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 :: Schadensbilanz vom Samstag ::
08-02-2010 15:38
AutorIn : hans muster
Einige gefundene Sprayereien Gleich von Beginn an und praktisch über die ganze Dauer des Umzugs wurden links und rechts die Wände mit Parolen, Tags und Graffitis vollgesprayt. Fast jedes Fleckchen weisse Wand musste seine Unschuld lassen. Die Bullen haben nicht das geringste bisschen Wind gekriegt und waren dementsprechen praktisch überhaupt nicht zu sehen. Beim Limmatplatz, diesem panoptischen Feuchttraum (ca. 15 Überwachungskameras) wurde versucht, diese Kameras mit langen Stöcken kaputtzuschlagen, was teilweise gelang. Autos, die teuer aussahen, eines der "Trouble Shooters" (elende Sozis) und besonders erfreulich, jenes vom StaPo-Sprecher Cortesi, der im falschen Moment neben der Demo auftauchte, wurden demoliert. Entlang der Langstrasse wurden zahlreiche Bordelle und Nachtklubs mit Parolen gegen Sexismus und das Patriarchat vollgeschmiert. Ausserdem flogen die Scheiben folgender Lokale in Stücke:
Einige gefundene Sprayereien
Einige gefundene Sprayereien
...
...
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ZKB, Kameras beim Limmatplatz, Mc, Hooters
ZKB, Kameras beim Limmatplatz, Mc, Hooters
Juwelier, Mercedes, Mobilezone, RBS coutts, Tamedia
Juwelier, Mercedes, Mobilezone, RBS coutts, Tamedia
- McDonalds [stets das banalste Zielobjekt einer ewiggestrigen Kapitalismuskritik, und doch einer der grössten Multis, der gewiss besonders viel Dreck am Stecken hat. Übelste Arbeitsbedingungen bzw. Ausbeutung (hier, und vorallem auch in den Auslagerungen in ökonomisch "rückständigen" Ländern), Verfolgung und Ermordung von Gewerkschaftlern, Regenwaldrodungen und Besitzergreifung und Ausschöpfung der Resourcen im Allgemeinen (v.a. in Drittweltländern)]

- Hooters [grosse internationale Restaurantkette die ausschliesslich Frauen als Dienstpersonal beschäftigt, die kurze Höschen und tiefe Ausschnitte zu tragen haben. Wohl der Tagungsort widerlichsten Machismus' und patriarchaler Unterdrückung.]

- Ein Juweliergeschäft [leider gab es nichts zu plündern (Sicherheitsglas), doch konnten zumindest symbolisch die kleinen Freuden der Bourgeoisie versaut werden.]

- ZKB [Zürcher kantonal Bank, die sich durch ökologische und sozial gutmütige Heucheleien ein "alternatives" Bild zu verschaffen versucht, worauf sogar lächerlich viele hereinfallen. Eine der vier grössten Banken der Schweiz. Kapitalisten, Bürokraten, Langweiler. punkt.]

- Mercedes [Nochmals die bourgeoisen Freuden, die uns eine tote Welt predigen, in deren Waren wir diesen Mangel an Leben kompensieren sollen]

- Ein Yuppielokal [Errichtet auf den Trümmern eines bestzten Hauses, konnte leider nicht gross beschädigt werden, da Menschen direkt hinter den Scheiben sassen und blöd grinsten.]

- Ein Mobilezone shop [Siemens, Nokia, und was weiss ich für Natelhersteller, sind oft auch dick im Geschäft von Überwachungstechnologien verwickelt (Natels an sich sind eine Wanze im Sack) und sind auch für ihre ausbeuterischen Arbeitsbedingungen bekannt.]

- RBS coutts [Bank die auf die Vermögensverwaltung privater Kundschaft (Bonzen) spezialisiert ist.]

- Tamedia [ein schweizer Medianunternehmen das unteranderem den TagesAnzeiger, 20min, Finanz und Wirtschaft, Schweizer Familie und anders druckt. Taglich wird uns diese bürgerliche Scheisse um die Ohren gehauen, um uns mit dem langweiligen Gequatsche unterwürfiger Journalisten davon abzuhalten, diese Welt an ihren Wurzeln zu hinterfragen. Der Hang zu polizeilichem Schreibstil, zeigt sich immer wieder darin, was wie geschrieben und was bewusst verschwiegen wird. Journalisten dienen zur Verteidigung der Herrschenden und ihren verfaulten Werten. Natürlich wäre es schöner, ihre Druckereien zu sabotieren als ein paar Scheiben einzuschmeissen... Doch gut tut es allemal!]


Leider stockte der Umzug an der Stauffacherbrücke und liess sich von ein paar verzweifelt heraneilenden Bullenwannen (die sich nun das erste mal dem Umzug in den Wag stellten) den Fortgang in die Innenstadt verwehren. Nach etwas Steinen, Gummischrott und Tränengas, drehte der Umzug um, und hielt sich noch bis 2 Uhr im Kreis 4 auf.

Es gab keine Verhaftungen!
 :: 2 Inhaltliche Ergänzungen : > Ergänze diesen Artikel (.onion )
  Medien
08.02.2010 15:53  


AutorIn: n
  medien
08.02.2010 16:41  
blick.ch 8.2.10

Chaoten können ungehindert wüten

Denn die Polizei hat keinen Pikett-Dienst

ZÜRICH - Beim Saubannerzug durch die Zürcher Langstrasse richten Chaoten riesigen Schaden an. Die Polizei sieht lange nur zu - weil sie keine Reserve aufbieten kann.

Von Georg Nopper

In der Nacht auf Sonntag treffen sich beim Carparkplatz Sihlquai hinter dem Zürcher Hauptbahnhof um 22 Uhr etwa 500 Personen. Sie ziehen anschliessend Richtung Limmatplatz und von dort durch die Langstrasse. Ungehindert können Chaoten unter ihnen Wände verschmieren und Schaufenster einschlagen, Autos beschädigen und Angst verbreiten (Blick.ch berichtete).

"Wir haben keine Polizisten aus der Freizeit aufgeboten», so Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi zu Blick.ch. "Eine Pikett-Organisation haben wir nicht.» Wenn sich dann 500 Leute plötzlich zu einem Demonstrationszug formieren, dann müsse man die Polizisten aus dem regulären Dienst mit Schutzbekleidung usw. ausrüsten. "Wie viele das waren, legen wir aus taktischen Gründen nicht offen.»

Polizei wusste von Versammlung

Zu der Guerilla-Aktion unter dem Motto "Reclaim the Streets» wurde am Samstag unter anderem mit Flyern aufgerufen, die nach dem Fussballmatch zwischen FCZ und Xamax vor dem Letzigrund-Stadion verteilt wurden.

So bekommt auch die Polizei eine Stunde vor dem Umzug Wind von der Versammlung, wie Cortesi gegenüber "Radio 1» zugibt. Doch sie vermutet hinter der Aktion eine Party und wird von der gewalttätigen Demonstration auf dem falschen Fuss erwischt.

Chaoten bleiben vier Stunden ungestört

Die Beamten stellen sich dem Saubannerzug - zu dem neben zahlreichen Mitläufern unter anderem auch etwa 100 Linksautonome gehören - erst am anderen Ende der Langstrasse mit Tränengas und Gummischrot entgegen.

Und erst bei der Stauffacherbrücke kommt es zum Showdown. Gegen zwei Uhr löst sich der Demonstrationszug schliesslich auf. Verhaftet wird niemand.

Vier Stunden lässt die Polizei die Chaoten gewähren. Während dieser Zeit richten diese einen Sachschaden von mehreren Hunderttausend Franken an.

Jetzt sehen sich die Behörden massiver Kritik ausgesetzt. "Zuerst sinnlose brutale Verhaftungen an der Langstrasse, dann kontrollieren 45 (!) Beamte ein einziges Tram», schreibt etwa Blick.ch-Leserin Rosmarie Tobel. "Und jetzt dies: Eine Chaoten-Demo wird nicht ernst genommen und verursacht riesige Schäden.»

Polizeidepartement: "Optimum rausgeholt»

Beim Polizeidepartement der Stadt Zürich ist man zufrieden mit dem Einsatz: "Die Polizei hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Optimum rausgeholt», sagt Sprecher Reto Casanova. "Es ist das erste Mal, dass sich verschiedenste Gruppen zu so einer Demonstration zusammenschliessen.» Ob das Beispiel Schule macht, könne man noch nicht sagen.

Möchte man so einer gewalttätigen Spontan-Demo vorbeugen, "müsste man ständig 50 bis 60 Polizisten in Bereitschaft halten», sagt Casanova. "Das würde bedeuten, dass wir 200 bis 300 neue Polizisten einstellen müssten.»

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20min.ch 8.2.10

Saubannerzug

"Wollte man reden, hatte man eins in der Fresse»

von Joel Bedetti

Es war als nächtliche Street-Parade geplant - und endete als Saubannerzug, der eine Spur der Verwüstung hinterliess. Doch weshalb kam es in der Nacht auf Sonntag in Zürich zur Eskalation? Augenzeugen berichten.

"Die Stimmung war in erster Linie friedlich», sagt Fabienne D. (Name geändert), die am Samstagabend an der chaotischen "Reclaim the Streets»-Party teilnahm. Man habe feiern wollen und sich auf die illegale Street-Parade durch das nächtliche Zürich gefreut.

Das SMS hatte Fabienne wie Hunderte andere am Samstag erhalten: "RTS! reclaim the streets! heute PÜNKTLICH! 22uhr Carparkplatz Zureich Weiterleiten!» Hunderte versammelten sich am Abend auf dem Carparkplatz beim Hauptbahnhof. Viele Szenis, einige Linksautonome, Vermummte und einige FCZ-Fans. Die Organisatoren und die Mehrheit der Besucher, so scheint es, wünschten sich eine Party. Die Minderheit wünschte sich Krawall.

Tränengas am Limmatplatz

Den gab es auch: Als sich der Demonstrationszug kurz vor 2 Uhr nach Scharmützeln mit der unvorbereiteten Polizei auflöste, waren zahlreiche Gebäude mit Farbe besprüht, Schaufenster eingeschlagen und Autos demoliert worden.

Am Anfang war alles friedlich. Kurz nach zehn Uhr setzte sich der Zug vom Carparkplatz beim Hauptbahnhof in Bewegung und marschierte die Limmatstrasse hinunter. "Am Limmatplatz fingen die ersten mit den Sprayereien an», erzählt Fabienne D. Auch beim Eingang des Clubs Palais X-Tra hätten sie gesprüht. "Die Security-Leute vom Palais X-Tra setzten Tränengas ein.»

Mit Steinen und Hämmern

Fortan war der Umzug zweigeteilt. In der Mitte des Zuges habe man zur Musik getanzt, die aus den Boxen der mitfahrenden Lastwagen erschallte. An den Strassenrändern seien die Sprayer und Vandalen am Werk gewesen. "Ich habe die Randale zu Beginn fast nicht mitgekriegt», sagt Fabienne D.

Erst als der Zug nach der Langstrasse links abbog und die Stauffacherbrücke erreichte, eskalierte die Situation. "Plötzlich hörte ich Scheiben klirren», sagt Fabienne D. Schwarzgekleidete und vermummte Personen hätten Schaufenster eingeschlagen - , bewaffnet mit Wurfsteinen, Hämmern und anderem Werkzeug.

Vom Adrenalin aufgepeitscht

"Viele haben sich aufgeregt, dass Chaoten die Party kaputt machen», erzählt Fabienne D. - etwas dagegen unternommen habe fast keiner. "Die sahen in ihren schwarzen Kleidern und mit den Hämmern schon recht aggressiv aus.»

Als sie mit ihrer Freundin einigen Sprayern zugeredet habe, dass dies nicht der Sinn der Sache sei, hätten diese sie ignoriert, sagt Fabienne D. "Die sind in diesem Moment dermassen im Kick gefangen und vom Adrenalin aufgepeitscht, dass man mit denen gar nicht reden kann.»

Eins in der Fresse

Alex C. war auch am Umzug dabei. Alex C. ist überzeugt, dass die Vandalenakte kaum politisch motiviert waren. "Ich glaube, das waren dieselben Typen, die beim 1. Mai ohne politischen Hintergrund randalieren.» Natürlich hätten ebenfalls einige Linksautonome Parolen geschmiert.

Einige der Chaoten hätten wie harte Jungs ausgesehen. Alex C. hat, wie andere auch, nicht eingegriffen. "Wenn man mit denen reden will, hat man schnell eins in der Fresse.»

Normalerweise friedlich

Alex C. vermutet, dass sowohl Leute aus der Szene der illegalen Partymachern als auch Linksautonome den Umzug organisierten. Diese beiden Kreise würden sich personell überschneiden.

Fabienne D. erzählt, dass normalerweise an den illegalen Partys weniger Menschen teilnähmen, sie verliefen auch friedlicher. Im Sommer habe es zum Beispiel eine Feier unter einer Brücke gegeben. "Da ist die Polizei auch aufgekreuzt, aber weil wir gefeiert und nicht randaliert haben, hat sie uns machen lassen.»

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tagesanzeiger.ch 8.2.10

Stadtpolizei Zürich: "Einen Pikett-Dienst für Einsatzkräfte haben wir nicht»

Interview: Maria Rodriguez

Nach den schweren Ausschreitungen vom Wochenende erklärt Medienchef Marco Cortesi, warum die Polizei nicht vorbereitet war und wie er mit Steinen beworfen wurde.

Marco Cortesi, ein paar Dutzend Polizisten standen am Wochenende mehreren hundert Demonstranten gegenüber. Hat die Polizei keinen Pikettdienst für solche Fälle?

Einen Pikettdienst für Einsatzkräfte haben wir nicht. Bei uns sind nur Pikett-Offiziere, Führungskader und Fachspezialisten in einen Pikettdienst eingebunden. Unsere Angebote werden den jeweiligen Anlässen immer angepasst. Wir wussten von den Sportanlässen am Wochenende und schätzten beide als Nicht-Risiko-Spiele ein, was sich auch als richtig erwiesen hat. Selbstverständlich könnten wir auch in der Freizeit Einsatzkräfte per Telefon aufbieten. Weil diese Polizisten aber nicht auf Pikett sind, müssen sie grundsätzlich nicht erreichbar sein. Das bedeutet, dass wir in so einem Fall länger brauchen um eine grössere Anzahl Beamte mobilisieren können. Auch bei einer Katastrophe, wie einem Flugzeugabsturz, brauchen wir eine Vorlaufzeit, um genügend Einsatzkräfte vor Ort zu haben.

Zudem stellt sich eine grundsätzliche Frage: Welchen Komfort möchte der Bürger oder die Bürgerin haben in Sachen Sicherheit? Zur Bewältigung der täglich anfallenden Polizeiarbeit haben wir durchaus genügend Leute. Um aussergewöhnliche und unerwartete Grossereignisse wie dieses am Wochenende jederzeit mit genügend Leuten bewältigen zu können, bräuchten wir 200 bis 300 Polizisten mehr. Dadurch würden uns täglich 25 bis 30 Polizisten als Einsatzreserve ohne zusätzliche Aufgaben zur Verfügung stehen. Das würde jährlich aber Kosten von 3 bis 4 Millionen Franken bedeuten.

Die Demonstration hat die Polizei kalt erwischt, obwohl sie offenbar auf Facebook angekündigt wurde. Inwiefern informiert sich die Polizei auch auf solchen Internetplattformen?

Im öffentlich zugänglichen Teil von Facebook und anderen Internetforen waren und sind keine Aufrufe oder entsprechende Hinweise zu finden. Natürlich schauen wir auch solche Plattformen an. Wir haben aber keine Polizisten, die ausschliesslich im Internet recherchieren.

Bereits am FCZ-Match wurden Flyer verteilt, in denen zur Demo aufgerufen wurde. Gemäss Radio 1 gelangten solche Flyer auch in die Hände der Polizei. Warum schritt die Polizei nicht früher ein?

Die Stadtpolizei hat erst um 21.15 Uhr einen am Boden liegenden Zettel, halb so gross wie eine Visitenkarte, gefunden, mit dem Aufruf, sich beim Carparkplatz zu einem "Reclaim the Streets» zu treffen. Es gab jedoch keine Hinweise, dass eine gewalttätige Demonstration stattfinden könnte. Wegen eines solchen Zettelchens über hundert Polizisten aufzubieten, wäre unverhältnismässig und übertrieben gewesen. Der zuständige Einsatzleiter konnte aufgrund dieser Information nicht mit mehreren hundert Demonstranten rechnen.

Bei den Sprayereien nahmen die Demonstranten die Truppe "Respekt» ins Visier, welche für ihr Auftreten gegenüber Velofahrern an der Langstrasse heftig kritisiert wurde. War die Demonstration als Retour-Kutsche zu verstehen?

Die Aktion "Respekt» gibt es seit Ende November nicht mehr. Einen direkten Zusammenhang zwischen dieser Aktion und den Krawallen vom letzten Wochenende sehen wir nicht. Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass es sich hier um ein Gesellschaftsproblem handelt. Die Leute lassen ihren Frust raus. Es geht nicht direkt um die Polizei. Grundsätzlich bestehen ja keine Vorwürfe gegenüber der Polizei.

Bei der Demo wurde niemand verhaftet. Weiss man wer dahintersteckt, wer die Drahtzieher waren?

Ich möchte nicht vorgreifen und warte die Auswertungen ab. Jetzt schon lässt sich aber feststellen, dass der harte Kern aus der linksautonomen Szene stammt. Mit elektronischen Mitteln wurden die Leute aufgeboten, rund 100 gewaltbereite Chaoten wurden mobilisiert. Dazu kamen sehr viele Mitläufer. Etwa 200 bis 300 zum Teil betrunkenen Partygänger folgten den Chaoten und liessen sich teilweise leider auch zu gewalttätigen Aktionen mitreissen.

Bei den hunderten Demonstranten handelte es sich um eine Mischung von Hooligans, Partygängern und Linksautonomen. Ein Novum?

Allerdings. Das haben wir noch nie gesehen, weder von der Mischung noch von den Dimensionen her.

Krawalle sind längst nicht mehr nur ein Thema an Risiko-Sport-Anlässen und am 1. Mai. Was bedeutet dies für Ihre künftige Planung?

Wir müssen zuerst die genauen Analysen abwarten. Unsere Erkenntnisse und allfällige Massnahmen werden wir dann aber bestimmt nicht über die Medien verbreiten.

Bei jeder Demo sind Wasserwerfer im Einsatz. Warum dieses Mal nicht?

Einen Wasserwerfer kann man nicht einfach beladen und stehen lassen. Der wird erst dann bereit gestellt, wenn man ihn wirklich braucht. Zudem können diese Fahrzeuge nur von Spezialisten bedient werden. Auch hier hätte man Polizisten an ihrem freien Tag aufbieten und dann den Wasserwerfer einsatzbereit machen müssen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

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Demonstranten attackierten Polizei-Sprecher

Auch Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, wurde von den gewaltbereiten Demonstranten angegriffen. Nachdem er sich ein Bild der Situation gemacht hatte, verliess er den Demonstrationsumzug in seinem Auto.

Beim Werdplatz fuhr er aufs Trottoir um den Kommandanten ein SMS zu schreiben: "Krawallanten haben mich offenbar beobachtet, zwischen sechs und zehn Leute stürmten mein Auto. Sie warfen mit Steinen und Flaschen nach mir», so Cortesi.

Daraufhin sei er fluchtartig weggefahren. An seinem Wagen sei Schaden entstanden, er selber habe grosses Glück gehabt und sei unverletzt geblieben.

---

tagesanzeiger.ch 8.2.10
 http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Dann-hat-er-auf-mich-eingeschlagen/story/31386129 (mit Video)

"Dann hat er auf mich eingeschlagen»

Von Christoph Landolt.

Igor Zilincan musste als Videojournalist über die Krawalle berichten, als ihn Vermummte attackierten. Nun erzählt der TeleZüri-Reporter, wie er die Ausschreitungen erlebt hat.

Igor Zilincan war gerade an einer Geburtstagsparty, als er vom Chaotenzug durch Zürich hörte. Sofort packte der TeleZüri-Reporter seine Kamera und fuhr an den Stauffacher. Als erstes fielen dem Journalisten die vielen Menschen auf, die mit einer Bierdose in der Hand herumstanden. "Es war wie am 1. Mai. Man spürte die Gewalt in der Luft, die Atmosphäre knisterte vor Spannung.»

Aus der Gaffer-Menge beim Tamedia-Haus an der Werdstrasse löste sich ein Mann mit Kaputze und begann, die Gegensprechanlage mit einer Stange zu traktieren. Er habe versucht, sich ein Bild der Ereignisse zu machen, erinnert sich Zilincan. Dann habe er die Kamera eingeschaltet. "Sofort kam ein Vermummter auf mich zu, der gefragt hat, wen ich filme.» Der TeleZüri-Mann erwiderte, dass er über die Krawalle berichten müsse. "Dann hat er mich mit Fusstritten traktiert und mit den Fäusten auf mich eingeschlagen.» Ein anderer Chaot bedrohte den Journalisten, während er versuchte, sich mit der Kamera zu schützen und wegzurennen. "Sie haben versucht, mich von der Seite umzureissen.»

Gesundheit geht vor

Mit der Kamera in der Hand und der Tasche auf dem Rücken hatte Zilincan es schwer, den Angriff zu parieren. "Als Video-Journalist ist man sehr exponiert. Man sieht nicht, was von der Seite und was von hinten kommt», erklärt Zilincan. Deshalb habe er sich zurückgezogen und die Zerstörungswut der Chaoten aus der Ferne beobachtet. "Es ist mein Beruf, über das aktuelle Geschehen zu berichten. Aber die eigene Gesundheit geht vor.»

Welche Gruppierung am Anfang der Zerstörungen steht, kann Zilincan nicht beurteilen. Begonnen habe wohl alles mit einer Reclaim-the-Streets-Party. "Das hat sich dann aber mit der linksautonomen Szene vermischt. Und man konnte auch viele FCZ-Schals sehen.» Nachdem es der Polizei bei der Börse gelungen ist, den Zug der Zerstörung zu stoppen, marschierten die Chaoten zurück in die Langstrasse. "Um etwa 1 Uhr war alles zu Ende. Bei der Longstreet-Bar haben sich die Krawallmacher wieder unter das Ausgangspublikum gemischt.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

---

tagesanzeiger.ch 8.2.10

Demonstranten feiern sich auf Youtube

Während die Betroffenen die Scherben zusammenwischen, rätselt die Polizei über den Hintergrund des Saubannerzuges vom Samstag. Auf Youtube ist nun zu sehen, wie alles begann.

Auf Youtube tauchen erste Filme der Krawalle auf, bei denen 400 bis 500 Linksautonome und Mitläufer Sachschäden von mehreren 100'000 Franken verursacht haben. Ein Film zeigt, dass die Veranstaltung wenigstens zeitweise einen friedlichen Charakter hatte: Wummernde Bässe dröhnen aus einer mitgebrachten Musikanlage, zahlreiche Menschen stehen herum, wippen ihre Köpfe und trinken Bier aus Büchsen. Beobachter schildern ausserdem, dass die Teilnehmer an der Spitze des Zuges zwei Wagen gezogen haben, die liebevoll dekoriert gewesen seien.

In SMS und kleinen Flyern wurde zu einem "Reclaim-the-Streets» aufgerufen, einer Aktionsform, bei der es typischerweise nicht um Gewalt geht, sondern darum, den öffentlichen Raum zu erobern. Vergleichbare Demonstrationsformen sind etwa "Critical Mass», bei denen eine grosse Anzahl Velofahrer durch Strassen fahren, die üblicherweise vom motorisierten Verkehr beherrscht werden. Auch auf einem Transparent, dass am Samstag an der Demonstration gezeigt wurde, prangte die Aufschrift: "Reclaim the Streets».

Warum der Umzug allerdings aus dem Ruder lief, ist unklar. Teilnehmer erklärten einem Beobachter, dass sich "Kindsköpfe» unter die Teilnehmer gemischt hätten und die Krawalle losgetreten hätten. (fsc)

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tagesanzeiger.ch 8.2.10

Jetzt fordern selbst linke Politiker: "Es braucht mehr Polizisten»

Von René Donzé.

Nach dem Saubannerzug vom Wochenende sind sich Politiker von links nach rechts einig: Die Polizei muss gestärkt werden.

"Wir mussten uns mit Schadensbegrenzung begnügen», sagt der Medienchef der Stadtpolizei Marco Cortesi nach den jüngsten Krawallen. Die Polizei war überrumpelt. Um einer solchen spontanen Demonstration jederzeit Herr zu werden, bräuchte es viel grösserere personelle Ressourcen.

Genau das fordern Politiker von links bis rechts in ersten Stellungnahmen. SVP-Gemeinderat Mauro Tuena sagte: "Wir müssen mehr Geld für Sicherheit in der Stadt ausgeben.» Die Bürgerlichen hätten darum im Budget 2010 einen Ausbau der Stadtpolizei um 15 Stellen gefordert (1,8 Millionen Franken), seien aber an Grünen und SP gescheitert.

Für Urs Egger (FDP) muss an Wochenenden mehr Polizei im Einsatz stehen. "Es braucht Präsenz an neuralgischen Orten.» Selbst Claudia Nielsen (SP) will prüfen, ob der Wochenenddienst der Polizei ausgebaut werden müsste. "Es darf aber nicht zu Lasten der anderen Dienste gehen.» Es brauche mehr Polizisten. Die Budgetdebatte sei damals einfach nicht der richtige Zeitpunkt für eine solche Diskussion gewesen.

Nielsen ist "gespannt auf die Erklärungen der Polizei, weshalb es zu keinen Verhaftungen gekommen ist.» Verantwortlich für den Einsatz sei der Kommandant und nicht Polizeivorsteherin Esther Maurer (SP), nimmt Nielsen ihre Parteikollegin in Schutz. Diese war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Einig sind sich die drei Zürcher Stadtratskandidaten auch darin, dass der Saubannerzug vom Samstag nicht als eigentliche Demonstration bezeichnet werden kann. Dazu hätte eine politische Aussage gehört. Doch eine solche liessen die jungen Chaoten völlig vermissen. (Tages-Anzeiger)

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20min.ch 8.2.10

Schwere Krawalle in Zürich

Urheber bleiben weiterhin unklar

Keine politische Aussage, dafür eine Spur der Verwüstung: Die unbewilligte Demo in der Nacht auf Sonntag hat die Polizei überrumpelt, machtlos musste sie der Zerstörung zusehen. Nun fordern erste Politiker mehr Polizei an den Wochenenden. Von den Urhebern der Demo fehlt derweil weiterhin jede Spur.

Eingeschlagene Scheiben, zertrümmerte Schaufenster, vollgesprayte Hausfassaden: Die Woche begann für zahlreiche Unternehmer in den Stadtkreisen 4 und 5 in Zürich mit Aufräumarbeiten. Die Krawalle von Samstagnacht hinterliessen eine Spur der Verwüstung. Mehrere Hunderttausend Franken betragen die Schäden der 400 bis 500 "Demonstranten» gemäss ersten Schätzungen. "Gut möglich, dass im Verlauf des Montags weitere Schäden gemeldet werden», sagt Jüdith Hödl, Sprecherin der Stadtpolizei Zürich.

Worum es den Demonstranten ging, ist weiterhin unklar. Auch zwei Tage nach den Ausschreitungen fehlt jede Spur einer Begründung oder eine politische Aussage. Die Polizei hat weder ein Bekennerschreiben erhalten, noch gibt es Anzeichen auf die Urheber der Kundgebung. Zahlreiche Sprayereien sind mit Bezug aufs Weltwirtschaftsforum WEF, den 1. Mai und den Kapitalismus generell hinterlassen worden. Auf der Internetsite antifa.org findet sich ein Aufruf zu weltweiten Demonstrationen am 6. Februar. Protestiert werden solle gegen eine neue Weltordnung und das faschistische Regime. "Wir klagen unsere Politiker für die begangenen Verbrechen an», heisst es weiter. Nebst rund 100 Personen aus der linksautonomen Szene haben sich aber rund 400 weitere Personen dem Demozug angeschlossen, wie die Polizei mitteilte. "Es wurde einfach gegen alles protestiert», sagte Cortesi noch am Samstag.

Polizei musste machtlos zu sehen

Für die Stadtpolizei war es ein düsteres Wochenende. Fast machtlos mussten sie beobachten, wie sich die Gruppe von Chaoten am Samstagabend gegen 22 Uhr beim Carparkplatz in der Nähe des Hauptbahnhofes spontan versammelte. Die Gruppe formierte sich zu einem "äusserst militanten Demozug» und zog durch die beiden Stadtkreise 4 und 5. Erst an der Stauffacherbrücke konnte die Polizei die "Kundgebung» stoppen, wobei es zu einer heftigen Auseinadersetzungen zwischen Polizei und den Chaoten kam.

Politiker: "Es braucht mehr Polizei und mehr Geld»

"Die Demonstration hat die Polizei überrascht», sagte Polizeisprecher Cortesi. Es habe keine entsprechenden Hinweise gegeben. Um auf die spontane Kundgebung zu reagieren, fehlten der Polizei die Einsatzkräfte. "Es stellt sich nun die Frage, ob es künftig nötig sein wird, übers Wochenende regelmässig 40 bis 50 Leute in Reserve zu haben», sagte Cortesi. Aktuell habe man dafür die Mittel nicht. Man müsse und werde sich aber entsprechende Gedanken machen, sagte Cortesi. Unterstützung erhält seine Überlegung nun von Politikern von links bis rechts.

SVP-Gemeinderat Mauro Tuena fordert im "Tages-Anzeiger» vom Montag, "mehr Geld für die Sicherheit in der Stadt». Derweil fordert Urs Egger (FDP) mehr Polizei an den Wochenende. "Es braucht Präsenz an neuroalgsichen Orten.» Aber nicht nur die Bürgerlichen fordern mehr Polizei und mehr Geld. Claudia Nielsen von der SP will prüfen, ob der Wochenenddienst der Polizei ausgebaut werden müsste. Es dürfe aber nicht zu Lasten der anderen Dienste gehen. Für Nielsen scheint aber klar, es braucht mehr Polizisten, so Nielsen im "Tagi».
(amc)

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Tagesanzeiger 8.2.10

Neue Art von Demo: Politiker fordern mehr Polizisten für die Stadt Zürich

Linksautonome und junge Mitläufer haben einen riesigen Schaden angerichtet. Die Polizei war überrumpelt.

Von René Donzé

Einen Schaden von mehreren Hunderttausend Franken haben die rund 400 bis 500 vornehmlich jungen Demonstranten in den Zürcher Kreisen 4 und 5 am Sonntag früh verursacht. Die unbewilligte Aktion hat die Polizei überrascht. "Es gab keine Anzeichen dafür», sagte Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei.

Aufgerufen wurde spontan mit kleinen Handzetteln nach dem Fussball-match FCZ-Xamax, sowie via Facebook und SMS. Der Polizei habe lediglich der reguläre Dienst zur Verfügung gestanden, erklärt Cortesi. Deshalb sei es ihr auch nicht möglich gewesen, den Saubannerzug im Keime zu ersticken und damit den riesigen Schaden zu verhindern. Festnahmen seien unter diesen Umständen nicht möglich gewesen. "Wir mussten uns mit Schadensbegrenzung begnügen.» Um einer solchen spontanen Demonstration jederzeit Herr zu werden, bräuchte es viel grösserere personelle Ressourcen.

Genau das fordern Politiker von links bis rechts in ersten Stellungnahmen. SVP-Gemeinderat Mauro Tuena sagte: "Wir müssen mehr Geld für Sicherheit in der Stadt ausgeben.» Die Bürgerlichen hätten darum im Budget 2010 einen Ausbau der Stadtpolizei um 15 Stellen gefordert (1,8 Millionen Franken), seien aber an Grünen und SP gescheitert. Für Urs Egger (FDP) muss an Wochenenden mehr Polizei im Einsatz stehen. "Es braucht Präsenz an neuralgischen Orten.» Selbst Claudia Nielsen (SP) will prüfen, ob der Wochenenddienst der Polizei ausgebaut werden müsste. "Es darf aber nicht zu Lasten der anderen Dienste gehen.» Es brauche mehr Polizisten. Die Budgetdebatte sei damals einfach nicht der richtige Zeitpunkt für eine solche Diskussion gewesen.

Nielsen ist "gespannt auf die Erklärungen der Polizei, weshalb es zu keinen Verhaftungen gekommen ist.» Verantwortlich für den Einsatz sei der Kommandant und nicht Polizeivorsteherin Esther Maurer (SP), nimmt Nielsen ihre Parteikollegin in Schutz. Diese war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Einig sind sich die drei Zürcher Stadtratskandidaten auch darin, dass der Saubannerzug vom Samstag nicht als eigentliche Demonstration bezeichnet werden kann. Dazu hätte eine politische Aussage gehört. Doch eine solche liessen die jungen Chaoten völlig vermissen.

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Junge Partygänger und Autonome richteten riesigen Schaden an

Der Demonstrationszug am Samstag hat die Polizei kalt erwischt. Viele Chaoten randalierten aus Langeweile.

Von René Donzé

Zürich - Ein "völlig neues Phänomen» nannte Stadtpolizeisprecher Marco Cortesi den Chaotenzug durch die Zürcher Stadtkreise 4 und 5 am Tag danach. Damit meinte er die Mischung von Linksautonomen, Hooligans und Partygängern, die sich spontan zu einem Saubannerzug ohne politischen Inhalt formierte. Die meisten von ihnen glaubten offenbar zunächst, dass eine Party auf dem Carparkplatz beim Hauptbahnhof Zürich steigen sollte. Mehrere Hundert Personen fanden sich dort am Samstagabend gegen 22 Uhr ein. Sie waren auf verschiedenen Kanälen mobilisiert worden: Linksautonome hatten nach dem Fussballspiel FCZ gegen Xamax kleine Handzettel verteilt. Ein Grossteil war jedoch via Facebook und Handy auf den Anlass aufmerksam gemacht worden.

Gegen USA und Sexismus

Die Stadtpolizei war völlig überrumpelt. Es habe keine Anzeichen für eine derart gewalttätige Aktion gegeben, sagt Cortesi. Statt einer Party auf dem Parkplatz kam es zu einem Saubannerzug durch die Stadt. Rund 400 bis 500 Personen marschierten via Limmatplatz und Langstrasse zum Helvetiaplatz und dann zum Stauffacher. Unterwegs schmissen die Chaoten Schaufenster ein, demolierten Autos, rissen Jalousien herunter und versprayten Wände. Allein am Gebäude der Tamedia, die auch den "Tages-Anzeiger» herausgibt, beläuft sich der Sachschaden auf gegen eine Viertelmillion Franken. Die Polizei gehe von "mehreren Hunderttausend Franken Schaden» aus, sagt Cortesi, dessen Dienstfahrzeug ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Auch der Reporter von TeleZüri wurde tätlich angegriffen. Das Restaurant Hooters an der Langstrasse wurde mit Steinen und Schuhen beworfen, die Gäste mussten durch den Notausgang flüchten. An den Scheiben eines McDonald's sprayten die Randalierer "Down USA», auf eine Hauswand "gegen Sexismus». Bei einem Heimelektronik-Händler am Stauffacher gingen grosse Flachbildschirme im Wert von mehreren Zehntausend Franken in die Brüche. Die Spur der Verwüstung war riesig - viel grösser als nach den letzten Ausschreitungen zum 1. Mai.

Niemand wurde verhaftet

Erst bei der Stauffacherbrücke gelang es der Polizei, den Zug zu stoppen. Der Übermacht von rund 500 Chaoten standen lediglich ein paar Dutzend Polizisten gegenüber. Mitglieder des Schwarzen Blocks und einige FCZ-Hooligans schossen mit Leuchtkörpern, Steinen und Flaschen auf die Polizisten. Diese reagierten mit Gummischrot und Tränengas. Bei den Scharmützeln wurde ein Polizist am Arm verletzt.

Weil die Stadtpolizei keine Hinweise auf die Demonstration gehabt hatte, konnte sie nur jene Polizisten einsetzen, die ohnehin im Dienst waren. Verstärkt wurden sie durch Kantonspolizisten, die neuralgische Stellen schützten. Die Polizei übte sich in Schadensbegrenzung und konnte verhindern, dass der Zug in die Innenstadt gelangte. Verhaftet wurde niemand. Festnahmen sind laut Cortesi nur sinnvoll, wenn die Polizei den Festgenommenen auch Taten nachweisen kann, die zu Verurteilungen führen. Für die Beweisaufnahme habe es an Polizisten gefehlt. Bereits am Sonntag übten die SVP und Leser von Online-Portalen Kritik am geringen Polizeiaufgebot. Wollte man jederzeit auf ein solches Ereignis vorbereitet sein, müsste das Kontingent an Diensthabenden massiv aufgestockt werden, sagt Cortesi.

Viele waren betrunken

Wer hinter der Aktion stand, weiss die Polizei zurzeit noch nicht. Sie geht davon aus, dass nur rund 100 Personen der linksautonomen Szene zuzurechnen sind. Auch rund 50 Hooligans haben sich daruntergemischt. Der überaus grösste Teil der Demonstranten indes bestand aus jungen Mitläufern. "Viele von ihnen standen offenbar unter massivem Alkoholeinfluss», sagt Cortesi.

Zuvorderst trugen die Chaoten ein 10 Meter breites Kunststoff-Transparent mit dem Schriftzug "Reclaim the Streets». Diese Bewegung wehrt sich gegen mehr Regeln und Restriktionen im öffentlichen Raum. Sie hat verschiedentlich in Städten Strassen-Tanzpartys durchgeführt - oft friedlich. In Zürich war es jedoch bereits 2003 zu heftigen Ausschreitungen mit Polizeieinsatz gekommen. Damals betrug der Sachschaden 80 000 Franken.

Hinter dem Transparent folgten zwei Wagen, wie sie auch an der Fasnacht gezogen werden: Einer stellte einen weissen Polizeiwagen dar - der andere ein Häuschen. Ein Beobachter rechnet einen Teil der Demonstranten den Hausbesetzern an der Kalkbreite zu. Diese haben ein Ultimatum der Stadt erhalten, die Liegenschaft bis 12. März zu räumen, da dort eine Genossenschaft Wohnraum erstellen will.

Nachdem die Polizei den randalierenden Zug an der Stauffacherbrücke gestoppt hatte, verzogen sich einige Chaoten wieder zurück ins Nachtleben. Auf dem Rückzug war die Demonstrantengruppe bereits geschrumpft.

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"Bekennerschreiben»

Aus Schaden wird ein Demonstrant klug, wenn auch zu spät.

Selbst Chaoten können sich nicht dem Zeitgeist entziehen: Während Politiker beim Thema "Bankgeheimnis» auf Distanz zu ihren früheren Positionen und ihrer Partei gehen, hat sich auch ein Demonstrant von seinen Kumpanen geistig abgesetzt. Ob aufrichtig oder im Jux, lässt sich nicht eruieren. Bei einer ZKB-Filiale schrieb er auf die eingeschlagene Scheibe: "Ich finde die ZKB ist eine gute Bank und möchte mich als Mitläufer für das hier entschuldigen.» In der Urfassung fand er die ZKB noch "keine schlechte» Bank. Texte lassen sich einfacher reparieren als kaputte Scheiben. (adb.)

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NZZ 8.2.10

Zerstörung aus heiterem Himmel

Grosser Sachschaden nach heftigen Ausschreitungen in Zürich

Einige hundert Personen haben in der Nacht auf Sonntag bei einer unbewilligten Demonstration in Zürich einen Schaden von mehreren hunderttausend Franken angerichtet.

-yr. ⋅ Am Samstagabend um 22 Uhr versammelten sich auf dem Carparkplatz hinter dem Zürcher Hauptbahnhof etwa hundert weitgehend vermummte Personen, die von der Stadtpolizei Zürich der linksautonomen Szene zugerechnet werden. Sie zogen wenig später in Richtung Limmatplatz und fielen von Anfang an durch eine enorm hohe Gewaltbereitschaft auf. Sie versprayten Hausfassaden und beschädigten Autos, Restaurants oder Geschäftslokale. Die Spur der Verwüstung zieht sich weiter durch die Lang- und die Badenerstrasse in Richtung Stauffacher.

Der Demonstration, die zum Saubannerzug mutierte, schlossen sich Fussballfans und alkoholisierte Partygänger an, so dass die Gruppierung auf vier- bis fünfhundert Personen anwuchs. Die Stadtpolizei Zürich hatte im Vorfeld keine Hinweise auf die Demo und war überrumpelt, wie deren Sprecher Marco Cortesi sagte. Eilends seien die diensthabenden Polizisten für den unfriedlichen Ordnungsdienst umgerüstet worden. Gegen Mitternacht wurde auf der Stauffacherbrücke der gewaltbereiten Menge mit dem Einsatz von Tränengas und Gummischrot erstmals Paroli geboten. Dies hatte zur Folge, dass das Glasgebäude des Medienverlags Tamedia von den Krawallanten unter Beschuss genommen wurde. Allein Tamedia meldete tags darauf einen Sachschaden von rund 250 000 Franken.

Parolen waren kaum zu hören oder zu sehen. Auch in den einschlägigen Internetforen gab es am Sonntag keine Hinweise auf die Urheberschaft der Demo. Am ehesten erinnert die Aktion an "reclaim the streets», eine Organisation, die sich für die "Rückeroberung» der Strassen einsetzt. Ihre Kundgebungen sind in den vergangenen Jahren aber oftmals in Gewalt ausgeartet.

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Blick 8.2.10

150 zogen durch die Stadt

Chaoten-Randale in Zürich

Von Martin Meier

Ihr Vergnügen ist Zerstörung. Da kommt den Vandalen der Medienchef der Stadtpolizei gerade recht.

Der unbewilligte Demonstrationszug formiert sich am Samstag gegen 22 Uhr auf dem Carparkplatz hinter dem Zürcher Hauptbahnhof. Die rund 500 Personen ziehen Richtung Limmatplatz. Darunter 150 linksautonome Chaoten.

Noch vor dem Limmatplatz kommt es zu ersten Gewaltexzessen. Hausfassaden werden verschmiert, Autos beschädigt. In der Langstrasse bewerfen die Demonstranten den McDonald's mit Steinen und Flaschen.

Der Saubannerzug zieht Richtung Helvetiaplatz. Es ist kurz nach 23 Uhr. "Da knallte es plötzlich», sagt Lesvy Gattorno (35), Geschäftsführer von Hooters. "Ich dachte zuerst, da schiesst jemand mit einer Pistole ins Restaurant.» Dann seien aber minutenlang Steine und Flaschen ins Lokal geflogen. "Ich habe geweint, als ich mir die Scherbenhaufen ansah», erzählt Serviertochter Laura (19).

Beim Werdplatz entdecken die Chaoten Marco Cortesi, den Medienchef der Stadtpolizei. Die Horde bombardiert sein Polizeiauto mit Flaschen und Steinen. Ein Stein landet durch die Scheibe auf dem Beifahrersitz des VW Golf. Cortesi gibt Vollgas und kann dem Mob entkommen.

Auf der Höhe der Stauffacherbrücke kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die setzt Gummischrot und Tränengas ein. Erst gegen zwei Uhr blasen die Chaoten zum Rückzug. Der Krawall löst sich auf. Zurück bleiben mehrere Hunderttausend Franken Sachschaden.

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20 Minuten 8.2.10

Krawallnacht: Polizei hatte viel zu wenig Leute vor Ort

ZÜRICH. Sie kamen quasi aus dem Nichts: Gegen 500 Chaoten zogen am Samstagabend in blinder Zerstörungswut durch die Kreise 4 und 5 - die Polizei wurde kalt erwischt.

Per SMS-Aufruf und offenbar auch mit Flugblättern schaffte es am späten Samstagabend ein Kreis militanter Aktivisten, in Windeseile rund 500 Gleichgesinnte zusammenzutrommeln. "Es ist erschreckend, wie viele gewaltbereite Leute innert kürzester Zeit mobilisiert werden konnten», sagt Stapo-Medienchef Marco Cortesi. Vom Carparkplatz am Sihlquai starteten die Chaoten nach 22 Uhr ihre Krawalldemo via Limmat- und Langstrasse durch die Kreise 4 und 5. Mit Schriftzügen wie "Eat the Rich» oder "Aktion Respekt: Payback» besprayten sie Autos und Fassaden. Weiter zertrümmerten sie zahlreiche Fensterscheiben, etwa beim SP-Parteisekretariat, dem Hooters sowie am Tamedia-Glashaus. Die Schäden sind immens: Allein am Tamedia-Gebäude müssen Scheiben im Wert von 250 000 Franken ersetzt werden.

Auf Höhe Stauffacherbrücke eskalierte die Situation vollends. Mit Steinen und Flaschen bewarf der Mob die inzwischen angerückten Polizisten. Diesen gelang es nur mittels Gummischrot und Reizstoff, die Chaoten einigermassen in Schach zu halten. Dabei wurde ein Polizist am Arm verletzt. "Wir sind von dieser Demonstration überrascht worden», erklärt Cortesi. "Es gab null Hinweise im Vorfeld.» Verhaftet wurde niemand, dafür hatte die Polizei schlicht zu wenig Leute vor Ort. "Es stellt sich die Frage, ob wir an jedem Tag 50 Leute in Reserve haben müssen», sagt Cortesi. Im Moment seien dafür allerdings keine Mittel vorhanden.

Raffaela Moresi


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