Startseite | Gemeinsame Startseite | Publizieren! | Feature Archiv | Newswire Archiv | Trasharchiv


Über Indymedia.ch/de
Indymedia-Café
Editorial Policy / Moderationskriterien
Über Sprache sprechen - Sexismus in der Sprache
Wie kann ich auf Indymedia.ch publizieren / Allgemeines zu Medienaktivismus
Kontakt
Wiki
Mailingliste
Medienaktivismus
Gedanken zu Provos & Fakes
Links









 
www.indymedia.org

Projekte
print
radio
satellite tv
video

Afrika
ambazonia
canarias
estrecho / madiaq
kenya
nigeria
south africa

Kanada
hamilton
london, ontario
maritimes
montreal
ontario
ottawa
quebec
thunder bay
vancouver
victoria
windsor
winnipeg

Ostasien
burma
jakarta
japan
korea
manila
qc

Europa
abruzzo
alacant
andorra
antwerpen
armenia
athens
österreich
barcelona
belarus
belgium
belgrade
bristol
bulgaria
kalabrien
croatia
cyprus
emilia-romagna
estrecho / madiaq
euskal herria
galiza
deutschland
grenoble
hungary
london
ireland
istanbul
italy
la plana
liege
liguria
lille
linksunten
lombardia
madrid
malta
marseille
nantes
napoli
netherlands
nice
norway
oost-vlaanderen
paris/île-de-france
patras
piemonte
poland
portugal
roma
romania
russia
saint-petersburg
schottland
sverige
switzerland
thessaloniki
thorn
toscana
toulouse
ukraine
großbritannien
valencia

Lateinamerika
argentina
bolivia
chiapas
chile
chile sur
brasilien
colombia
ecuador
mexico
peru
puerto rico
qollasuyu
rosario
santiago
tijuana
uruguay
valparaiso
venezuela
venezuela

Ozeanien
adelaide
aotearoa
brisbane
burma
darwin
jakarta
manila
melbourne
oceania
perth
qc
sydney

Südasien
india
mumbai

Vereinigte Staaten
arizona
arkansas
asheville
atlanta
austin
baltimore
big muddy
binghamton
boston
buffalo
charlottesville
chicago
cleveland
colorado
columbus
dc
hawaii
houston
hudson mohawk
kansas city
la
madison
maine
miami
michigan
milwaukee
minneapolis/st. paul
new hampshire
new jersey
new mexico
new orleans
north carolina
north texas
nyc
oklahoma
philadelphia
pittsburgh
portland
richmond
rochester
rogue valley
saint louis
san diego
san francisco
san francisco bay area
santa barbara
santa cruz, ca
sarasota
seattle
tampa bay
tennessee
united states
urbana-champaign
vermont
western mass
worcester

Westasien
armenia
beirut
israel
palestine

Themen
biotech

Intern
fbi/legal updates
mailing lists
process & imc docs
tech
volunteer
 
 :: (Bildungsabbau): Es knistert an der Uni Bern... ::
14-05-2009 14:33
AutorIn : Manu Bagru
Durch die "Hauruckübung" der Universitäts- und der Fakultätsleitung soll ab dem neuen Semester der SoWi-Bachelor eingeführt werden. Die letzte Soziologie-Professorin tritt aus Protest zurück und die Studierenden gehen auf die Strasse. Die Gemüter erhitzen sich zusehends im 175. Jubiläumsjahr der Universität Bern.

Die wirtschaftlichen Sachzwänge veranlassen nicht nur die Regierungen zu ziemlich überstürzten Aktionen wie dem Milliardenpaket für die Banken, sondern bringen auch Rektorate unter Zugzwang zum Abbau von Fächer. Besonders schmerzhaft ist dies, wenn es kritische Fächer wie die Soziologie trifft, während die Lehrstühle der (ständig) krisenverursachenden Fächer wie der BWL noch darüber entscheiden! Nach der WiSo-Fakultät (Wirtschaft- und Sozialwissenschaften) sollen die Studiengänge der Soziologie, Medienwissenschaften und der Politologie ab dem neuen Semester in einer Hauruckübung zusammengelegt werden. Damit könnte bei den Fächern Geld gespart werden, doch weder die Studierenden noch die Lehrpersonen der Soziologie haben daran Freude, denn dies ist gleichbedeutend mit einem weiteren schleichenden Bildungsabbau. In der Soziologie sind seit zwei Jahren zwei von insgesamt drei Lehrstühlen unbesetzt (der Lehrstuhl für Sozialstrukturanalyse ist im Übrigen seit dessen Schaffung vakant) und mit der Salamitaktik des Rektorates wird es immer schwieriger Lehrpersonen zu finden, die sich auf die Anstellung eines sterbenden Betriebes einlassen wollen. Zudem wäre es dringend notwendig gewesen, dass die nun fehlenden Lehrpersonen bei der Einführung und Umsetzung des nun wohl kommenden SoWi-Bachelors hätten opponieren können. Aus Frust und Protest reichte nun Claudia Honegger, die letzte Professorin ihre Kündigung ein, während die Studierenden auf die Strasse gehen. Doch die Angelegenheit ist noch nicht gegessen...


Die Soziologie in Bern in Bedrängnis

Die Situation, in der sich die Soziologie heute befindet ist nicht (alleine) Produkt der neusten Bestrebungen einen SoWi-Bachelor einzuführen. Bereits vor zwei Jahren geriet die Soziologie in Bedrängnis, denn wenn es nach der Unileitung gegangen wäre, hätte man die Soziologie zugunsten einer Stärkung der Politikwissenschaft abgeschafft und nach Fribourg ausgelagert. Anzumerken ist hier, dass die Uni Fribourg von den Plänen der Berner nicht wussten und es auch ausserordentlich fraglich gewesen wäre, wie die Fribourger die ganzen Berner Studierenden hätten aufnehmen sollen. Ausserdem wird in Fribourg kein Bachelor Soziologie als solcher angeboten und es hätten sich wahrscheinlich für Viele weitere Barrieren aufgetan: Sociologie en francais.

Bereits damals war die Informationspolitik der Unileitung bemerkenswert, die Studierenden und im Übrigen auch die Dozierenden erfuhren aus den Medien von den Plänen der Unileitung. Bereits damals sollte die Soziologie dem Diktat der Wirtschaftlichkeit zum Opfer fallen. Die soziologische Forschung sei nicht rentabel. Wie Rentabilität in der Forschung definiert wird, muss dabei offen bleiben.

Das Schliessungsvorhaben wurde auf verschiedenen Wegen bekämpft und die Fakultät sprach sich schliesslich für den Erhalt der Soziologie aus; Ein Fach, welches an einer Volluniversität nicht fehlen darf.

Aber dennoch keine Ruhe - die Lehrstuhlproblematik

Der Soziologie wurde vor geraumer Zeit ein dritter Lehrstuhl zugesprochen. Es sollte ein Lehrstuhl für "Sozialstrukturanalyse und Gesellschaftsvergleich" geschaffen werden. Dieser wurde aber bis heute nicht besetzt. Noch während dem ersten Berufungsverfahren für den dritten Lehrstuhl wurde über die Abschaffung der Soziologie debatiert, was dem Vorhaben der Besetzung eines Lehrstuhles kaum zuträglich sein kann. Der Lehrstuhl blieb dann auch vakant und ist es bis heute noch.
Kurze Zeit nach dem Scheitern der Besetzung des Sozialstrukturlehrstuhles stand dann auch schon die nächste Vakanz an. Der Lehrstuhlinhaber für "empirische Sozialforschung" ist dem Ruf nach Deutschland gefolgt und in Bern wurde damit ein weiterer Lehrstuhl vakant, der ebenfalls bis heute nicht besetzt ist. Die Berufungsverfahren für die beiden vakanten Lehrstühle sind nach wie vor im Gange. Wobei sich die Besetzung mit der Einführung des BA-SoWi und der damit verbundenen Marginalisierung der Soziologie kaum einfacher gestalten dürfte.

Aus Frust und Protest reichte nun Claudia Honegger, die letzte Professorin ihre Kündigung ein. Damit sind dann, wenn die anderen beiden Lehrstühle nicht schnell besetzt werden, sämtliche Lehrstühle der Soziologie vakant. Warum dann die Soziologie nicht gleich abschaffen? denkt sich da möglicherweise die Unileitung.

Abwägen von Dringlichkeiten

Während mit der dringend notwendigen Besetzung der Lehrstühle zugewartet wird, wird im Schnellverfahren ein neuer Studiengang kreiert, der die Studiengänge Soziologie, Politikwissenschaft und Medienwissenschaft in ein Gesamtpaket ohne Profil zusammenfügen soll. Dieses Vorhaben stösst, wie am Mittwoch bei einer Demonstration gezeigt wurde, auf breiten Widerstand.

"Nachdem die Einführung des geplanten Bachelor in Arts of Social Sciences (BA SoWi) durch internes Geplänkel zwischen den Stockwerken am Lerchenweg [die Institute der Soz, Polito und Medien] mehrmals verzögert wurde, ist die Geduld des Rektors offenbar am Ende. Per Ultimatum wurde festgelegt, dass es ab dem Herbstsemester 2009 nur noch einen Bachelor am Departement für Sozialwissenschaften geben wird. Um diese Frist einhalten, und das Angebot erhalten zu können, arbeiten fast alle Beteiligten unter Hochdruck an dem bereits seit 2004 in der Schublade liegenden Entwurf eines neuen Reglements mit passendem Studienplan".

Das neue Reglement erweist sich aus der Sicht der Studierenden in diversen Punkten als mangelhaft. Die Soziologie ist ein weiteres mal in Bedrängnis. Denn nach den Abschaffungswünschen von vor zwei Jahren, "(...) wird das Studium der Soziologie verhältnismässig stärker dem der Politologie angeglichen als umgekehrt". Konkret bedeutet dies, dass auf BA-Stufe nur noch Proseminare und Vorlesungen angeboten werden sollen und keine Seminare mehr, wie dies bis anhin in der Soziologie üblich war. Gerade Seminare haben in Bern zu einem Studiengang in Soziologie beigetragen, der trotz der Bologna-Einführung und der damit einhergehenden Verschulung und der Einschränkung der Wahlfreiheit, ein attraktiver Studiengang war und auch noch ist. Dem soll mit dem SoWi Bachelor ein Ende gesetzt werden.

Interessant ist ausserdem die Tatsache, dass der Studienplan am 31. August 09 in Kraft treten soll bzw. wird und damit die Studierenden die ihr Studium kommendes Semester beginnen in den neuen BA-SoWi überführt werden. "Faktisch würden so angehende SoziologInnen und PolitologInnen um den Titel betrogen, der ihnen bei Anmeldung in Aussicht gestellt wurde. Die Unileitung ist jedoch gewillt dies in Kauf zu nehmen, zumal die rechtlichen Vorgaben erfüllt seien".

Aktionen

An einer Demonstration, zu der die Fachschaft Soziologie aufgerufen hat, nahmen am Mittwoch rund 300 Personen teil. Die Forderungen, die vakanten Professuren zu besetzten, bevor über einen neuen Studiengang diskutiert wird, sowie die Forderung nach Mitspracherecht für die Studierenden wurden von der Uni Tobler zum Hauptgebäude getragen. Beim Hauptgebäude wurden diverse Reden gehalten. Auch dem Rektor wurde das Mikrofon für sein Statement überlassen, danach machte er sich aus dem Staub.

Für Donnerstag war schliesslich die Fakultätssitzung angesagt, an der das Traktandum BA-SoWi, sowie die Änderung des RSL (Reglement über die Studiengänge und Leistungsnachweise) diskutiert und schliesslich abgesegnet werden sollten. Eine Gruppe von rund 30 Personen besetzten jedoch die Fakultätssitzung und erreichten damit, dass der Dekan (Vorsitzender der Fakultät) eine schriftliche Zusicherung machte, dass die beiden Traktanden an dieser Sitzung nicht behandelt werden. Daraufhin zogen sich die BesetzerInnen zurück.
Die AuS (Aktion ungehorsamer Studierender) wollte mit der Besetzung den Beschluss zur Einführung des Ba-SoWi verhindern, da dies wohl die letzte Möglichkeit gewesen wäre, diesen durchzuwinken und nächstes Semester einzuführen. Die Aktion kann durchaus als Erfolg gewertet werden, auch wenn nun die Fakultät einen Weg gefunden hat, wie sie ihr Plan möglicherweise doch noch dieses Semester erreichen können. Es wird keine eine erneute Fakultätssitzung angesetzt, die Angst vor einer weiteren Störung dürfte wohl zu gross sein, sondern nun wird im Zirkularverfahren über den Ba-SoWi abgestimmt. Eine Variante der Fakultät ohne zusammen zu kommen Geschäfte zu beschliessen, in dem per E-mail einen Beschluss gefasst wird.

Infos der Fachschaft Soz

Zum BA-SoWi
Standpunkte der Fachschaft Soziologie

Aktionen etc.

AuS besetzt Fakultätssitzung
AuS am Unifest

Diverse Medienbericht

Inteview mit Claudia Honegger
(2)
eher schlechter Bund-Artikel zur Demo
"Tolgge" auf dem Festgewand
video: Rektor Würgler flüchtet vor Professorin :)
Bund online: Besetzung der Fakultätssitzung
 :: 5 Inhaltliche Ergänzungen : > Ergänze diesen Artikel (.onion )
  Gebt auf!
15.05.2009 17:23  
Wer nicht an der Uni ist versteht nicht was ihr wollt.
Gebt auf, ihr seid die Zukunft!
 http://www.bildungskritik.de/Texte/ElendStudenten/elendstudenten.htm


AutorIn: Dein Name
  @gebt auf
15.05.2009 21:08  
hey mrS "gebt auf"
ist dies dein erst auf aktuelle probleme mit einem text von 1966 aus der prä-raf epoche zu antworten? nun dann, wir könnten auch gleich den stalin rausholen und alle in die kolchosen stecken, wie wär denn das? das wär 'ne doch revolution! das zweiklassenschema mag zwar mal annähernd gestimmt haben, doch heute, da du dich im besitz eines pc befindest, gehörst auch du global zur elite, auch du bist die zukunft, auch du bist das ende!


AutorIn: unser aller name
  Nicht nur in der Schweiz - in ganz Europa und der Welt!
19.05.2009 14:25  
Gut zu sehen, dass es auch aktive Menschen in Bern gibt, die sich gegen diese Entwicklungen zur Wehr setzen.

ABER: diese Umstrukturierungen (z.B. wie bei euch im Rahmen des Bologna Prozesses) sind international zu sehen.
Leider sehe ich dazu bisher kein Wort zu diesen Zusammenhängen.

Öffentliche Bildung soll zur Ware werden, weltweit. Der Staat zieht sich aus seiner Verantwortung (und spart Geld dabei), stattdessen übernehmen privatwirtschaftliche Akteure das Geschäft!

Das öffentliche Bildungssystem hat jedoch (oder sollte zumindest) einen demokratischen Auftrag!
Wie kann von einer Demokratie die Rede sein, wenn Menschen nicht dazu befähigt werden die sie umgebenen Machtstrukturen zu reflektieren und verstehen zu lernen??
Das muss durch das Bildungssystem geschehen, welches ganz automatisch privatwirtschaftliche und auch staatliche Interessen tangiert!
Deshalb muss solch ein emanzipatorisches und allen zugängliches Bildungssystem erkämpft werden!!

Die Zwänge, welche die Kommerzialisierung von Bildung und dem Einfluss privatwirtschaftlicher Interessen im öffentlichen Bildungssystem Tür und Tor öffnen (gefördert vom globalen Wettbewerb) sind auf internationaler und globaler Ebene zu finden!

Nur wenn wir uns international/global zusammenschließen können wir auch effektiv auf internationaler (und somit auch lokaler) Ebene Druck erzeugen.

Es gab bisher zwei größere Anstrengungen die unterschiedlichen Bewegungen und Gruppen weltweit zusammen zu bringen:

"International Day of Action against the Commercialisation of Education" (05.11.2008):
 http://www.emancipating-education-for-all.org/content/summary-protests-part-international-day-action-presentation
"Reclaim your Education - Global Week of Action" (20. - 29.04.2009):
 http://www.emancipating-education-for-all.org/content/actions-during-global-week-action-summary

Beides wurde auf einer globalen Platform von vielen aktiven Menschen gemeinsam koordiniert. Diese Platform ist das offene Netzwerk "International Students Movement":
 http://emancipating-education-for-all.org

Allein in diesem Jahr gab es bis jetzt Protestaktionen gegen die Kommerzialisierung von Bildung in mehr als 30 Ländern!! Einen Überblick gibt's hier:
 http://www.emancipating-education-for-all.org/content/overview-education-protests-2009

Am 19.Juni findest das 10jährige "Jubiläum" der Bologna-Erklärung statt.
In Deutschland bereiten sich Studis und Schüler_innen gemeinsam mit Eltern und Gewerkschaften auf einen "Bundesweiten Bildungsstreik" (15.-19.06.2009) vor:  http://bildungsstreik2009.de
Es wird daran gearbeitet den Aktionstag am 19.Juni international auszuweiten! Bis jetzt haben Gruppen und Gewerkschaften in Frankreich, Belgien, Spanien und Italien ihr Interesse bekundet und bereiten sich darauf vor.

Es wäre super, wenn auch Gruppen in Bern und vielleicht anderen Teilen der Schweiz sich ebenfalls in dieser internationalen/globalen Bewegung einbringen würden.

Let's get organized and unite in our struggle - worldwide!


AutorIn: Mo | Web:: http://emancipating-educationg-for-all.org
  Studentenproteste
24.05.2009 18:22  
Studentenproteste
«Verwertet mich!», steht auf ihrem Schild
Von Dominik Gross

Lange schien Politik an den Universitäten niemanden mehr zu interessieren. «Career Days» und Partys, die «Wallstreet» hiessen, dominierten die Szenerie. Nun scheint die Kritik eine Renaissance zu feiern. Dabei geht es nicht nur um unwillkommene Gastredner aus der Privatwirtschaft.

«Wissen wird zur Ware, was keinen Gewinn bringt, wird nicht gemacht; und so entscheidet der Markt und nicht die Wissenschaft.»
Alex Demirovic, Berliner Soziologe

«Glauben Sie das?», fragt Georg Kohler, Professor für Politische Philosophie an der Universität Zürich. Und hält das, was er gerade sieht und hört, für «ideologische Übertreibungen». Er steht am Dienstag der letzten Woche inmitten von gegen zweihundert Studierenden und einzelnen DozentInnen vor dem Uni-Haupteingang und lauscht den Reden der AktivistInnen der «Uni von unten», die anlässlich des Vortrages von Nestlé-Chef Peter Brabeck gegen die zunehmende Präsenz der Privatwirtschaft an den Universitäten und die zunehmende Ökonomisierung der akademischen Lehre und Forschung protestieren.

Eingeladen wurde Brabeck vom Schweizerischen Institut für Auslandforschung (SIAF). Seine Rede war der Abschluss einer Vortragsreihe, in deren Verlauf schon Novartis-CEO Daniel Vasella und Nationalbank-Präsident Jean-Pierre Roth vom SIAF an die Uni geholt worden waren (siehe WOZ Nr. 14/09 und 20/09). Unterstützt wird das SIAF «finanziell und ideell», wie es auf dessen Website heisst, von der Credit Suisse, der UBS, der Bank Vontobel, der Swiss Re, Swiss Life, Ernst&Young und - Nestlé. Auf der Website steht aber auch: Das SIAF «ist ein politisch und wirtschaftlich unabhängiges Kompetenzzentrum für Wissensvermittlung und Hintergrund». Interessant.

Filz an der Uni

Delegierter des Vorstandes des SIAF ist Martin Meyer, Feuilleton-Chef der NZZ. Er ist auch ein guter Freund von Philosophieprofessor Kohler, an lauen Sommerabenden sieht man sie manchmal in der Zürcher Altstadt zusammen einen schöngeistigen Grappa trinken. Und beide sind Mitglied in Zürichs Rotary Club, wo auch die Zürcher Wirtschafts­elite ein und aus geht. Mit von der Partie ist dort auch Hans-Ulrich Doerig, frischgebackener Credit-Suisse-Verwaltungsratspräsident, Präsident der Vereinigung Zürcher Kunstfreunde und Mitglied des Zürcher Universitätsrates. Dieser hat Macht: Jede Professorenberufung beispielsweise braucht die Zustimmung des höchsten Gremiums der Uni. Die Mitglieder werden vom Kantonsrat gewählt. Zurzeit sind das die SP-Regierungsrätin und Bildungsdirektorin Regine Aeppli, Economiesuisse-Vertreter Andreas Steiner (Motto seines Verbandes in Sachen Hochschulpolitik: «You get what you pay for»), Hubert E. Blum, Direktor der Universitätsklinik Freiburg, CVP-Nationalrätin Kathy Riklin, Myrtha Welti, Consulterin und Ex-SVP-Generalsekretärin des Kantons Zürich, sowie NZZ-Inlandredaktor Christoph Wehrli. Im stockbürgerlichen, wirtschaftsnahen Unirat ist Wehrli gewissermassen der ungefährliche, weil äusserst konsensorientierte Quotenvertreter der Zürcher Medien- und Kulturschaffenden. Der bekennende Liberale Georg Kohler sagt vor dem Uni-Haupteingang auch: «Die akademische Unabhängigkeit der Uni steht doch nicht zur Debatte, gerade die Sozial- und Geis­teswissenschaften werden zu einem überwiegenden Teil durch die öffentliche Hand finanziert.» Neben ihm trägt eine Studentin ein Schild mit der Aufschrift «Verwertet mich!» um den Hals.

Für den Zürcher Soziologiestudenten René Birrer (28), aktiv bei der «Uni von unten», ist die akademische Ökonomisierung allgegenwärtig: Sie schlage sich nicht nur in der Bologna-Reform und der entsprechenden studentischen Punktejagd oder im exzessiven Standortmarketing ganzer Unis und einzelner Institute nieder. Und sie gehe über die wachsende Pflicht der Unis und Institute hinaus, Drittmittel aus der Privatwirtschaft zu akquirieren: «Ökonomische Werte bestimmen zusehends das sozialwissenschaftliche Denken selbst.» Zum Beispiel beim Vorsteher des Soziologischen Seminars der Uni Zürich, Professor Marc Szydlik: «Er redet in einem rein ökonomischen Jargon, der Studierende zu Kunden oder Trägern eines Produkts macht.» Das Institut sei dementsprechend ein Standort mit einem bestimmten Angebot für den Studi-Kund­en. «In der Vorstellung unserer Institutsleitung besitzt er die Eigenschaften des idealisierten Akteurs auf dem freien Markt. Wer unzufrieden ist, soll gehen und woanders ein Produkt finden, das ihm besser gefällt.»

Das Gleiche gelte auch für Dozent­Innen, denen die Schwerpunktsetzung in der Forschung, gewissermassen die «Unique Selling Proposition» des Instituts, nicht behagt.

Verwertung versus Kritik

Die Spezialisierung der Soziologie in Zürich basiere dabei nicht etwa auf der Setzung gewisser thematischer Schwerpunkte - früher war das am Zürcher Ins­titut die Migrationsforschung -, sondern auf einigen wenigen angewandten Methoden. Sie gehören zur empirischen Sozialforschung, in der mit quantitativen Umfragen, viel Statistik, strengen Verfahren und Begriffen gearbeitet wird. Ihre Methoden und Begriffe werden vorgängig im Büro und nicht draussen während der Feldforschung, aus dem Forschungsgegenstand selbst erstellt. Und sie laufen der qualitativen Forschung, die mit weniger Zahlen, dafür mit mehr Sprache, die aus dem Forschungsobjekt heraus entwickelt wird und diesem so gerecht werden will, den Rang ab: «Quantitative Forschung ist sehr spezifisch, scheinbar greifbar, man kann mit ihr schöne Diagramme erstellen. So lässt sie sich auf dem Wissensmarkt leichter verwerten als qualitative Forschung», sagt Birrer. Gleichzeitig neige quantitatives Denken zur Pauschalisierung und produziere gesellschaftliche Stereotypen, Nonkonformes falle schnell einmal durchs Erkenntnisraster: «Es entstehen Rundumschläge, weil die­se Soziologie abstrakten, generalisierten Begriffen folgt, die der Komplexität der gesellschaftlichen Realität nicht gerecht werden.» Auch die methodische Vielfalt werde auf dem Altar der ökonomischen Verwertbarkeit geopfert. «Darunter leidet die innerfachliche Selbstreflexion, die eigentlich die natürliche Garantin einer unkomplizierten internen Qualitätskontrolle sein könnte», sagt Birrer.

Ähnliche Tendenzen der ökonomi­schen Rationalisierungen beobachten Birrers MistreiterInnen bei der «Uni von unten» auch in der Politikwissenschaft, der Psychologie oder der Philosophie. Kati Pfrunder etwa studiert Politikwissenschaften im Nebenfach. Dort seien Begriffe aus der Wirtschaftswissenschaft mittlerweile allgegenwärtig: «Das Konzept des Homo oeconomicus, des Menschen als eines rein rationalen Nutzenmaximierers, wird auch von der Politikwissenschaft vorausgesetzt und kaum mehr in Frage gestellt.»

Bern ohne Soziologie?

An der Uni Bern sehen sich die StudentInnen der Soziologie bereits mit konkreten Folgen dieses Denkens konfrontiert: Seit 2005 sind zwei von drei Lehrstühlen ihres Faches unbesetzt, vor zwei Jahren wollte die Unileitung die Soziologie in Bern komplett abschaffen und nach Freiburg auslagern. Dieses Vorhaben musste wieder aufgegeben werden, nun plant man dafür die Zusammenlegung der Soziologie mit der Politikwissenschaft zu einem Bachelor-Studiengang Sozialwissenschaften. Die SoziologInnen befürchten dabei eine völlige Marginalisierung und eine methodische Angleichung ihres Faches an die Politikwissenschaft. Die qualitative, gesellschaftskritische Soziologie mit ihrer grossen Tradition um DenkerInnen wie Max Weber, Theodor W. Adorno, Pierre Bourdieu oder Judith Butler droht in Lehre und Forschung auf der Strecke zu bleiben. Und mit ihnen die kritische Theorie oder die theoretisch reflektierte Geschlechterforschung. Der einzigen verbleibenden Berner Soziologieprofessorin und helvetischen Instanz kritischer Soziologie, Claudia Honegger, reicht es jetzt: Sie hat aus Protest gegen die Um- und Abbaupläne ihren vorzeitigen Rücktritt eingereicht.

Der Rücktritt Honeggers bewog die Fachschaft der SoziologiestudentInnen und weitere engagierte Studierende vergangene Woche zu umfassenden Aktionen: An die dreihundert StudentInnen spazierten am Mittwoch vom Soziologischen Institut in der Uni Tobler zum Hauptgebäude und präsentierten ihre Forderungen und ihre Vorstellungen von einer reichen kritischen Soziologie: «Diese sucht nach Ursachen und Zusammenhängen des sozialen Lebens und deckt Missstände auf, zeigt Ungleichheiten auf und leistet damit einen unabdingbar wichtigen Beitrag für Gesellschaft und Wissenschaft», schrieb die Soziologiefachschaft auf einem Flugblatt. Eine Uni ohne Soziologie, ohne kritische Wissenschaften überhaupt, sei wie eine Demokratie ohne oppositionelle Stimmen: «Solch eine Demokratie würde alles als gegeben, unveränderbar und wünschenswert ansehen.» Deshalb müsse die Uni Bern eine Volluniversität bleiben und die Soziologie ein eigenständiges Fach.

Am Donnerstag dann sorgten dreissig AktivistInnen der Aktion ungehorsamer Studierender (AuS) mit einem Sitzstreik dafür, dass an der Fakultätsversammlung das Traktandum «Bachelor Sozialwissenschaften» gestrichen wurde und der Entscheid über die Zusammenlegung von Soziologie und Politikwissenschaft zumindest aufgeschoben wurde.

So zeigten die Studierenden der Uni Bern mithilfe zivilen Ungehorsams - den Rektor Urs Würgler mittlerweile als «primitive Aktion» bezeichnet hat - wenigstens symbolisch, was ihnen ge­mäss Leitfaden der Bologna-Reform schon seit Jahren zugestanden hätte - volles Mitspracherecht in der Unipolitik. Dort heisst es nämlich: «Students are full partners in higher education governance.»

Weitere studentische Initiativen

Nicht nur in der Soziologie und im Rahmen loser Gruppen wie der Aktion ungehorsamer Studierender (AuS) in Bern und Uni von unten (Uvu) in Zürich wollen Studierende ihre Stimmen in der Unipolitik stärken: In Basel versucht die Aktion unabhängiger und kritischer Studierender (AkuS) die Beisshemmung in Sachen kontroverser politischer Debatten zu brechen. Dazu sollen Reflexionen über die Abhängigkeit der Universität von der in der Stadt ansässigen Pharma­industrie angeregt werden. AkuS kritisiert die zunehmende soziale Ausgrenzung an den Universitäten durch Erhöhungen der Studiengebühren und die Straffung der Studiengänge im Bolognasystem, die WerkstudentInnen das Leben schwer macht. AkuS will dazu beitragen, dass die Uni das Bewusstsein für ihre Mitverantwortung in einer demokratischen Öffentlichkeit nicht verliert.

In Zürich hat die Vollversammlung der Philosophiestudierenden im Februar eine Kommission der StudentInnen und Doktorierenden (StuDoKo BV) eingesetzt, die das Berufungsverfahren zur Neubesetzung zweier Lehrstühle in Politischer Philosophie und Allgemeiner Ethik beobachten soll. Auch hier geht es um Richtungsentscheide: Im Brennpunkt steht die Frage, ob die Politische Philosophie sich weiter der Politikwissenschaft und damit der empirischen Sozialforschung annähern oder eher als unabhängige Stimme in der kritischen Selbstreflexion der Sozial- und Geisteswissenschaften wirken soll. Es geht aber auch darum, ob sich die Ethik definitiv der analytischen Erkenntnistheorie verschreibt und damit einer Sprache, die ausserhalb des universitären Elfenbeinturms niemand versteht.

Kontakte
 aus@ungehorsam.ch (Bern)
 fsbern@soziologie.ch (Fachschaft Soziologie Bern)
⇒ www.akus.ch (Basel)
 univonunten@gmx.ch (Zürich)
 studokobv@gmail.com (Philosophie Zürich)
⇒ www.soziologie.ch



Wahrheit durch Ironie

Beim Pausenkaffee vor der Uni witzelte die WOZ mit einem Studenten über das StudentInnen-als-KundInnen-Prinzip.
Student René Birrer: Studierende müssen möglichst schnell zum Produktivfaktor gemacht werden.
WOZ: Aber zu sagen haben sie eigentlich trotzdem nichts.
Nein, denn sie sind ja nicht kom­petent.
Das heisst, der freie Markt macht die Studi-Kunden nicht zu Königen?
Nein, denn sie wissen selbst nicht am Besten, was sie wollen.
Es wird ihnen also beigebracht, was sie zu wollen haben?
Ja, damit sie fähig werden, frei zu entscheiden!


AutorIn: wozleser
  nicht marginalisieren -> umziehen (z.B. zur phil. hist)
03.06.2009 21:37  
Bund vom 3. Juni 09:

Soziologie: Professoren wehren sich
Von Philipp Schori.

Eine Kündigung, Protest der Studenten – und neu auch der Professorinnen: Das Fach Soziologie werde marginalisiert, schreiben mehrere Uni-Direktoren in internen E-Mails.

Am Anfang des Protests stand die vorzeitige Rücktrittserklärung von Claudia Honegger. Sie ist gegenwärtig die einzige Professorin für Soziologie an der Universität Bern und spricht von der «schleichenden Abschaffung» ihres Fachs. Der Paukenschlag blieb nicht ungehört: Betroffene Studierende führten daraufhin einen Protestmarsch durch. Der Einfluss studentischer Interventionen ist erfahrungsgemäss gering; mehr zählt da schon der Einspruch höherer Glieder einer Universität, der Professoren und Direktorinnen: Selbst sie ergreifen nun aber das Wort für «ein starkes Fach Soziologie».In internen Schreiben, die dem «Bund» vorliegen, kritisieren sie dezidiert den Entscheid, die Soziologie als eigenständiges Bachelor-Fach abzuschaffen und stattdessen einen Bachelor Sozialwissenschaften (Sowi) einzuführen. Sie vertreten damit eine diametral entgegengesetzte Position als der Rektor und eine Mehrheit der Professoren an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät (Wiso), an welcher der umstrittene Studiengang angeboten werden soll. Die Befürworter begrüssen die Integration von Politikwissenschaft, Medienwissenschaft und eben der Soziologie in einen einzigen Studiengang. Die Konsequenz dieses Entscheids: Ein Student, der Soziologie, Politik- oder Medienwissenschaft im Bachelor als eigenständiges Fach belegen möchte, kann dies in Bern zukünftig nicht mehr tun.

Aufruhr für Rektor unverständlich

«Ich hoffe sehr, die Fakultät kommt nochmals auf ihre Entscheidung zurück», schreibt etwa die Direktorin des Geografischen Instituts Doris Wastl-Walter in einem Brief an den Dekan der verantwortlichen Wiso-Fakultät. Rektor Urs Würgler macht den kritischen Professoren indes keine Hoffnung: Der Beschluss sei definitiv, sagt er.

Hans-Rudolf Wicker, Direktor des Instituts für Sozialanthropologie, und Christian Windler, Direktor des Historischen Instituts, wendeten sich mit ihren Schreiben direkt an den Rektor. Ihrer Ansicht nach werden im vorgesehenen Sowi-Bachelor die soziologischen Inhalte marginalisiert. Als Folge leiten Wicker und Windler eine «Schwächung des gesamten Hochschulstandorts Bern» ab: Wer in Soziologie eine qualitativ hochstehende Ausbildung erhalten möchte, werde mittelfristig eine andere Schweizer Universität wählen: «Zürich oder Basel.» Dass auch alle Nebenfachstudierenden der Soziologie vom Entscheid betroffen seien, dürfe nicht vergessen gehen.

Für Rektor Urs Würgler ist der gesamte Aufruhr unverständlich. «Warum gerade rund um die Soziologie ein solches Theater gemacht wird, kann ich nicht nachvollziehen», sagt Würgler. Ab und an müssten Studiengänge revidiert werden, nirgends sonst, nur bei den Soziologen, werde ein derartiges Brimborium veranstaltet.

Grundsätzlich, sagt Würgler, sei es müssig, sich für die Soziologie stark zu machen: Deren Existenz werde von der Unileitung nicht infrage gestellt. Die gesamte Professorenschaft der Philosophisch-historischen Fakultät sieht dies indes anders: Die Soziologie werde zugunsten eines neuen Studienprogramms Sozialwissenschaften «aufgehoben», heisst es in einem internen Brief. Ohne Gegenstimme haben die Professorinnen und Professoren zudem beschlossen, der Universitätsleitung vorzuschlagen, die Soziologie von der Wiso- an die Phil.-hist.-Fakultät zu transferieren. «Denn eine Hochschule ohne Soziologie ist keine Volluniversität mehr», argumentieren sie. Würgler hält dagegen: Ein Transfer der Soziologie an eine andere Fakultät würde der vorgesehenen Ausrichtung des Departements Sozialwissenschaften widersprechen.

Pulver hat interveniert

Über die neusten Entwicklungen im Fall Soziologie und die kritischen Schreiben verschiedener Professoren ist der kantonale Bildungsdirektor Bernhard Pulver nicht im Detail informiert. Pulver hat die Oberaufsicht über Berns Hochschulen und verfügt über die Möglichkeit, gegebenenfalls zu intervenieren: «Wird beispielsweise die Soziologie de facto abgeschafft, würden wir einschreiten», sagt Pulver. Als Massnahme kämen im Extremfall finanzielle Kürzungen infrage. Soweit sei man aber noch längst nicht. Vorerst habe er die Unileitung lediglich dazu angehalten, mit den betroffenen Akteuren nach Lösungen zu suchen; dieser Prozess sei im Gang. (Der Bund)

Erstellt: 03.06.2009, 01:15 Uhr


AutorIn: miau
 :: Nicht inhaltliche Ergänzung :
  1. Immer noch naja... — Anarcho
GNU Free Documentation License 1.2 Sämtlicher Inhalt auf Indymedia Deutschschweiz ist verfügbar unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Germany.
Für sämtlichen Inhalt der jeweiligen Beiträge unter Indymedia Schweiz und Indymedia Deutschschweiz sind nur die jeweiligen AutorInnen verantwortlich!
Indymedia Schweiz läuft mit MIR 1.1
Use GNU!