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 :: Warum toleriert die Reitschule antisemitische Plakate? ::
 Themen | Antifaschismus 16-04-2010 02:41
AutorIn : Autonome Antifa Freiburg
Antifaschistische Demonstration in Bern 2007 Offener Brief an die Reitschule Bern vom 15.04.2010

Der so genannte „Prozess von Bern“ von 1933 bis 1935 endete mit der Feststellung, dass die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ eine Fälschung sind. Trotzdem hatten die „Protokolle“ über eine angebliche „jüdische Weltverschwörung“ reale Auswirkungen: Sie bildeten die ideologische Grundlage des eliminatorischen Antisemitismus des Nationalsozialismus, der die Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden ermöglichte. Zum 1. Mai 2010 wurde in der Reitschule Bern ein Plakat gezeichnet, gedruckt und aufgehängt, das antisemitische Stereotype aufgreift und reproduziert.
Antifaschistische Demonstration in Bern 2007
Antifaschistische Demonstration in Bern 2007
Plakat des Revolutionären 1. Mai Bündnis Bern 2010
Plakat des Revolutionären 1. Mai Bündnis Bern 2010
Titelblatt der Nazi-Satire-Zeitschrift "Fliegende Blätter" Nr. 5, 1942
Titelblatt der Nazi-Satire-Zeitschrift "Fliegende Blätter" Nr. 5, 1942
Uns verbindet eine lange Zusammenarbeit und Anteilnahme mit der Reitschule und dort aktiven Gruppen. Wir haben mitgeholfen, den SVP-Marsch auf Bern zu verhindern und nach dem Brandbombenanschlag auf die Reitschule haben wir antifaschistische Strukturen solidarisch unterstützt. Wir haben uns an den Mobilisierungen gegen das WEF und die WTO beteiligt und nach den Hausdurchsuchungen bei der Anti-Repressionsarbeit geholfen. Wir schreiben diesen Brief an die Reitschule, weil wir der Meinung sind, dass ein antisemitisches Plakat nicht unkommentiert bleiben darf.

Wir kritisieren nicht den Aufruf des Revolutionären 1. Mai Bündnis Bern, in dem die Notwendigkeit betont wird, sich damit „zu beschäftigen, wie der Kapitalismus tatsächlich funktioniert“, sondern die Bildsprache des Plakats. Dominierend sind die Hände des Marionetten-Spielers. Die Symbolik des „jüdischen Drahtziehers“ geht zurück auf die „Protokolle“, wo es heißt: „Zweitens werden wir durch unsere Intrigen auf alle Fäden einwirken, die wir in den Kabinetten aller Staaten gesponnen haben durch die Politik, durch wirtschaftliche Verträge oder Schuldverschreibungen.“

Die Figuren auf dem Bild sind gefesselt, blind, verstrickt und wehren sich gegen Manipulation und Fremdbestimmung. Keine der Figuren schaut nach oben, niemand bemerkt, durch wen sie gelenkt werden. Die Figuren sind lediglich Opfer des Kapitalismus, der sich nicht als soziales Verhältnis zwischen den Menschen, sondern als Macht im Hintergrund manifestiert. Die Figur des mächtigen, aus dem Hintergrund die Fäden ziehenden Juden ist ein häufiges Motiv der Nazipropaganda und wurde zum Beispiel in der Nazi-Satirezeitung „Fliegende Blätter“ Nr. 5 von 1942 abgebildet. Aber auch heute noch wird das Bild des Marionettenspielers von Neonazis verwendet.

Eine zeitgenössische Verwendung des Motivs findet sich in dem Lied „Diese Zeit“ der baden-württembergischen Naziband „Division Staufen“: „Den Stolz haben die Deutschen verloren, sie werden zu Marionetten erzogen.“ In der „Argumentationshilfe gegen die NPD-Schulhof-CD 2009“ heißt es dazu: „Die Metapher von der Marionette verlangt einen, in dessen Händen die Fäden zusammenlaufen; jemand, der im Verborgenen die Strippen zieht. Sie entstammt unmittelbar der antisemitischen Verschwörungstheorie vom jüdischen Strippenzieher und Finanzkapitalisten, wie sie nationalsozialistische Staatsdoktrin wurde.“

Der Wirtschaftstheoretiker der NS-Propaganda, Gottfried Feder, unterschied zwischen der positiv besetzten Produktionssphäre („schaffendes Kapital“) und der negativ besetzten Zirkulationssphäre („raffendes Kapital“). Durch die Personalisierung des „raffenden Kapitals“ wurde den Juden und Jüdinnen die Urheberschaft allen Übels in der Welt zugeschrieben. Sie gipfelte in der nationalsozialistischen Hetzparole „Die Juden sind unser Unglück“, wie sie 1935 für eine NS-Propagandaveranstaltung im Berliner Sportpalast aufgehängt wurde. „Dem Juden“ wird dabei eine ungeheure Macht zugeschrieben: Die Kontrolle des Weltgeschehens durch die Verfügungsgewalt über das Kapital. Auf dem Plakat wird die durch den Marionettenspieler dargestellte Macht noch durch die mit Kondensstreifen versehenen und damit an eine Bomberstaffel erinnernden Währungszeichen verstärkt.

Ein weiteres antisemitisches Stereotyp auf dem Plakat sind die Hände, deren wilde Gestik eine klischeehafte Geschäftigkeit widerspiegeln. Die Mimik des Totenschädels wirkt durch die zusammengezogenen Augenbrauen und den geöffneten Mund bedrohlich und fratzenhaft. Auch die durch den lang gezogenen Nasenknochen angedeutete „jüdische Nase“ und der Hut sind antisemitische Stereotype.

Der Goldring an der Hand des Marionettenspielers erinnert an den „Gelben Ring“, den Juden und Jüdinnen im Mittelalter auf der Kleidung tragen mussten. Der gelbe „Judenring“ war damit Vorläufer des gelben „Judensterns“ im Nationalsozialismus. Die Aufschrift „In Gold We Trust“ auf dem Goldring ist an das „In God We Trust“ auf den US-Dollarscheinen angelehnt und liest sich als Anspielung auf die angebliche Finanzmacht der „jüdischen Ostküste“ der USA.

Der Goldzahn des Totenschädels provoziert Assoziationen an die Goldzähne, die Jüdinnen und Juden in den Konzentrationslagern ausgeschlagen wurden. Im Schweizer Untersuchungsbericht zum „Nazigold“ heißt es: „Wichtigster Abnehmer der deutschen Goldlieferungen war die Schweiz“. Die Schweizerische Nationalbank besaß 119,5 Kilogramm Schmuck- und Zahngold von KZ-Häftlingen.

Auch wenn dem Revolutionären 1. Mai Bündnis Bern die Tragweite der verwendeten Symbolik vielleicht nicht bewusst ist, tradieren diese Plakate unabhängig von der Intention den Antisemitismus. Die Plakate kommen aus der Reitschule und werden von dort verbreitet. Gerade weil von Seiten des Bündnisses denen mit körperlicher Gewalt gedroht wird, die die Verbreitung verhindern wollen, muss sich die Reitschule zu den Plakaten positionieren.

Autonome Antifa Freiburg
 :: 19 Inhaltliche Ergänzungen : > Ergänze diesen Artikel (.onion )
  wenn wir schon dabei sind...
16.04.2010 08:48  
... warum sind auf dem mobi-plakat nur männliche marionetten gezeigt?



AutorIn: asdf
  Symbole und ihre Geschichte
16.04.2010 11:06  
Ob das Plakat unbedingt antisemitisch im eigentlichen Sinn ist, naja, das ist interpretationsfrage. Tatsache aber ist, dass es sich an einer antisemitischen Bildsprache aus den 20er und 30er Jahren aus nationalsozialistischer Ecke bedient, die verwendet wurde um die Ausgrenzung und die spätere Ermordung der Juden zu legitimieren. Eine solche Bildsprache unkommentiert zu verwenden ist sehr problematisch und führt sehr rasch zu einer nicht gewollten Interpretation. Und wenn man nicht einsehen will, dass die Bildsprache zwingend eine deutliche Positionierung erfordert, dann sollte man die absehbare Kritik nicht einfach nur abwehren. Die hat dann nämlich ihre Berechtigung.
Nur gewisse Teile der Berner Linken missverstehen Kritik als Angriff. Schade eigentlich.
Und zur Info: die autonome Antifa ist keine antideutsche Gruppe. Berechtigte Kritik immer gleich den Anti-Ds in die Schuhe schieben zu wollen zeugt von fehlener Kritikfähigkeit, Unreife und Schuldabschiebeverhalten.


AutorIn: nicht so wichtig
  Symbole und ihre Geschichte
16.04.2010 12:58  
So Kinder bitte Ruhe!!


Im Jahre 1906 wurde in der sozialdemokratischen Zeitschrift "Der wahre Jakob"* eine Illustration unter dem Namen "Vom politischen Marionettentheater" publiziert. Die Illustration stellt ein Skelett dar welches Bonzen, Pfaffen und Militärische Kader als Marionetten mit sich führt. Dazu wurde auch ein kleines Gedicht verfasst:

Die ihr ein Spielzeug in der Hand
Des Riesen Schicksal seid —
Ihr, Kutte, Kron' und Ordensband —
Genießet eure Zeit!

Bedenkt: einst wendet sich das Blatt,
Das Glücksschiff kriegt ein Leck,
Der Riese hat sein Spielzeug satt
Und wirft euch in den Dreck.

Drum tummelt euch im Flitterstaat,
So lang das Lämpchen brennt —
Wenn einst der große Kehraus naht,
Ist euer Tanz zu End'!


Wer hat jetzt nun diese Symbolik erschaffen? Es spielt keine Rolle. Die jenigen welche im 1. Mai Plakat etwas antisemitischen sehen, haben die antisemitischen Vorurteile in sich schon akzeptiert und wenden diese auch an. Oder ist etwa jeder der eine Melone trägt, ein Goldzahn hat, eine angeblich grosse Nase hat und ein Goldring trägt ein Jude? Ist ein fratzenhaft bösartig aussehender Mann ein Jude?


Lektion vorbei


* http://de.wikipedia.org/wiki/Der_wahre_Jakob


AutorIn: Geschichtsprofessor
  geschichtsprofessor:
16.04.2010 13:31  
haha. du bist lustig. und als nächstes fügst du mit der judenverfolgung in russland die stalinisten als beweis vor, um zu vermitteln, dass judenverfolgung nichts verwerfliches ist, oder was?

um deinem namen gerecht zu werden, solltest du dich erstmal mit der geschichte des antisemitismus auseinandersetzen. dann würdest du ziemlich schnell auch den antisemitismus der sozialdemokratie, KPD, usw. kennenlernen. der funktioniert ganz ähnlich dem nationalsozialistischen: er wird als kapitalismuskritik verkauft ohne dass diejenigen, welche den kapitalismus so kritisieren wollen, begreifen, wie der kapitalismus eigentlich funktioniert. der ist - man höre und staune - eben nicht ein von geldgierigen monstern und marionettenspielern geleitetes system.

da gibt es auch bücher darüber. wie wäre es mit marx?

zum lustigen kauz, der hier vom ideellen gesamtkapitalisten geschrieben hat: der ideelle gesamtkapitalist ist der staat.


AutorIn: besserer geschichtsprofessor
  staat
16.04.2010 14:30  
das ist mir bekannt. der staat setzt die schranken, garantiert z.b. das eigentum und andere rechte. er gibt die bahnen vor, in denen sich die leute bewegen dürfen.

aber auf dem plaki ist ja angeblich ein stürmerjude. darum kanns eine beamten-charaktermaske nicht sein...


AutorIn: lustiger kauz
  Nichts Neues
16.04.2010 15:11  
1. Eine entsprechende Anmerkung zum Plakat wurde auf dem hier auf indymedia publizierten Artikel versteckt.

2. Es ist nicht das erste Mal, dass sich das Reitschule-Umfeld in die Nähe antisemitischer Analysen stellt. So hielt die Anti-WTO Koordination wenig Distanz zu Freiwirten ( http://switzerland.indymedia.org/de/2003/12/16404.shtml). Auf die damalige Kritik wurde nie inhaltlich reagiert.

3. Tragisch ist, dass die Kapitalismusanalyse und -kritik beider Bündnisse mit derjenigen des Plakats übereinstimmt.


AutorIn: Nichts Neues
  bescheuerte diskussion
16.04.2010 15:51  
Wollt ihr die Revolution oder euch gegenseitig niedermachen? Ich bin mir sicher, die Kritik war solidarisch gemeint. Und die Autonome Antifa Freiburg ist keine antideutsche Gruppe, lasst doch das Kinderzeugs.



AutorIn: kopfkratzer
  Wirklich konstruktive Kritik ?
16.04.2010 16:27  
Wäre die Kritik wirklich konstruktiv gemeint gewesen, hätte die Antifa Freiburg zuerst das billaterale Gespräch suchen können, und nicht gerade so einen riesen Aufstand machen müssen!


AutorIn: Some Antifa
  @Some Antifa
16.04.2010 16:42  
da hast du wohl recht. nur, die leute vom komitee wurden informiert, sie wurden auf die problematik aufmerksam gemacht. nur haben sies einfach ignoriert. egal wie viele leute da versucht haben, auf das problem aufmerksam zu machen, es kam nicht an. jeder hinweis, jede konstruktive kritik wurde mit einem "gegen"angriff gekontert à la "antisemit ist der/die, der/die einen antisemitismus erkennt". die bildsprache ist problematisch, sie erfordert eine erklärung und eine distanzierung auf die historischen und gegenwärtigen verwendungen des zum verwechseln ähnlichen motivs. das beispielplakat im text ist eines von ganz vielen ähnlichen plakaten. wer sich mit der bildsprache der nazis einigermassen auskennt, dem fallen die parallelen sofort auf. die gruppe hat bisher von einer deutlichen stellungnahme abgesehen. einzelne mitglieder daraus und deren kommentare lassen auch nicht darauf hoffen, dass eine solche stellungnahme noch erfolgt. die gruppe ist deshalb nicht antisemitisch, nur einfach unglaublich ignorant und selbstgerecht.


AutorIn: nicht so wichtig
  Biffbaffbuff
16.04.2010 20:01  
Es stellt sich halt doch die Frage, ob die Bildsprache hier vom Aufruf des Inhalts getrennt werden kann. Im Aufruf wird zwar Vordergründig die 'System-Linke' für Ihre verkürzte Kapitalismuskritik kritisiert, schlussendlich bietet er jedoch keine andere Analyse und reproduziert die Unterscheidung raffendes versus schaffendes Kapital in leicht unterschiedlicher Terminologie. Die mächtigen, gar staatsgeschützten, Reichen und ihr leichtverdienter Profit gegen die ausgenutzten, schuftenden, sich verschleissenden ArbeiterInnen.

Zudem wird die Krise verklärt in alles andere als systemimmanente Regenerierungsbewegung.

Auf der Bildsprache rumzureiten ist eine oberflächliche Kritik, die letztendlich lediglich dazu dienen wird, die grundlegende Problematik einer verkürzten Analyse zu verschleieren. Dass die AAF dies nicht erkennt, ist erschütternd.


AutorIn: P
  Eine notwendige Kritik an einem antisemitischen Plakat
17.04.2010 12:17  
P schrieb am 16.04.2010 um 21:01:

"Es stellt sich halt doch die Frage, ob die Bildsprache hier vom Aufruf des Inhalts getrennt werden kann. [...] Auf der Bildsprache rumzureiten ist eine oberflächliche Kritik, die letztendlich lediglich dazu dienen wird, die grundlegende Problematik einer verkürzten Analyse zu verschleieren. Dass die AAF dies nicht erkennt, ist erschütternd."

In dem offenen Brief wird kritisiert, dass das Kapital nicht als soziales Verhältnis begriffen wird. Das ist offensichtlich eine marxistische Kritik in Anlehnung an Band III. des Kapitals, wo es heißt:

"Aber das Kapital ist kein Ding, sondern ein bestimmtes, gesellschaftliches, einer bestimmten historischen Gesellschaftsformation angehöriges Produktionsverhältnis, das sich an einem Ding darstellt und diesem Ding einen spezifischen gesellschaftlichen Charakter gibt."

Ich denke es ist daher falsch der AAF zu unterstellen, sie hätte keine weitergehende Kritik. Und Bildsprache zu analysieren ist alles andere als oberflächlich, es ist in diesem Fall eine notwendige Kritik an einem antisemitischen Plakat.


AutorIn: aurora
  @ P :Falsch verstandene Theoriekritik
17.04.2010 12:18  
"Die mächtigen, gar staatsgeschützten, Reichen und ihr leichtverdienter Profit gegen die ausgenutzten, schuftenden, sich verschleissenden ArbeiterInnen."

Das ist keine verkürzte Kapitalismuskritik, sondern eine kurze. Unter verkürzter Kapitalismuskritik versteht man, richtig, die Unterteilung in schaffendes und raffendes Kapital. Die Gegenüberstellung von reichen Ausbeutern und mittellosen Ausgebeuteten ist hingegen ganzer Antikapitalismus, kein halber.

Kann jemand den Text hier abbilden, damit wir sehen können, ob P wenigstens teilweise recht hat?


AutorIn: kampfposting
  @kampfposting
17.04.2010 13:21  
Das ist der Aufruftext:

Heraus zum 1. Mai!


Kapitalismus überwinden – nicht reformieren!

„Arbeit, Lohn und Rente statt Profit und Gier“, so lautet die diesjährige Parole zum 1. Mai. Herausgegeben hat sie der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB).

Die Parole lässt tief blicken. Sie bringt das (Selbst-)Verständnis der System-Linken auf den Punkt. Arbeit, Lohn und Rente - das halten sie für etwas ganz Tolles, dafür wollen sie kämpfen. Der Widerspruch, dass gerade die Lohnarbeit für den Profit der Reichen verantwortlich ist, kann sie nicht davon abbringen. Genauso wenig die Tatsache, dass die kapitalistische Lohnarbeit die ArbeiterInnen verschleisst und dass es sie überhaupt nur wegen dem Profit gibt.

Nicht einmal in der Krise, in der die Zumutungen der kapitalistischen Wirtschaftsweise die ProletarierInnen aller Länder noch härter treffen als sonst, lässt sich die System-Linke dazu bewegen andere Töne anzuschlagen und auf den „gestrauchelten“ Kapitalismus einzutreten. Sie hilft ihm lieber tatkräftig wieder auf die Beine.

GewerkschaftsführerInnen fordern Konjunktur- und Rettungspakete von einem starken Staat und geisseln gierige ManagerInnen und verantwortungslose PolitikerInnen.


Diese Ordnung hat System - und dieses System heisst Kapitalismus!

Auf „ihr“ System, die freie Marktwirtschaft, lassen die System-Linken ums Verrecken nichts kommen. Das System würde ihrer Meinung nach offenbar schon ordentlich funktionieren - wenn bloss die FunktionärInnen der demokratischen Herrschaft und der Wirtschaft nicht so einen schlechten Charakter hätten.

Diese Haltung ist mehr als zynisch, man braucht schliesslich kein Denkriese zu sein, um zum Beispiel zu merken:

- dass gerade der starke Staat die herrschende Ordnung ins Recht setzt und dass nicht einzelne AbzockerInnen und gewissenlose PolitikerInnen dafür verantwortlich sind, dass täglich 100 000 Menschen an den Folgen von Hunger sterben, während andere Leute unermesslichen Reichtum anhäufen.

- dass ArbeiterInnen nicht entlassen werden, weil es nichts mehr zu tun gibt, sondern dann, wenn mit den Produkten, die sie herstellen zu wenig Profit gemacht wird.

- dass im Kapitalismus überschüssige Produkte, die nicht verkauft werden können, nicht an Bedürftige verteilt, sondern gezielt vernichtet werden.

- dass alle möglichen produzierten Dinge sich in der Krise nicht in Luft aufgelöst haben. Dass es im Gegenteil zu viele davon gibt! Nicht weil es keine Bedürfnisse nach guten Konsumgütern mehr gäbe, sondern weil es nicht genug kaufkräftige Bedürfnisse (Bedürfnisse, die bezahlt werden können) gibt.


Der Kapitalismus hat keine Fehler – er ist der Fehler!

Statt sich an der moralischen Kritik am fehlenden Anstand und der fehlenden Verantwortung der wirtschaftlichen und politischen Elite zu beteiligen, halten wir es für angebracht uns damit zu beschäftigen, wie der Kapitalismus tatsächlich funktioniert, die ökonomischen Verhältnisse zu kritisieren und eine soziale Revolution aufzugleisen!

Dafür wollen wir im Revolutionären Block gemeinsam einstehen! Schliess dich uns an!

Revolutionärer Block an der 1. Mai Kundgebung: Besammlung 16.00 Uhr, Kramgasse!

Fest ab 17.00 Uhr auf dem Vorplatz der Reitschule. Mit Konzerten, Bar, Essens- und Infoständen, Afterparty und vielem mehr ... !


AutorIn: text
  Kommentare auf linksunten.indymedia.org
17.04.2010 14:08  
Auch auf Indymedia linksunten gibt es eine Diskussion:
 http://linksunten.indymedia.org/de/node/19054


AutorIn: anonym
  N'importe quoi
17.04.2010 15:19  
la représentation satirique des 'marionnettes' existe depuis bien avant que l' "antisémitisme' en tant que tel existe.

en suivant cette logique, bientôt on aura plus le doit d'utiliser le logo de l'antifa puisqu'il a été partiellement repris par les autonomes naZionalistes.


AutorIn: antifa
  @ nicht so wichtig
17.04.2010 15:50  
das gebe ich dir grundlegend recht und ich will jetzt die autonome antifa aus dem schönen breisgau jetzt auch nicht gleich in die antideutsche schublade stecken und es ist gut und richtig, dass sie kritisieren.

ich bezweifle aber, dass die kritik auf fruchtbaren stossen wird, weil "wir" da einfach zu grosse defizite haben bzw. die kritik nicht fassbaren wird, weil halt die schweiz nicht deutschland ist und die meisten sooderso nur bahnhof verstehen werden.

grundlegend müssen sich einfach alle antikapitalistischen gruppen bewusst sein, dass, wenn sie vom "kapital" sprechen, das immer tor und tür öffnen für projektionen, mit oder ohne marionette (oder was auch immer). so lange der begriff vom kapital so schwammig-diffus bleibt, wird mensch sich immer auf dünnen eis bewegen und da gibt es qualitativ oft echt keinen unterschied zu mahler & konsorten. und diese geistige nähe muss einfach zu denken geben!!



AutorIn: oldschoolmacker
  Stellungnahme
18.04.2010 18:08  


AutorIn: linkerin
  Stellungnahme des Infoladens Bern
19.04.2010 09:32  


AutorIn: links
  antisemitische interpretation
03.05.2010 11:37  
die frage, die man sich in dieser diskussion ganz klar stellen muss ist, ob es sich dabei um ein 1. mai plakat handelt, welches sich bewusst antisemitischer buildsprache bedient, oder aber ob der antisemitismus in der hier aufgeführten kritik steckt.

meiner meinung nach ist es höchst fragwürdig ein antikapitalistisches plakat als antisemitisch zu bezeichnen. die sehr sogfältige analyse der freiburger antifa schien mir auf den ersten blick sehr glaubwürdig und gut fundiert. bei näherer betrachtung stellt man jedoch fest, dass der antisemitismus nicht in der eigentlichen Bildsprach, sondern in deren Interpretation liegt. eine solche kritik reproduziert in meinen augen die judendiffamierung des nationalsozialismus in erschreckender Weise. Der zusammenhang zwischen kapital und arbeitskaraft, welche in einem abhängigkeitsverhältnis, ähnlich wie in einem puppenspiel,stehen, wurden hier grafisch dargestellt. nun den schritt vom sugerierten grosskapitalisten zum juden zu machen empfinde ich als schockierend und eines indymediaartikels nicht würdig.
was hier als Kritik an einem angeblich antisemitischen plakat getarnt wurde, ist in Wahrheit eine diffamierung des judentums, indem bestätigt wird, dass hinter dem kapital und den grosskapitalisten das judentum steht.

wenn dann noch physiologischen merkmalen wie nasenhöhlen eine rassenzugehörigkeit nachgesagt wird geht das in meinen augen definitif zu weit!

...„In God We Trust“ auf den US-Dollarscheinen angelehnt und liest !!!DU!!! als Anspielung auf die angebliche Finanzmacht der „jüdischen Ostküste“ der USA. "
genauso könnte es eine anspielung auf religiös-fanatischen glauben an den finanzmarkt oder gold gelesen werden. ich sehe darin jedenfalls KEINE verschwörungstheorie! die siehst du, weil du sie sehen willst!

das ist das problem--> self fulfilling proficy à la huntington!

schade das sich eine gruppierung, welche sich antifaschistisch nennt, sich billigen antisemitischen stereotypen, verschwörungstheorien und sonstigem schwachsinn bedient um eine, im grunde genommen für die gleiche sache kämpfende gruppierung zu diskreditiern.

"hinter dem faschismus steckt das kapital - bekämpfen wir es hier und überall!"

Ps: Um missinterpretationen seitens der freiburgischen antifa vorzubeugen: mit Kapital meine ich Kapital und nicht das Judentum...


AutorIn: Jan-Carl
 :: Nicht inhaltliche Ergänzungen :
  1. Stell dir vor — Gelangweilter
  2. Fixt besser mal die Fehler in eurem RSS Feed! — Revolutionärer Block
  3. Nette — Mario
  4. zeig mir wo der antisemitismus ist ..... — mafalda
  5. danke — alexandra kollontai
  6. antideutsche widersprüche — in der mittagspause
  7. diese nase, diese nase... — obelix
  8. bildli luege — heraus zum ersten mai!
  9. reitschule? — ich
  10. Ihr übertreibt — michel
  11. Angeblicher Antisemitismus in der Linken — michel
  12. 1. stimmt nicht (mehr) ganz — im westen nix neues
  13. ANTIMEDIA IST BESCHLOSSENE SACHE — http://antimedia.ch.vu
  14. bescheuerte diskussion — @Kopfkrazer
  15. antizionismus — lepra
  16. ein einzelner Ast vom ganzen Baum: — asi
  17. Lies! — lesen und verstehen
  18. Lies: — lesen und verstehen
  19. Anonyme Bugreports — Einer von der AAF
  20. @ lesen und verstehen — andi
  21. Lies: http://de.wikipedia.org/wiki/Antikapitalismus — lesen und faust im sack machen
  22. "nicht (mehr) ganz" — gespaltene Subjekte
  23. @ P (olizei?) — es lebe der elektr. kurzschluss
  24. multilingual — desillusionist
  25. anarchie und demokratie vs. gottesstaat — israelklischees vs realität
  26. Witz des Tages: — austeilen könnt ihr, einstecken nicht
  27. bakunin — anarcho
  28. Alleinanspruch auf Antirassismus? — vencedor
  29. kiffen gegen rechts — antira
  30. Das Plakat ist hässlich und technologisch rückständig — der untote
  31. @ kiffen gegen rechts — vencedor
  32. verbrodern? — reset
  33. Rechte gewinnen und Linke vor den Kopf stossen — antikap
  34. identität und wahrheit — oldschoolmacker
  35. @ Wie funktioniert die antideutsche Ideologie? — nicht so wichtig
  36. Du kannst die Bilder auch hier posten — antimedia.ch.vu antimedia@freemail.ru
  37. Deja vu: — world serpent
  38. http://switzerland.indymedia.org/de/2010/04/75029.shtml — http://switzerland.indymedia.org/de/2010/04/7
  39. Platitüden im Quadrat — Marx erstechen ist kein Verbrechen!
  40. nicht zu ende gedacht — drex
  41. @ marx erstechen ist kein verbrechen — ;-)
  42. die freiheit und ihre schranken — der artikel hat jetzt 68 versteckte erg.
  43. dieser artikel hat 68 versteckte ergänzung — danke indy
  44. Ehre, Treue, GSP! — Berner
  45. Stellungnahme Komitee — beata
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