.

In diesem Raum, den wir uns einmal im Jahr für ein paar Stunden erobern, äussern wir uns laut und deutlich über die politischen und sozialen Kämpfe, die hier und weltweit von Frauen geführt werden. Wir drücken unsere Solidarität aus und thematisieren Aktuelles und Historisches. Denn von all den schönen Dingen wie Gleichberechtigung und Lohngleichheit, von gerechter Arbeitsteilung und gerechten Aufenthaltsrechten für alle Frauen sind wir sehr weit entfernt. Deshalb kämpfen wir am internationalen Frauenkampftag - und an jedem anderen Tag - gegen die Gewalt an Frauen, für eine Kollektivierung der Hausarbeit, gegen Sexismus, gegen die Illegalisierung von Migrantinnen, für mehr Lohn und mehr Freizeit und vieles mehr...

Kurz: Wir kämpfen für ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben in einer Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung.

8. März Frauenbündnis Zürich
(FrauenLesbenKasama, Gruppe für eine antikapitalistische Praxis, Tierrechtsgruppe Zürich, Frauen Lesben Café Winterthur, Revolutionärer Aufbau Zürich und Einzelpersonen)

Kontakt: frauenbuendnis(at)immerda.ch

Mehr Infos, Fotos und Texte:
http://switzerland.indymedia.org/de/2012/02/85539.shtml
http://www.facebook.com/8.MaerzZH
http://www.vorwaerts.ch/

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  Weitere Daten/Infos
23.02.2012 00:45  


AutorIn: Ergänzung
  Communiqué zur Demo und Fotos
11.03.2012 10:27  
Zur Demo vom 10.3. siehe Communiqué und Fotos hier:
 http://ch.indymedia.org/de/2012/03/85746.shtml


AutorIn: 8. März Frauenbündnis Zürich
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