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Sanitarios Maracay ist eine riesige Fabrik, die mehr als 1.000 ArbeiterInnen beschäftigte und mit einer Produktion von bis zu 2.500 vollständigen Badezimmern pro Woche 70% des venezolanischen Marktes für Badezimmerinventar kontrollierte. Aber das Geschäft entwickelte sich 2003 in eine Spirale nach unten und schließlich meldete der Besitzer Konkurs an. Als er im November 2006 ankündigte, dass alle ArbeiterInnen entlassen und unter wesentlich schlechteren Bedingungen neu angestellt werden sollten, besetzten die ArbeiterInnen die Fabrik und begannen unter ArbeiterInnenkontrolle zu produzieren.
Die Haltung der venezolanischen Regierung war gegenüber der Besetzung von Anfang an feindlich. Die Regierung hatte zuvor einige Betriebe, die von ihren Besitzern aufgegeben worden waren, verstaatlicht, beispielsweise die Fabriken Inveval und Invepal. Aber der Arbeitsminister José Ramón Rivero verweigerte beharrlich die Verstaatlichung von Sanitarios Maracay; mit dem Argument, dass der Betrieb für die venezolanische Industrie einfach nicht "strategisch" sei. Die ArbeiterInnen betonten, dass die Regierung ein riesiges Wohnbauprojekt, Petrocasa, betreibt, das alleine in diesem Jahr 18.000 Badezimmer benötigt. Aber die Regierung gab den Auftrag der anderen großen Keramikfabrik in Maracay, einem normalen kapitalistischen Betrieb.
Nach neun Monaten gingen dem Kampf bei Sanitarios Maracay langsam die Luft und das Geld aus. Die harte Linie der bolivarianischen Regierung demoralisierte eine große Zahl von ArbeiterInnen, die auf die Unterstützung ihrer Regierung gehofft hatten. "Wir hatten Besucher aus den USA, Deutschland, Frankreich, Korea und von überall auf der Welt. Die einzige Person, die uns nicht besucht hat, ist Chávez, obwohl er nur 90 Kilometer entfernt lebt", kommentiert José Villegas, einer der Streikführer. Am 10. August 2007 gelang es dem Arbeitsministerium, der Gewerkschaftsbürokratie und dem Verwaltungspersonal der Fabrik in einer koordinierten Aktion, das Streikkomitee abzusetzen und eine Mehrheit der ArbeiterInnen zu überzeugen, ein Schlichtungsabkommen zu akzeptieren. Sie bekamen zumindest umgerechnet etwa 1400 Dollar pro Person und beendeten die Besetzung.
Nur eine kleine Minderheit der ArbeiterInnen entschied sich für die Fortsetzung des Kampfes, etwa 60 KollegInnen (von 600, die die Besetzung neun Monate vorher begonnen hatten). Im Dezember 2007 besetzten sie eine kleine Produktionseinheit, auf der anderen Seite der Straße des Hauptkomplexes, wo Plastikteile der Badezimmer-Produkte hergestellt werden. In den letzten sechs Monaten haben sie Toilettensitze und ähnliche Produkte hergestellt und sie auf der Straße verkauft.
Im letzten Jahr gab es in der deutschsprachigen Linken wenig Information über Sanitarios Maracay. Das liegt hauptsächlich daran, dass zuvor die meisten Berichte von der "International Marxist Tendency" (IMT) von Alan Woods publiziert worden waren, deren strategisches Ziel ein Verhandlungsabkommen zwischen den ArbeiterInnen und der Regierung war. Als die Regierung Verhandlungen verweigerte und sich die Konfrontation zuspitzte - die Staatsmacht attackierte die ArbeiterInnen auf dem Weg zu einer Demonstration in Caracas im April 2007 auf brutale Weise und die ArbeiterInnen von Maracay antworteten mit einem regionalen Generalstreik - entschied die IMT-Gruppe sich zurückzuziehen. "Die Leute von FRETECO [die Gewerkschaftsfront der IMT] kommen nicht mehr vorbei", sagte Marco Pacheco, einer der Führer der BesetzerInnen, "sie haben eine sehr freundliche Position gegenüber der Regierung." Der Chavismus der IMT geht so weit, dass sie die ArbeiterInnen dafür verantwortlich machen, dass die Regierung das Werk nicht verstaatlichte - sie argumentieren, dass der regionale Generalstreik die wohlmeinende "revolutionäre" Regierung verschreckt hätte.
Die ArbeiterInnen von Sanitarios Maracay brauchen verzweifelt Solidarität, um die Produktion aufrechterhalten zu können. Verbreitet die Informationen und sammelt Geld zur Unterstützung der Besetzung!
Von Wladek Flakin (unabhängige kommunistische Jugendorganisation Revolution/Berlin)
http://www.revolution.de.com/
Übersetzt aus dem Englischen und in Zusammenarbeit mit der RSO (Revolutionär Sozialistische Organisation), www.sozialismus.net Übersetzung: Eric Wegner (RSO Wien Süd/West)
Aktuelle Analysen der RSO zur Entwicklung in Venezuela: Teil 1: "Bolivarischer Prozess" und Klassenkampf
http://www.sozialismus.net/ue_texte/weiter-venezuela_1.html
Teil 2: PSUV und ArbeiterInnenbewegung
http://www.sozialismus.net/ue_texte/weiter-venezuela_2.html
Teil 3: Referendum und weitere Perspektiven
http://www.sozialismus.net/ue_texte/weiter-venezuela_3.html
Broschüre der RSO: Für eine sozialistische Revolution in Venezuela. Bilanz und Perspektiven des "bolivarischen Prozesses" und die Chancen für die Arbeiter/innen/klasse. Mai 2006, 96 Seiten A5, 3,50 Euro
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