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 :: AARAU – STILL LOVING SQUATTING ::
 Themen | Wohnungsnot/Squat | Repression/Knast 22-05-2009 11:57
AutorIn : Klaustrophobia : http://www.aargrau.ch
Am 14. Mai kam es zu einer Premiere in Aarau. Nach dem schon Jahre immer wieder für einen autonomen Freiraum in der Aargauer Kantonshauptstadt gekämpft wurde, nahm Mensch an diesem Tag das erste Mal die bewusste Räumung eines besetztes Hauses in Kauf. Egal ob in den 80er oder in der Zeit des Vereins für alternative Kultur in Aarau (fak aarau), besetzte Häuser wurden immer vor dem Ultimatum verlassen. Oft ging es schnell wieder in ein anderes Haus oder es wurde sonst für Aufmerksamkeit gesorgt. Nun scheint ein Wandel im Gange zu sein. Nachdem die Gruppe Klaustrophobia bereits drei Häuser besetzt hatte und diese auch verlies, entschieden sie sich beim vierten Haus anders - kämpferischer als bisher.

Wir nahmen dies zum Anlass für einen kleinen Überblick. Von den Anfängen über die aktuellen Ereignissen bis zu zukünftigen Ideen und Aktionen.

SCHON LÄNGST VERGANGENES UND SCHON FAST VERGESSENES

Während in den 80er Jahren in Zürich und anderen Städten Jugendunruhen tobten, Jugendliche Selbstbestimmung forderten und für autonome Zentren gekämpft wurde, schien es fast so, als ziehe das Ganze am Kanton Aargau vorbei. Klar, es wurden auch in Wohlen und Baden Häuser besetzt und in Aarau und Lenzburg Jugendhäuser gefordert aber eigentlich blieb es ruhig im Kanton. Die wohl einzige Errungenschaft aus dieser Zeit ist das Kulturzentrum Bremgarten(1).
Der Sommer 1995 brachte wieder Hoffnung in die Aargauer Hauptstadt. Das Elcalor-Fabrikgebäudes wurde besetzt und für eine Woche zum Begegnungszentrum mit bis über 200 Besuchern täglich. Kurz vor dem Ablauf des Ultimatums zogen die BesetzerInnen aber ab. Einige Zeit konnte der Widerstand aufrechterhalten werden. Nach weiteren Protestaktionen, Hausbesetzungen und Hausdurchsuchungen liess das Aufbäumen allerdings langsam wieder nach. Trotzdem war dies eine sehr aktive Zeit in und um Aarau. Es wurde ein Infoladen geführt und das autonome Politmagazin «Schwarzer Stern»(2) startete auf Kanal K.
Die Sendung «Schwarzer Stern» war dann aber praktisch das einzige, was die Jahrtausendwende überstanden hat. Im Oktober 2002 wurde in Aarau der Kampf für autonome Freiräume wieder aufgenommen. Die leer stehende «Wirtschaft zur Gais» wurde besetzt und ein Katz-und-Maus-Spiel begann. Besetzt, Ultimatum erhalten, vor dem Ablauf das Haus verlassen und gleich ins nächste. Das Ganze endete aber schon kurz darauf in der Räumung(3) eines Einfamilienhauses der «Jura Holding AG». Nichtsdestotrotz brachte der gegründete Verein für alternative Kultur in Aarau (fak aarau) wieder einiges an Leben in die Stadt. Aber auch hier war das Ende bzw. die Auflösung des Verein für alternative Kultur in Aarau(4) nur eine Frage der Zeit.
Das «Verschwinden» der autonomen Szene rund um Aarau nutzen dann rund 80 Neonazis. Die NAPO (Nationale Ausserparlamentarische Opposition) rief zu einer 1.-Mai-Demo in Aarau auf. Ziel der Rechtsextrem war es, am Umzug der SP und Gewerkschaften, welcher bereits am 30. April stattfand, anzuschliessen. Sonst passierte nicht viel in dieser Zeit. Misslungene Farbanschläge(5), kleine Transpi- oder Flyer-Aktionen.
Einige konnten es jedoch nicht lassen und gründeten die Autonome Aktionsgruppe WySuAL (Wynental, Suhrental, Aarau, Lenzburg). Der erste Anlass sollte ein zweitätiges Polit- und Musikfestival im Tommasini Lenzburg werden, welches jedoch eine halbe Woche vor dem Anlass vom Lenzburger Stadtrat nach einigem hin und her verboten wurde(6). Nach mehren kleineren Aktionen verabschiedete sich die Gruppe WySuAL mit einer «Reclaim The Streets» im Mai 2007 in Lenzburg(7) von der öffentlichen Bühne.
> Ein ausführlicher Bericht über die Geschichte der Aarauer Hausbesetzer-Sezene wird im ersten «Infozine Aargrau» zu lesen sein, welches im Juni 2009 erscheinen sollte.
> Eine kleine Chronik der vergangene Anlässe, http://www.aargrau.ch/pages/m_veranstaltungen_archiv.html

CHRONIK DES LETZTEN JAHRES

Wieder wurde es ruhig. Es kam der Winter und es wurde kalt. Bis es 2008 zum Frühlingserwachen kam. Eine namenlose Gruppe aus der Region Olten-Aarau-Lenzburg trat in Erscheinung, aus welcher dann später die Gruppe Klaustrophobia entstand. Ziel was es klar die Freiraumkämpfe neu zu entfachen und wieder aufzublühen. Eine Chronik mit den Geschehnissen des letzten Jahres rund um Aarau:

13.03.2008: Klandestine Bar in Aarau (ca. 40 Pers.)
20.03.2008: Klandestine Bar in Olten (ca. 20 Pers.)
27.03.2008: Klandestine Bar in Aarau (ca. 20 Pers.)
04.04.2008: Platzsauvage im Schachen, Aarau mit drei Bands (ca. 80 Pers.) (8)
05.04.2008: Transpi-Aktion in Aarau für mehr autonomen Freiraum (9)
07.05.2008: Klandestine Bar in Olten (ca. 20 Pers.)
08.05.2008: Clown-Aktion bei SVP-Veranstaltung mit C. Blocher in Däniken (10)
30.05.2008: Sauvage in einer ehemalige Gärtnerei in Olten (ca. 40 Pers.) (11)
03.07.2008: Klandestine Bar in Aarau am Maienzug-Vorabend (ca. 60 Pers.)
29.08.2008: Klandestine Bar in Aarau am «Musig ide Altstadt» (ca. 40 Pers.)
24.10.2008: Hausbesetzung der Liegenschaft an der Erlinsbacherstrasse 92 in Aarau. (12)
28.11.2008: Hausbesetzung der Liegenschaft an der Buchserstrasse 16 in Aarau. (13)
29.11.2008: Anti-Akw-Aktion im Niederamt im Rahmen des Aktionstages. (14)
06.03.2009: Hausbesetzung der Liegenschaft an der Mühlemattstrasse 76 in Aarau. (15)
07.03.2009: Platzsauvage auf dem Aargauerplatz in Aarau (ca. 60 Pers.). (16)
21.03.2009: Reclaim The Streets durch Aarau (ca. 100 Pers.) (17)
11.04.2009: Squatter-Picknick im Kasinopark Aarau (ca. 40 Pers.) (18)

> Quelle: http://www.aargrau.ch/pages/m_veranstaltungen_archiv.html

BESETZUNG UND RÄUMUNG DER HOHLGASSE 64

Am 9. Mai wurde bereits das vierte Haus in Aarau besetzt. Rund 25 Personen drangen an diesem Abend in das einenhalb Jahre leerstehende Gebäude ein.(19) Zu nächst verlief alles ruhig und Mensch hatte schon fast ein wenig Hoffnung, dass man diesmal etwas länger bleiben könnte. Der Besitzer – Urs Mühlebach aus Sempach – teilte den BesetzerInnen jedoch am Montag mit, dass das Haus bis am Mittwochabend, 24 Uhr zu verlassen sei.(20) In all den vergangenen Jahren wurden besetze Häsuer in Aarau vor dem Ultimatum verlassen. In diesem Fall nahm man die Räumung bewusst in Kauf.(21) Es ist klar, dass man sich nicht mehr immer alles gefallen lässt und immer brav folgt. Das Haus wurde inzwischen von der Baufirma Zimmerli dicht gemacht. Wann jedoch jemals mit der Überbauung des grossen Grundstückes begonnen wird, ist alles andere als klar.(22)
Die Räumung hatte zur Folge, dass vier Personen (davon eine Minderjährig) wegen Hausfriedensbruch angezeigt wurden. Einer Person wurde eröffnet, dass wegen der Hausbesetzung an der Erlinsabcherstrasse(12) noch ein Verfahren wegen Sachbeschädigung und Nötigung offen sei. Zwei weitere Aktivisten und die Aktivistinnen erhielten ausserdem eine Wegweisung aus dem gesamten Stadtgebiet Aarau für 30 Tage. Das gleiche geschah mit drei Personen, welche die Räumung von aussen dokumentieren wollten.
Zurzeit wird Kontakt mit einem Anwalt aufgenommen, um sich über die rechtliche Situation genau zu informieren. In nächster Zukunft wird es ausserdem wohl einige Soli-Veranstaltungen geben, um die kommenden Bussen bezahlen zu können.

Folgende Mitteilung wurde am 20. Mai 2009 den Medien zukommen gelassen:

Hiermit teilen wir euch, den Medien, gerne mit was sich während der Hausbesetzung der letzten Woche so abspielte, denn ihr habt diese Vorkommnisse bis jetzt gekonnt totgeschwiegen.
Am Samstag, dem 9. Mai 2009, besetzten wir in der Nacht die Liegenschaft an der Hohlgasse 64 in Aarau. Die Polizei liess sich dabei jeweils nur kurz blicken, denn sie hatte zum gegebenen Zeitpunkt noch nichts zu melden. Am Sonntag konnten wir den Liegenschaftsverwalter erreichen, da war er allerdings noch nicht gesprächsbereit. Seine Antwort auf unsere Anfrage, die Hohlgasse 64 zwischennutzen zu können, kam erst am Montag. Zusammen mit der Polizei erschien er, um uns mitzuteilen, dass wir das Grundstück bis Mittwoch 24 Uhr zu verlassen hätten. Jeder Ansatz zu einer Diskussion, jeder Vorschlag unsererseits wurde von Urs Mühlenbach im Keim erstickt. Der Herr war schlichtweg nichts bereit uns anzuhören. Auf spätere E-Mails und Anrufe reagierte er ebenfalls nicht. So beschlossen wir, die Liegenschaft zum Räumungstermin nicht zu verlassen. Am Donnerstagmorgen um ca. 10 Uhr wurde die Hohlgasse 64 schliesslich polizeilich geräumt. Die Leute im Haus, sowie drei Sympathisanten, welche sich auf der Strasse aufhielten, wurden verhaftet. Nicht-Aarauern wurden sofort Wegweisungen für einen Monat aus ganz Aarau aufgebrummt, die Besetzer werden angezeigt.
Da ist ja gar nichts Unrechtes dran, mag der einfältige Bürger nun entgegnen. Nur, fragt auch irgendjemand nach Sinn und Unsinn hinter dieser übertriebenen Reaktion?
Die Hohlgasse 64 steht seit bald zwei Jahren leer. Wir wissen um die geplante Überbauung Bescheid und für uns liegt es auf der Hand, dass das Haus bis zum Abriss leer stehen wird. Garten und Haus gammeln in dieser Zeit vor sich hin, der Verwalter haust derweil in seiner fetten Villa am Sempachersee und es ist ihm scheissegal was mit seiner Hütte in Aarau passiert. Es sei denn, wir interessieren uns dafür. Dann scheint das Haus plötzlich wieder von Bedeutung zu sein. Mühlenbach scheint uns prinzipiell nicht im Haus haben zu wollen. Durch einen Zwischennutzungsvertrag für Strom und Wasser wären beim Mühlenbach nicht einmal Schäden entstanden. Womöglich hätte er sich daran sogar noch ein Sackgeld verdient?
Obige Argumente sorgen dafür, dass wir für die Reaktionen von Urs Mühlenbach und der Polizei keinerlei Verständnis haben, sie bezeugt nur einmal mehr die Ignoranz derselben. Wir fordern, die Hohlgasse 64, nutzen zu können, bis damit etwas anderes geschieht. Ansonsten sehen wir uns gezwungen den Freiraumkampf öffentlich fort zu führen, sei dies auf der Strasse oder in anderen Liegenschaften. Denn wir benötigen nach wie vor einen Ort, an welchem wir unser eigenes Leben selbstbestimmt, führen können. An ein Aufgeben denken wir nicht.

SOLI-KONZERT IM KUZEB VOM 6. JUNI 2009

Als hätte man es erahnt. Schon vor der Räumung begannen die Planungen für ein Soli-Konzert. Aktionen, Hausbesetzungen etc kosten halt immer Geld. Jetzt ist klar, dass noch einige Bussen ins Haus flattern werden. Der Kampf ist ausserdem längst noch nicht zu Ende – es wird weitergehen. Und es kann nicht sein, dass dies nur wegen fehlendem Geld nicht geschieht. Deshalb besucht uns am 6. Juni im KuZeB(23), trinkt und tanzt, lasst euer Geld liegen, informiert euch über eventuelle weite Pläne! An diesem Abend werden spielen:

– The Irma & Louise (Garagepunk/Trash), http://www.swissunderground.ch/theeirmalouise/
– Schäfer (HCPunk/Crust), http://www.myspace.com/schaeferpunk
– Kavaliersdelikt (Punk), http://www.myspace.com/kavaliersdeliktpunk
– Ballast Existenz (Punk)
– DJ LNA (Electro)
– DJ Macho (50'-80' Hits & NDW)


ALTERNATIVE MEDIEN IM (WEST-)AARGAU

Wie oben bereits erwähnt gibt es nun schon seit etlichen Jahren die Sendung «Schwarzer Stern»(2) auf Kanal K. Jeder vierte Dienstag im Monat von 21 bis 22 Uhr wird über aktuelles aus der Region oder Interessantes aus der ganzen Welt berichtet. Mal mehr, mal weniger informativ, aber sicherlich jedes Mal hörenswert. Die Sendungen sind jeweils im Nachhinein auf www.aargrau.ch downloadbar. Das Infoportal Aargrau(24) ist ein alternatives Webportal, welches sich damit beschäftigt, über Geschehnisse aus der Region zu berichtet, wie z.B. mit diesem Artikel. Nach jahrelanger Abstinenz soll es im nächsten Monat ein Infozine aus der Region Aarau geben. Zu viel möchten wir an dieser Stelle noch nicht verraten. Haltet aber die Augen offen.

Und auch wir halten die Augen offen, berichten weiter, kämpfen weiter.
Egal ob Aarau, Thun, Luzern oder anderswo – AJZ subito!


KONTAKTE:
klaustrophobia@immerda.ch *
info@aargrau.ch
schwarzerstern@immerda.ch

*PGP-Schlüssel: http://www.aargrau.ch/pages/m_diverses_03.html

1 http://www.kuzeb.ch/geschich.htm
2 http://www.aargrau.ch/pages/m_diverses_02.html
3 http://www.ag.ch/kantonspolizei/de/pub/aktuelles/medienmitteilungen_suchen.php?controller=Mitteilung&MitteilungsId=2097&navId=Medienmitteilungen
4 http://ch.indymedia.org/demix//2004/10/26951.shtml
5 http://www.ag.ch/kantonspolizei/de/pub/aktuelles/medienmitteilungen_suchen.php?controller=Mitteilung&MitteilungsId=3802&navId=Medienmitteilungen
6 http://ch.indymedia.org/demix//2007/03/47661.shtml
7 http://ch.indymedia.org/demix//2007/05/49256.shtml
8 http://ch.indymedia.org/de/2008/04/58849.shtml
9 http://ch.indymedia.org/de/2008/04/59095.shtml
10 http://ch.indymedia.org/de/2008/05/60167.shtml
11 http://ch.indymedia.org/de/2008/05/60561.shtml
12 http://ch.indymedia.org/de/2008/10/63905.shtml
13 http://ch.indymedia.org/de/2008/11/64872.shtml
14 http://ch.indymedia.org/de/2008/11/64905.shtml
15 http://ch.indymedia.org/de/2009/03/67604.shtml
16 http://ch.indymedia.org/de/2009/03/67618.shtml
17 http://ch.indymedia.org/de/2009/03/67917.shtml
18 http://ch.indymedia.org/de/2009/04/68366.shtml
19 http://ch.indymedia.org/de/2009/05/69009.shtml
20 http://ch.indymedia.org/de/2009/05/69042.shtml
21 http://ch.indymedia.org/de/2009/05/69102.shtml
22 http://www.rosenmund-rieder.ch/inhalt/wettbewerbe/13_hohlgasse_aarau/index.html
23 http://www.kuzeb.ch/veransta.htm
24 http://www.aargrau.ch
 :: 4 Inhaltliche Ergänzungen : > Ergänze diesen Artikel (.onion )
  Soli-Konzert
22.05.2009 12:14  
6. Juni 2009, Kulturzentrum Bremgarten, www.kuzeb.ch


AutorIn: Klaustrophobia | Web:: http://www.aargrau.ch
  Jugendunruhen und ihre Hintermänner
22.05.2009 12:17  


AutorIn: 68
  Yeah!
26.05.2009 14:29  
Coole Aktionen die ihr macht :-) Kämpft weiter! Lasst euch nicht einschüchtern durch die Repression des Staates!

Solidarische Grüsse aus Zug.


AutorIn: Luchadora
  Weitere Band am Soli-Konzi
27.05.2009 09:23  
Das LineUp am 6.6. im KuZeB wird nun übrigens von einer weiteren Band bereichert.

Toxic Bonkers aus Polen (Grindcore/Hardcore)  http://www.myspace.com/toxicbonkers


AutorIn: Klaustrophob
 :: Nicht inhaltliche Ergänzung :
  1. karnickel — ...gab es mal bei uns
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