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 :: Arzt erspart US-Soldiers den Irak-Einsatz durch Erschiessen ::
06-11-2009 16:37
AutorIn : Häberli
Auf der grössten US-amerikanischen Militärbasis Fort Hood erschoss der jordanische Psychiater Nidal Malik Hasan, welcher dort post-traumatisierte Irak-Rückkehrer behandelt hatte, 13 Personen, die meisten darunter Soldaten, die kurz vor dem Abflug zu einem Irak-Einsatz standen. Hasan selber hätte auch gleich in den Irak gemusst.
Der Amoklauf signalisiert die Dramatik und Verzweiflung, welcher kriegsverpflichtete Amerikaner ausgesetzt sind. Wie die meisten dem Krieg – bzw. dem Tod – Geweihten wurde auch der Arzt und Psychiater Hasan gegen seinen ausdrücklichen Willen in den Irak aufgeboten. Da er aber die Kriegs-Erlebnisse, wie sie sich bei erkrankten Irak-Rückkehrern ergeben schon kennt, wusste er auch, was ihm damit selber blüht.

Möglicherweise ist der Einsatz eines arabischen Arztes bei US-Soldiers, die den muslimisch besetzten mittleren Osten mit amerikanischer Kriegsführung und mit Drohnen-Massenvernichtungswaffen aufsuchen, nicht gerade das Gelbe vom Ei. Auch das taffe Schweizer Militär kennt immer mehr muslimische Nachwuchssoldaten. Dies führt u.a. zur Frage, ob damit nicht auch geeignete Imame als Feldprediger geradezu zwingend in „unsere“ Armee aufgenommen werden sollten. So könnten Massaker wie dasjenige von Fort Hood ev. verhindert, oder in ihren Auswirkungen abgesoftet werden.

Da der im Solde der Amis stehende Militär-Psychiater nicht seine Patienten, nämlich traumatisierte Irak-Veteranen erschoss, sondern „frische“ Soldaten, denen durch den Einsatz im Irak ein ähnliches Schicksal zu bevorstehen droht, drängen sich weitere Überlegungen auf: Wollte der Kriegsleid-erfahrene Arzt die Frischlinge vor einem möglichen schleichenden und qualvoll zu ertragenden Ende bewahren, indem er sie möglichst schmerzfrei erschoss? Oder wird wieder einmal die Mär hervor geholt, der Killer hätte „über Kontakte zu Al Qaida verfügt“? Immerhin bezeichnet er sich selber als Palästinenser. Da ist der Weg zur Al Qaida für einfache Gemüter (viele Politiker, Journis etc.) ja nicht mehr sehr weit.

Weltweit erheben sich viele Stimmen, welche den westlichen Aggressoren eine ähnliche Schmach wie etwa im Vietnamkrieg voraussagen. Alle Ereignisse und Meldungen aus den Kriegsgebieten im Irak, in Afghanistan, Pakistan, demnächst auch in Persien etc. deuten darauf hin, dass mit noch so hochgerüstetem Kriegsgeschirr wenig auszurichten ist gegen Millionen von Menschen, die ihre Heimat verständlicherweise verteidigen wollen. Die alte imperialistische Eroberungs-Formel führt auch in den aktuell ausgetragenen Invasionskriegen kaum zum Ziel.

Dabei ist unerheblich, ob die Kultur der Eindringliche, oder jene der Überfallenen ethisch-moralisch, sozial-reformatorisch oder sonstwie „überlegen“ ist. Was einzig zählt ist die praktisch und tausendfach belegte Aussichtslosigkeit, Menschen aus einer angestammten Heimat und tradierten kulturellen Verbundenheit zu verjagen. Weder die Habsburger, noch die Hunnen oder die Russen haben dies jemals irgendwo geschafft. Selbst die Amis und die Australier bezahlen noch heute nachhaltig für frühere Ausrottungskriege gegen Indianer bzw. Aborigines. Auch den Israelis bleibt eines mit Sicherheit gewiss, nämlich die Glut unter ihren Füssen auf dem Land, das sie unrechtmässig besetzen.

Fort Dale kam schon früher mit deftigen Amokläufen zu Ehren: Bereits 1991 erschoss ein Rückkehrer in einem Cafè, in das er zuvor mit einem Pickup hineinfuhr, 23 Menschen, und danach sich selbst. Nur tat er dies in praktischer Fortsetzung seines Auftrags im Kriegsgebiet, während Hasan schon im Vorfeld seines vorgesehenen Einsatzes tägig wurde. Der Krieg sandte damit seine schrecklichen Schatten schon voraus.

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  Er hantierte mit einer FN 5.7 - genannt «Cop-Killer»
07.11.2009 11:50  
Bei seinem Amoklauf benutzte Hasan eine schwerkalibrige Handfeuerwaffe, die er legal in einem Waffengeschäft in Killeen/Texas erwarb, teilten die Behörden mit. Die FN 5.7 wird wegen ihrer Fähigkeit, mit spezieller Munition sogar schusssichere Westen durchschlagen zu können, auch «Cop-Killer» genannt.

Amokläufe von Menschen in Uniform - eine Aufzählung in 10 Akten:

15. März 2005: Fahnenflüchtige im russischen Gebiet Tschita an der Grenze zu China töten bei einem Amoklauf sechs Menschen. Die vier Grenzsoldaten hatten zunächst in ihrer Kaserne drei Offiziere erschossen. Auf der Flucht töten sie noch drei Polizisten. Auch einer der Täter kommt ums Leben.

11. April 2004: Ein Wachpolizist der Truppen des russischen Innenministeriums erschiesst in seiner Kaserne in der Teilrepublik Dagestan im Kaukasus zwei Kameraden. Ein dritter Soldat wird schwer verletzt. Nur zwei Tage zuvor hatte ein betrunkener Grenzsoldat in Dagestan im Streit vier Kameraden erschossen.

5. Februar 2002: Bei der Flucht von zwei Deserteuren in der russischen Teilrepublik Tatarstan an der Wolga sterben acht Menschen. Der Unteroffizier und der Wehrpflichtige eröffnen bei der Verfolgungsjagd mehrfach das Feuer aus Maschinenpistolen. Ihre Opfer – neben Polizisten auch Unbeteiligte – werden durch eingeübte Kopfschüsse umgebracht.

25. November 2001: In einer US-Kaserne im deutschen Mannheim erschiesst ein amerikanischer Soldaten einen Kameraden. Drei weitere Soldaten werden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

14. Juli 2000: Drei Deserteure der armenischen Streitkräfte töten auf ihrer Flucht acht Menschen. Neben Polizisten und Soldaten werden auch zwei Autoinsassen erschossen, als die Amokläufer deren Wagen rauben.

16. September 1999: Ein schwarzer südafrikanischer Leutnant erschiesst in einer Kaserne in Bloemfontein sechs weisse Kameraden und eine Zivilangestellte der Armee. Fünf weitere Soldaten werden verletzt. Der Täter war auf dem Militärgelände von Gebäude zu Gebäude gegangen und hatte vor allem auf Offiziere gefeuert. Nicht nachgesagt werden darf ihm Rassismus, nur weil ihm während seines Amoks kein schwarzer Offizier vor die Linse trat.

28. November 1998: Ein Soldat der iranischen Luftwaffe erschiesst in Teheran 14 Menschen. Der Soldat war einige Tage zuvor aus seiner Kaserne geflohen. Motiv für die Bluttat war möglicherweise eine zuvor erfolgte Verurteilung seiner Eltern.

2. Juni 1997: Ein Soldat der russischen Truppen in der abtrünnigen georgischen Region Abchasien erschiesst bei einer Wachablösung neun Kameraden und den Kommandeur der Einheit. Als ein Wachsoldat die Waffe auf ihn richtet, nimmt sich der Amokläufer das Leben.

10. Oktober 1990: Mit einem Schnellfeuergewehr erschiesst ein US- Soldat in Erlangen den Küchenchef der dortigen US-Kaserne. Anschliessend verletzt er einen Kameraden und schiesst sich eine Kugel in den Kopf. Vermutlich war das Essen ungeniessbar. Wer sein Leben für den Job einsetzt und Trauma samt Invalidität oder den vorzeitigen Eintritt des Todes riskiert, will wenigstens gut gegessen haben.

Spiegel Online listet sogar 29 Fälle auf
 http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,612556,00.html

Kommentar: Die Beispiele zeigen deutlich, dass Offiziere überproportional oft ins Visier geraten, obwohl sie einen sauberen Job machen. Womöglich empfiehlt sich in Zukunft, jedem Offizier ein Quartett oder Sixpack an bewaffneten Militärpolizisten beizustellen. Da der Tod gewöhnlicher Soldaten eher zwischen den Spalten der Medien hindurch flutscht als derjenige eines gestandenen Offiziers, würde dadurch Armee-schädlicher übermässiger Publizität gewehrt.


AutorIn: Kimberly Mulney
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