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 :: Lobgesänge an Faschisten im Cabaret Voltaire ::
 Themen | Antifaschismus 03-11-2009 04:08
AutorIn : antifaschistische aktion

Am Abend des 3. November wird im Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1
eine Produktion anlässlich des 100. Jahrestages des futuristischen
Manifests aufgeführt. Die Veranstaltung vom 3. November, die auch vom
Italienischen Kulturinstitut und dem romanischen Seminar der Uni Zürich
unterstützt wird, soll nicht etwa eine kritische Auseinandersetzung mit
dem futuristischen Manifest, sondern lediglich eine Jubiläumsfeier
werden. Das Cabaret Voltaire reproduziert somit Inhalte einer
Kunstströmung faschistischen Gedankenguts!
Lobgesänge an Faschisten im Cabaret Voltaire

Am Abend des 3. November wird im Cabaret Voltaire an der Spiegelgasse 1
eine Produktion anlässlich des 100. Jahrestages des futuristischen
Manifests aufgeführt. Die Veranstaltung vom 3. November, die auch vom
Italienischen Kulturinstitut und dem romanischen Seminar der Uni Zürich
unterstützt wird, soll nicht etwa eine kritische Auseinandersetzung mit
dem futuristischen Manifest, sondern lediglich eine Jubiläumsfeier
werden. Das Cabaret Voltaire reproduziert somit Inhalte einer
Kunstströmung faschistischen Gedankenguts!

Futurismus als kultureller Präfaschismus
In der faschistischen Ideologie spielten nicht nur politisch-
philosophische Aspekte eine wichtige Rolle. Auch die Kultur sollte ihren
Anteil zu einer patriotischen, militarisierten und starken Gesellschaft
beitragen. Die futuristischen Künstler Italiens propagierten anfangs
des 20.Jahrhunderts eine Kulturrevolution und wollten so eine
Vormachtstellung Italiens erlangen. 1909 verfasste Filippo Tommaso
Marinetti das futuristische Manifest, in welchem er nicht nur Ansprüche
an die „wahre“ Kunst ausformulierte, sondern vielmehr auch ein klares
Gesellschaftsbild zeichnete. So halten die Futuristen programmatisch
fest: „Schönheit gib es nur noch im Kampf“ und „Wir wollen den Krieg
verherrlichen- diese einzige Hygiene der Welt-, den Militarismus, den
Patriotismus...und die Verachtung des Weibes“ und weiter „Wir wollen die
Museen und Bibliotheken...zerstören und gegen den Moralismus und
Feminismus...kämpfen.“
Es ist also nicht schwer zu erkennen, dass viele faschistische
Kulturideale bereits im Futurismus vereinigt und im futuristischen
Manifest niedergeschrieben wurden. So ist der Futurismus ein wichtiger
kultureller Teil des Präfaschismus und Wegbereiter für faschistische Ideen.

Revolution statt einer kriegerischen Gesellschaft des Kapitalismus, des
Patriotismus und der Frauenfeindlichkeit
Das Cabaret Voltaire, die Geburtsstätte des Dadaismus, hat sich selbst
die Aufgabe gestellt „relevante Fragen von Kultur und Gesellschaft
aufgreifen und so in die Zukunft verweisen.“ Jedoch sind Fragen, die
durch das faschistoide Manifest der Futuristen aufgeworfen werden weder
für die Kultur, noch für die Gesellschaft von Aktualität oder Relevanz.
Gesellschaftsbilder, die aus diesen Idealen gezogen werden können,
kennen wir schon zu gut und können keinesfalls zukunftsweisend sein.
Wir stellen den Forderungen der Futuristen eine Gesellschaft ohne
Nationen und Klassen entgegen. Denn nur durch sie ist es möglich, die
von den Futuristen propagierten Hierarchien zu überwinden.

Keine Gedenkfeiern für Faschisten, auch nicht von Dadaisten!
Für eine Gesellschaft frei von Nationen und Klassen!
 :: 3 Inhaltliche Ergänzungen : > Ergänze diesen Artikel (.onion )
  ja, aber...
03.11.2009 12:58  
...selbstverständlich waren die futuristen glühende anhänger mussolinis, zumindest ein grosser teil davon, und das manifest ist aus anarchistischer perspektive wohl auch in einigen punkten diskutabel. ich bin auch einverstanden damit, dass der futurismus schon wesentliche elemente des faschismus in sich trägt. gerade deshalb sollte man ihn aber nicht einfach mit dem faschismus gleichsetzen. natürlich ist kunst immer politisch, aber kunst ist nicht nur politik. es ist nun mal eine tatsache, dass der futurismus, künstlerisch gesehen, eine bedeutende strömung ist, ohne welchen die zeitgenössische literatur, musik und malerei wohl ziemlich anders aussehen würden. und auch der dadaismus war nicht ganz frei von futuristischer inspiration. das ist wohl der grund, warum dieser anlass im cabaret voltaire stattfindet, ich denke nicht, dass sie "den faschismus zelebrieren" wollen. vielleicht sollte man mit den organisatorInnen kontakt aufnehmen und das ganze diskutieren. sicher darf man auch hoffen, dass das publikum im cabaret voltaire kritisch genug ist und auch die unappetitlichen seiten des futurismus ansprechen wird. einfach nur zensur schreien scheint mir nicht die weiseste lösung zu sein, wir sollten fähig sein kulturelles erbe kritisch zu hinterfragen, ohne es totzuschweigen. sonst darf du nämlich auch keinen proudhon mehr lesen, der hat auch ganz schön viele nazis beeinflusst...


AutorIn: egal
  s/w
03.11.2009 13:51  
"Wir wollen den Krieg verherrlichen – diese einzige Hygiene der Welt – den Militarismus, den Patriotismus, die Vernichtungstat der Anarchisten, die schönen Ideen, für die man stirbt, und die Verachtung des Weibes."

"Wir wollen die Museen, die Bibliotheken und die Akademien jeder Art zerstören und gegen den Moralismus, den Feminismus und jede Feigheit kämpfen, die auf Zweckmäßigkeit und Eigennutz beruht."

"Wir werden die großen Menschenmengen besingen, die die Arbeit, das Vergnügen oder der Aufruhr erregt; besingen werden wir die vielfarbige, vielstimmige Flut der Revolution in den modernen Hauptstädten; besingen werden wir die nächtliche, vibrierende Glut der Arsenale und Werften, die von grellen elektrischen Monden erleuchtet werden..."

Einiges fehlt, komischerweise, in den Eingangszitaten. Einiges, was sowohl an den anarchistischen Terror (positiv gemeint, bitte!) als auch an den kommunistischen Fortschritts-und Technologieglauben erinnert. Damit verbunden gabs dann auch zwei ziemlich revolutionäre und symopathische russische Futuristen, den Kommi Majakowski und den Anarcho Malewitsch, "Begründer" des Anarchofuturismus.
Keine Frage, dass der Verfasser des Manifests (ein Einzeltäter übrigens) ein blöder Sexist und später ein noch blöderer Faschist war.

Museen und Bibliotheken, all die Klassiker gehören wirklich vom Dampfboot der Geschichte geworfen, auch wenn das ein paar Studis nicht gefallen täte, hehe


AutorIn: widder
  hände weg von den bibliotheken!
03.11.2009 16:13  
solltest du versuchen, sie anzuzünden, kette ich mich an die büchergestelle! zudem dürfte dir das eine oder andere kind die einäscherung seiner/ihrer lieblingbücher auch ziemlich übel nehmen. was daran revolutionär und an bibliotheken schlecht sein soll, bleibt mir schleierhaft. hauptsache revolutionär, hauptsache radikal scheint mir als politisches programm etwas dürftig. wer die konstruktive seite revolutionärer politik nicht verstanden hat, sollte vielleicht lieber die finger davon lassen. wohl ist es spektakulär, in sekundenschnelle etwas brennen zu lassen und dafür auch noch in der zeitung zu erscheinen, aber all die menschen die autonome schulen am leben erhalten, flüchtlinge und/oder obdachlose unterstützen, squats animieren usw. prägen den anarchismus wohl einiges nachhaltiger als es die propagandisten der tat getan haben.
nur: mit meiner ergänzung wollte ich eigentlich genau darauf hinweisen, dass es nichts nützt zu diskutieren, ob der futurismus nun "gut" oder "böse" sei. dass du das nicht verstanden hast, beweist du mit deinem kommentar ziemlich eindrücklich. es geht darum, dass künstlerische oder intellektuelle strömungen dynamische, heterogene gebilde sind, die man in den meisten fällen nicht einfach in ein schema pressen kann. wer futurismus mit faschismus gleichsetzt, sitzt letztlich der faschistischen propaganda auf und erreicht genau das, was marinetti wollte. zumindest weist obiger kommentar darauf hin, dass eben nicht alle futuristen faschisten waren. dass das cabaret voltaire diesen anlass organisiert, heisst wohl kaum, dass die alle ganz dolle marinetti-fans sind und den schrank voller schwarzer hemden haben, aber eben, siehe meinen ersten kommentar...


AutorIn: egal
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