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:: Warum wir am 8.März immer noch auf die Strasse gehen!Der 8. März steht für eine lange internationale Tradition des Frauenkampfes. Frauen aus verschiedenen Ländern kommen jedes Jahr an diesem Tag zusammen, um mit Kundgebungen und Demos gemeinsam zu handeln und den täglichen Kampf gegen Sexismus, Rassismus und kapitalistisch-patriarchale Ausbeutung zu führen.
Dieser Kampf hat auch hier in der Schweiz nichts an seiner Aktualität eingebüsst. Immer noch leisten Frauen den grössten Teil der Reproduktionsarbeit. D.h. der grösste Teil der unbezahlten Haus, -Familien und Pflegearbeit wird von Frauen gemacht.. Immer noch sind Frauen neben der Doppelbelastung von Familie und Beruf auch noch oft für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Männer. Immer noch ist häusliche Gewalt eine alltägliche Bedrohung vieler Frauen. Frauenspezifische Fluchtgründe sind immer noch nicht anerkannt und zwingen viele Migrantinnen, ohne Papiere hier zu leben, was ihre Lebensverhältnisse noch zusätzlich verschärft.
Es sind nicht nur die alten Forderungen, die wir heute noch stellen müssen, es sind auch die gleichen Perspektiven, die uns heute noch zum Kampf antreiben. Unser Kampf für Freiheit der Menschen, Mensch und nicht Ware zu sein, für Gleichheit nicht der Gleichen, sondern der Verschiedenen. Der Kampf für eine Organisation von Arbeit und Familie ohne kapitalistischen Profitmaximierungsimperativ*, gegen jegliche Diskriminierung anders denkender, für eine freie Wahl der Sexualität, für eine Welt ohne Grenzen ist nötig!
Der Kampf für ein besseres Leben hat hier und heute seinen Platz. Für uns selbst und alle anderen. Ich bin nicht frei, solange noch eine einzige Frau unfrei ist. Auch wenn sie ganz anderer Ketten trägt als ich.
*das kapitalistische Wirtschaftssystem (in welchem wir leben) basiert auf einer Logik, die alle UnternehmerInnen dazu zwingt, immer mehr und mehr Profit erwirtschaften zu müssen.
Frauen Kafi Winterthur
:: Der 8. März hat Geschichte...Seit etwa hundert Jahren wird der internationale Frauenkampftag jährlich begangen und wurde 1921 auf den 8. März festgelegt. Das Datum erinnert an die Streiks der Textilarbeiterinnen in New York am 8. März 1908, die für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen kämpften. Fabrikbesitzer und Aufseher schlossen sie in der Fabrik ein, um die Solidarisierung anderer Belegschaften zu verhindern. In der Fabrik brach ein Feuer aus, 129 Arbeiterinnen starben in den Flammen. Im selben Jahr demonstrierten weitere Textil- und Tabakarbeiterinnen. Durch diese Kämpfe ermutigt streikten 1909 20‘000 Hemdennäherinnen aus Manhattan mit solcher Unnachgiebigkeit, dass die Unternehmer nach zwei Monaten ihren Forderungen nachgaben. Weiterer Bezugspunkt für diesen Tag war der Streik der Textilarbeiterinnen in St. Petersburg vom 8. März 1917, welcher wesentlich zum Ausbruch der Februarrevolution beigetragen hat.
Seit der Weimarer Republik ist der 8. März auch Ausdruck des Frauenwiderstandes gegen Faschismus. Nach 1945 waren die Forderungen nach Frieden und Abrüstung die wichtigsten Anliegen an diesem Tag. Mit der neuen Frauenbewegung wurden verstärkt Themen wie Abtreibung, Psychiatrie, Männergewalt, Rassismus und Homophobie thematisiert.
Gestern, heute, morgen ... Auch heute gibt es genug Gründe, auf die Strasse zu gehen. In den letzten Jahren thematisierten wir immer wieder die schweizerische Asylpolitik und forderten die Anerkennung frauenspezifischer Fluchtgründe; wir demonstrierten für bessere Arbeitsbedingungen und gleicher Lohn für gleicher Arbeit. Andere Themen waren der herrschende Sicherheitsbegriff und was die Militarisierung der Gesellschaft für Frauen bedeutet, der Schönheitswahn, die geschlechtsspezifische Rollenverteilung oder die Diskriminierung von Lesben.
Klischees, Vorurteile, Prides und Parades Im Mai/Juni dieses Jahr kommt die Europride nach Zürich und somit tausende von lesbischwulen Menschen aus ganz Europa, die am Umzug teilnehmen und an den Partys feiern werden. Dass diese Leute auch sonst die Kassen klingeln lassen können, hat auch die Tourismusbranche herausgefunden, so zum Beispiel das Dolderhotel, das ein Sonderangebot anbietet. Doch steckt hinter diesem Umzug eigentlich mehr als nur Hedonismus und Kommerz, auch wenn er heute eher wie eine Street Parade daherkommt...
Die Demonstrationsparade erinnert an den Stonewall-Aufstand vor genau 40 Jahren in San Fransisco, als Trans*, Lesben und Schwule sich gegen die üblichen brutalen Polizeirazzien in einschlägigen Bars wehrten. Seither gehen jedes Jahr Schwulen, Lesben und Trans* für ihre Rechte sowie gegen Homo-, Lesbo- und Transphobie auf die Strasse. Denn dieser Kampf hat leider noch heute seine Berechtigung.
So wurden zum Beispiel die beiden Versuche in Belgrad eine Gaypride durchzuführen (2001 und 2008), gewalttätig angegriffen. Doch muss man nicht soweit gehen: Die Pius-Bruderschaft wetterte und bettete 2005 gegen den CSD in Luzern – und im Vorfeld der Gaypride 2001 in Sion gab es massive Drohungen von Neonazis und Rechtskatholiken. Die Pride verlief ohne Zwischenfälle aber mit fast gleich vielen Schaulustigen wie TeilnehmerInnen und mit noch mehr Klischees und Vorurteilen in den Köpfen.
Und diese Schaulustigen werden auch in Zürich an die Europride kommen – viele von ihnen haben vielleicht „nichts gegen Homosexuelle, aber...“ einige Vorurteile schwirren wohl nach wie vor herum...
Es gibt dann übrigens eine queere Alternative, die Offpride, die dem Ganzen das Politische, das Solidarische und das Nichtkommerzielle zurückgeben will.
FrauenLesbenKasama
:: FRAU SOLL HAT DIE NASE VOLL – FRAU EINSAM KÄMPFT JETZT GEMEINSAMSandra M. aus Zürich, 34 Jahre alt, zwei Kinder und alleinerziehend, erzählt über ihre Arbeitssituation.
Wo arbeitest du? Ich arbeite als Kassiererin in einem Warenhaus.
Wie sieht dein Anstellungsverhältnis aus? Ich arbeitete zunächst 50 Prozent. Später musste ich auf Arbeit auf Abruf umstellen, da der Betrieb umstrukturiert wurde.
Was bedeutet das für deinen Alltag? Ich arbeite jetzt wenn mein Chef mich braucht. Den Einsatzplan erhalte ich oft erst am Freitag der Vorwoche, manchmal werden die Einsätze noch kurzfristiger oder sogar am selben Tag bekannt gegeben. Und hin und wieder werde ich auch nach Hause geschickt, wenn man mich dann doch nicht braucht. Aufgeboten werde ich, wenn Sonderverkäufe anstehen, Kolleginnen krank sind, oder bei zusätzlichem Bedarf an Feiertagen. Wegen den unregelmäßigen Arbeitseinsätzen, der Anstellung im Stundenlohn und die nicht planbaren zusätzlichen Aufgebote, weiss ich nie, wieviel ich im nächsten Monat verdienen werde. Dazu kommt die Betreuung der Kinder, die gerade in Randzeiten nicht sicher gestellt werden kann. Und wenn dann noch ich oder eins meiner Kinder krank ist, und ich nicht arbeiten gehen kann, muss ich zwar zum Arzt gehen und ein Zeugnis bringen, aber bezahlt wird für diese Zeit nichts.
Lohn ist knapp und die Zukunft unsicher Sandra M. ist kein Einzelfall. Sie steht für jene schätzungsweise 20 Prozent der Erwerbstätigen in der Schweiz, die in prekären Arbeitsverhältnissen angestellt sind. Prekarität gehört im Kapitalismus dazu. Insbesondere in Krisenzeiten wie heute werden die von der ArbeiterInnenbewegung erkämpften Errungenschaften zu Nichte gemacht. Dauerhafte, stabile und rechtlich abgesicherte Arbeitsverhältnisse werden mehr und mehr abgeschafft und verdrängt durch zeitlich befristete, vertragslose Beschäftigungen ohne Sozialversicherungen, ohne garantierte Mindestarbeitszeit, ohne 13. Monatslohn.
Frauen sind am meisten von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen, aber auch Männer sind je länger je mehr betroffen.
Weg mit den prekären Jobs! Den Kampf gegen schlechte Arbeitsbedingungen auf die Strasse tragen! Für den Kommunismus!
Revolutionärer Aufbau
:: Gemeinsam für eine gewaltfreie Welt - unsere Ehre ist unsere Freiheit.Gewalt als Resultat des patriarchalen Systems
Gewalt gegen Frauen ist ein systematiches und strukturelles Machtmittel, mit-tels dessen Männer grenz-, klassen-, nations- und religionsübergreifend ver-suchen, ihren Verfügungs und Besitzanspruch über Frauen durchzusetzen. Bei Gewalt gegen Frauen handelt es sich um einen Übergriff auf die persönliche Integrität und die Missachtung ihrer grenzen. Gewalt findet in einem System statt, das Frauen strukturell benachteiligt und ihnen die Macht über sich selbst entzieht. Gewalt hält das System, welches von Männern für Männer geschaffen wurde aufrecht. Auch im 21. Jahrhundert, müssen wir feststellen, dass die Gewalt gegenüber Frauen - sei es häusliche, physische, wirtschaftliche, sexuelle, strukturelle oder staatliche Gewalt Bestandteil des täglichen Lebens ist.
Frauen, die bei keiner Art von Gewalt und Krieg parteiisch sind und diese Gewalt nicht akzeptieren, sind aber die leidtragenden, Während des 30-jährigen Krieges gegen die Kurdinnen verloren mehr als 30.000 Menschen ihr Leben. Tausende wurden aus ihren Dörfern vertreiben, mehr als 3000 Dörfer wurden von staatlichen Sicherheitskräften zerstört und entvölkert. Unzählige KurdInnen wurden ermordet und verhaftet. Gewalt, sexueller Folter und Vergewaltigung durch Sicherheitskräfte und den so gennanten Dorfschützern (bewaffnete örtliche Bevölkerung die mit Hilfe bewaffneter paramilitärischer Verbände den Staat vor Übergriffen schützen sollen) ausgesetzt.
Während Gewalt gegen Frauen in europäischen Ländern häufig immer noch als Privatsache, Ehekonflikt, oder Eifersuchtsmord verharmlost wird, werden Frauen aus der Türkei, Kurdistan und anderen Ländern des Mittleren Ostens mittels feudal-patriarchaler Gesellschafts- und Familiennormen unter Druck gesetzt. Hierzu gehören auch Zwangsheirat, Gewalt und morde im Namen der Ehre.
In der Weltgeschichte seien Frauen, die für eine Revolution gekämpft haben, mit der Zeit immer wieder in ihre alte Postion zurückgefallen und hätten keinen Raum im öffentlichen leben einnehmen können. Die kurdische Frauenbewegung hat gezeigt dass nicht sein muss. Mit ehren Erfahrungen ist sie an einem wichtigen Punkt angekommen. Kurdische Frauen haben sich in einem seit 30 Jahren währenden Kampf verändert und entwickelt. In einer Gegend in der junge Frauen ohne die elterliche Genehmigung nicht einmal das Haus verlassen können und in der 13 bis 14 jährige verkauft werden, haben Frauen angefangen in vorderster reihe des Befreiungskampfes zu stehen.
Wir wollen nicht länger Opfer dieser Verbrechen sein Wir brechen das schweigen über Täter und Taten in den Familien, im Freundes und Bekanntenkreis, am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit Daher fordern und kämpfen wir für ein selbstbestimmtes Leben! Für das recht auf ein Leben in Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit und Sicherheit! Für eine Welt ohne Gewalt, Ausbeutung und Unterdrückung!
PJA (Partei der freien Frauen)
::Communiqué zur Frauen-Demonstration in Zürich zum internationalen Frauenkampftag 2009Heute versammelten sich ca. 600 Frauen zum internationalen Frauenkampftag 8.März. Am Hechtplatz um 13:30 begann die Demonstration mit der Begrüssungsrede auf drei Sprachen. Über die historische Bedeutung des 8.März und über die Situation von Frauen weltweit wurde informiert.
Trotz vieler Errungenschaften in den Industrieländern, gibt es nach wie vor genügend Gründe auf die Strasse zu gehen. Zum Beispiel kämpfen die Frauen in der Schweiz für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen, für gleichen Lohn, gegen Sexismus und Gewalt an Frauen. In Afghanistan und Irak gehen die Frauen gegen den Krieg auf die Strasse. In Italien und USA gegen die Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruches durch Staat und Kirche. In der Türkei/Kurdistan gegen den Krieg gegen die KurdInnen, und dies sind nur wenige Beispiele.
Wütend und laut zog die Demonstration heute in Zürich vom Hechtplatz über die Bahnhofstrasse zur Kaserne, durch die Langstrasse zum Helvetiaplatz. Die Parolen und Forderungen waren nicht zu überhören. Vor allem in der Bahnhofstrasse wurden viele Flugblätter verteilt und Reden gehalten. Die Häuserwände wurden mit Sprüchen verschönert. Transparente, Schilder und Fahnen, Pfeifen und Trommeln begleiteten die kämpferische und laute Demonstration unter wolkenlosem Himmel.
Themen dieses Jahr:
Krise, Krieg und Armut Arbeitslosigkeit Prekäre Jobs und mieser Lohn Gleicher Lohn für gleiche Arbeit Arbeitsteilung / Hausarbeit Frauenspezifische Fluchtgründe Sexistische Gewalt Illegalisierte Sexarbeiterinnen Situation von Lesben Europride 2009 Ehrenmorde Internationale Solidarität Politische Gefangene weltweit Faschistische und rassistische Hetze
Auf dem Helvetiaplatz angekommen, gab es Musik, Reden, Kaffee und Kuchen - die Frauen tanzten und feierten den Erfolg der 8. März-Demo.
Zusammen sind wir stark, gegen Ausbeutung und Unterdrückung, gegen Kapital und Patriarchat!
Que viva la lucha de las mujeres!
Frau Soll hat die Nase voll! Gegen prekäre Jobs und miesen Lohn. Frau Einsam kämpft jetzt gemeinsam!
"Ich bin nicht frei, solange noch eine einzige Frau unfrei ist, auch wenn sie ganz andere Ketten trägt als ich!" (Audre Lorde)
Frauenbündnis zum 8. März (FrauenLesbenCafé Winterthur, Frauenstruktur des revolutionären Aufbaus, FrauenLesbenKasama, Partei der freien Frauen und Einzelpersonen) |
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