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:: G8'08 beginnt anders
Osaka ist für Leute mit politisch-historischen Kenntnissen im Kontext Japan ein Begriff wenn es sich um entschlossene ArbeiterInnenkämpfe handelt. Zwischen 1961 und 1992 gab es über 20 Aufstände von ArbeiterInnen, die nicht nur klassische Forderungen nach „mehr Lohn bei weniger Arbeit“ beanspruchten, sondern auch stets den repressiven Staat als solchen anprangerten. Das Letztere war dann auch ausschlaggebend für die erneuten Ereignisse. Die Rebellionen von Osaka, die nun seit 16 Jahren scheinbar in einer alltäglichen Ruhe von Tagespolitik und deren Probleme übergangen waren, entflammte sich zeitgleich mit dem Beginn der G8, namentlich dem G8-Finanzminister-Treffen in Osaka aufs Neue. Was zunächst mit einer Beschwerde vor dem Polizeirevier von Nishinari (einem Stadtteil von Osaka) begonnen hatte, entzündete altbekannte Zeiten.
Grund war zunächst, dass ein Arbeiter in einem Restaurant nicht bedient wurde, weil er angeblich nicht in das Bild des Lokals passe würde, er stinke usw. Dies empfand der Arbeiter – verständlicherweise – als Diskriminierung wegen seiner „Klassenzugehörigkeit“ und regte sich im Lokal auf, wollte sich bei der Geschäftsführung beschweren. Diese wollte nicht mal zuhören und verständigte die Polizei verständigte. Auf dem Polizeirevier wurde die Situation nochmal gestiegert, dort gab es neben weiteren Beschimpfungen obendrauf auch noch Tritte und Schläge. Nach seiner Entlassung erzählte der Arbeiter, was ihm widerfahren war anderen ArbeiterInnen, die dann gemeinsam nochmals vor das Polizeirevier gingen, um ihre Besorgnis gegen diese charakteristische Behandlung von Menschen aus unteren Schichten kund zu tun. Das war am 12.Juni um ca. 18:30.
:: Repressionen des Alltags
Soweit nichts außergewöhnliches. Repressionen des Alltags. Auch die Reaktion der Betroffenen ist – normalerweise – für die Polizei nicht weiter aufregend, wenn sich ein paar Dutzend ArbeiterInnen vor dem Revier kurz über irgendwas aufregen müssen. Doch diesmal anders: schliesslich haben wir G8 in der Stadt – und das bedeutet, die Polizei (wegen angeblich gewaltbereiter Bedrohung der Sicherheit durch Proteste von G8-GegnerInnen) einen besonderen Film am laufen. Also war der geniale Plan mit Hundertschaften von Riotcops vor dem Polizeirevier aufzutauchen und Macht – das heisst Gewalt – zu demonstrieren. Die Riotcops gingen in passender Manier zu ihrem Outfit gegen die ArbeiterInnen vor. Doch der Plan ging in die umgekehrte Richtung los: innerhalb kurzer Zeit machten die Ereignisse die Runde und es wurden immer mehr Menschen, vor allem ArbeiterInnen aus der Gegend, die sich vor dem Polizeirevier Nishinari sammelten und diesen immer wieder angriffen. Dazu kam, dass wegen den G8 jede menge internationale Presse anwesend war und somit sich eine Möglichkeit für die ArbeiterInnen bot, ihre Probleme in einen breiteren Kontext zu stellen. Die Riots dauerten 5 Nächte, bis zum 17.Juni – der Nachhall zieht weite Kreise...
Das ironische Fazit von Osaka: Die Polizei gehört zu jeder guten Aktion einfach dazu.
Videos (Kommentar auf italienisch): 1 | 2
:: Tipps zur Anreise
Wie versprochen Tipps für die Einreise, für alle, die den No-G8 Protest in Japan nicht versäumen wollen:
Es gab zwar AktivistInnen (vor allem aus Korea) denen die Einreise nach Japan verwehrt wurde, doch überwiegend können Leute problemlos einreisen (bis jetzt konnten sogar Personen, die auf sogenannten „schwarzen Listen“ in Europa stehen, einreisen). Für Einreisende mit europäischen Pass – das liegt am globalen Rassismus – scheint es ohnehin kaum Schwierigkeiten zu geben.
Wenn es bei der Grenze zu Probleme geben sollte, haben Rechtsanwälte von legal team gemeinsam mit Amnesty Intenational eine Hotline eingerichtet. Die Teilnahme an einer Demonstration ist kein rechtlicher Grund, um jemenschen die Einreise nach Japan zu verweigern. Im Notfall meldet euch: 080-3410-2780 bzw. (ausserhalb von Japan) : +81-80-3410-2780
Es ist trotzdem nicht sinnvoll beim Formular, den jede/r bei Einreise ausfüllen muss, unter „Zweck des Aufenthalts“ den NoG8 Protest anzugeben oder als „Ort des Aufenhalts“ das Camp in Hokkaido. Die Beamten werden dann wahrscheinlich nicht so erfreut sein und versuchen Gründe zu finde einem Schwierigkeiten zu machen, zumindest einen länger bei der Einreise warten zu lassen. Also übt euch im Spiel als AgentInnen, das heisst begibt euch unter das TouristInnentum, gebt als Ort ein Hotel an, wo ihr angeblich vorhabt zu übernachten und zieht euch dementsprechend an.
mehr Tipps zur Einreise (auf Englisch).
also es bleibt dabei: Shut down G8: eine andere Welt ist möglich! und viel Spass in Japan...
:: Sonstige Artikel zum G8 in Japan:
- 21.03.08 No G8 Infotour
- Japan: Massive Repression im Vorfeld des G8-Gipfels
- ein Artikel über die »Allgemeine Freeters Union« (anarchosyndikalistische Basisgewerkschaft in Japan) erschien in der »Direkte Aktion« Nr. 187
- Hokkaido: NoG8 bricht aus unkontrollierte Demo durchbricht Polizeilinien
- Globaler Aktionstag gegen Arbeitsbedingungen bei Starbucks
- 3'000 köpfige Demonstration durchquert Hokkaido
- Tokyo: absurde Polizei und eine Demo
- Feature zum Gipfel auf indymedia.at
Update 11.07.08: - International call for solidarity actions against G8 repressions (en) - Final statement by international activists (en) - (en/es) - We denounce the arrests and detentions of participants in excessively policed demonstrations (en) - G8: Japan at the forefront of global governance (en) Aktuelle deutschsprachige Informationen zum G8 in Japan | Englischsprachige Website aus Japan mit Infos zu den Protesten | indymedia japan |
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NoG8 Information (englisch, japanisch)
Action-Network (englisch, japanisch)
Camp in Hokkaido
Gipfelsoli (mehrsprachig)
(englisch)