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POLITISCHE MAPUCHE GEFANGENE IN KRITISCHEM GESUNDHEITSZUSTAND
Daniela Estrada, IPS, 10.12.07
Am 57. Tag ihres Hungerstreiks ist der Gesundheitszustand der politischen Mapuche-Gefangen in der kritischen Phase angelangt. Zwei der wegen "terroristischer Vergehen" Inhaftierten, haben bereits 2006 mehr als drei Monate lang die Nahrungsaufnahme verweigert. Bei den Gefangenen handelt es sich um José Huenchunao, Jaime Marileo, Héctor Llaitul, José Millalén und die Aktivistin Patricia Troncoso, die als einziges nicht in direkter Linie vom Volk der Mapuche, der grössten Ethnie Chiles, abstammt.
Die Streikenden, die nur Wasser und den traditrionellen Matetee zu sich nehmen, haben zwischen 16 und 22 kg verloren und leiden unter Schwindelanfällen, Sehproblemen, Nierenversagen und Kreislaufstörungen. Ihr Zustand ist derart kritische, dass die Gendarmería (Gefängnisschutzwache) die Justiz eingeschaltet hat, um eine jederzeitige Verbringung der Gefangenen ins Hospital von Angol, im Süden des Landes, unternehmen zu können. Dort sollen die Hungerstreikenden gegen ihren Willen zwangsernährt werden; siehe hierzu Bericht und Links zum Verlauf des Hungerstreiks: http://de.indymedia.org/2007/12/201778.shtml
Marileo und Troncoso wurden 2001 wegen terroristischer Brandstiftung zu einer Haftsstrafe von 10 Jahren und einem Tag verurteilt und sind seither im Gefängnis. Ausserdem müssen sie zusammen mit anderen, für schuldig Befundenen ca. 840.000 Dollar an die geschädigte Holzfirma zahlen.
Huenchunao, der Gründer der radikalen Coordinadora Arauco Malleco (CAM), der wegen deselben Delikts verurteilt ist, war bis März diesen Jahres auf der Flucht vor der Justiz.
Bei den "Terrorakten" handelt es sich um das Niederbrennen von 100 ha Pinienanpflanzung der Holzfirma Mininco, im ca, 670 km von Santiago entfernten Ercilla, in der Region des von den Mapuche als ihr traditionell angestammtes Territorium angesehenen Araucanía/Araukanien.
Um diesen und andere Widerstandshandlungen der Mapuche gegen ihre Enteignung, Vertreibung und Diskriminierung verurteilen zu können, brachte der damalige Präsident Ricardo Lagos (2000-2006), das von der Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) eingeführte Antiterrorismusgesetz zur Anwendung. Diese Vorgehensweise wurde und wird von nationalen und internationalen Menschenrechtsorganismen scharf kritisiert, die die verhängten Strafen als unverhältnismässig ansehen und die politischen und territorialen (Rechts-) Forderungen der Mapuche nicht als Terrorakte einschätzen sondern für legitim erachten.
Die wegen diesem Fall in Angol, Araucanía, Einsitzenden, haben stehts ihre Unschuld gegenüber den Anschuldigen erklärt.
Llaitul, ebenfalls Mitglied der CAM, befindet sich in Untersuchungshaft. Ihm werden mehrere Vergehen zur Last gelegt; darunter die besagte Brandstiftung. Millalén ist wegen Verstosses gegen das Gesetz zur Inneren Sicherheit des Staates, zu vier Jahren und einem Tag verurteilt.
Die Gefangenen haben in mehreren Kommuniques ihre Forderungen, die die extreme Massnahme des Hungerstreiks erklären, zum Ausdruck gebracht. Die wichtigsten davon sind die sofortige Freilassung aller - 20- politischen Mapuche-Gefangenen, die Entmilitarisierung ihrer Gebiete und die Beendigung der Repressionen gegen die Mapuchegemeinden, die aktiv für ihre politischen und territorialen Rechte kämpfen.
Ausserdem verlangen die Hungerstreikenden die Einstellung der gegen die Mapuche-Dirigenten gerichteten, politisch-rechtlichen Konstruktionen.
Jaime Marileo und Patricia Troncoso hatten gemeinsam mit anderen Angehörigen der Mapuchegemeinschaft bereits zwischen März und Mai 2006 einen Hungerstreik von 72 Tagen durchgeführt, der von 67 Personen fortgesetzt worden war.
Diesen Humngerstreik hatten sie abgebrochen, weil sie Hoffnungen in ein von Parlamentsbeamten vorgelegtes Gesetzesprojekt gesetzt hatten, das per einem Dekret, mit dem die Strafen in eine Entlassung unter Auflagen verwandelt werden sollte, ihre Freilassung in Aussicht gestellt hatte. Diese Alternative, die jedoch vom Parlament abgelehnt wurde, war nach einer massiven Kampagne zur Sensibilisierung der nationalen und internationalen Öffentlichkeit entstanden.
Der Vater von Patricia Troncoso, kommentierte gegenüber IPS: "Ich habe drei oder vier Briefe an die Präsidentin Michelle Bachelet geschrieben. Doch ich erhielt nur die Mitteilung, dass sie diese nicht beantworten könne, weil sie zu beschäftigt sei" und hoffnunglos fügte er hinzu:"Die Regierung hat zu nichts Stellung bezogen. Wir haben um die Einrichtung einer Dialogrunde gebeten, aber wir wissen nicht, was wir noch tun sollen, damit sie uns be-achten".
Patricia Troncoso (37), die sich stark für die Belange der Mapuche engagiert, selbst sagt: "Wenn sie uns in korrekter Weise inhaftiert hätten, wäre die Lage normal. Aber die Verfahren waren voller Unregelmässigkeiten: Es gab falsche, bezahlte und vermummte Zeugen".
Angesichts der Gleichgültigkeit der Autoritäten haben sechs Angehörige und Freunde der politischen Mapuche-Gefangenen am 21. November ebenfalls einen Hungerstreik begonnen. Weitere Angehörige und Unterstützende errichteten letzte Woche ein Protestcamp auf dem Aussengelände des Gefängnisses von Angol. Zu ihrer Einschüchterung hat die Wachgarde inzwischen bereits Warnschüsse abgegeben.
Das öffentliche Zentrum für Menschenrechtsbeobachtung mit Sitz in Temuco, hat am vergangenen Mittwoch die Autoritäten aufgefordert, den Rechtsforderungen der Gefangenen Mapuche zu entsprechen: "Wir sind weiterhin der Überzeugung, dass ihre Strafen ungerecht sind und dass ihre Inhaftierung die dramatische Konsequenz der Politik der Kriminalisierung des sozialen Indigenaprotestes ist, die von den Regierungen der Pakts der Politischen Parteien für Demokratie, die seit 1990 an der Macht sind, in Gang gesetzt worden ist".
Im Verlauf der vergangenen Monate haben in Temuco, Santiago und weiteren Städten Chiles Demonstrationen für die Lösung des Konflikts stattgefunden, der auch in Europa ein Echo gefunden hat. Der Richter im Ruhestand Juan Guzmán der den Fall gegen Pinochet führte, ist eine der wenigen Persönlichkeiten, die sich öffentlichen zugunsten der Hungerstreikenden ausgesprochen haben.
Seit 2006 bemüht sich eine Gruppe von MenschenrechtsanwältInnen, gesetzliche und administrative Lösungen für diesen Fall zu finden. Einer von ihnen ist Alberto Espinoza, der die Hungerstreikendem am 02. Dezember besucht hat. Er war Teil der Menschenrechtskomission der Abgeordnetenkammer, die sich bemüht hat, die Realität der Indigenas darzulegen und die ParlamentarierInnen dazu zu bewegen, ein Gesetzesprojekt zu befürworten, das die Strafen für Brandstiftung herabsetzt. Dank der Unterzeichnung von neun Legislaturbeamten wird die Gesetzesinitiative an diesem Dienstag eingebracht werden. Sie war auch das Ziel eines Treffens von Espinoza mit dem (für Parlamentsbeziehungen zuständigen) ministeriellen Generalsekrätär der Präsidenz, José Antonio Viera-Gallo, der jedoch lediglich versparch, "die Situation zu studierten". Der Anwalt schätze seine Haltung dennoch "als positiv" ein.
Eine andere, von den MenschenrechtsanwältInnen vorgeschlagene Alternative, ist die Zusage verschiedener Hafterleichterungen wie Freigänge nach Hause und die Verlegung in ein Gefängnis auf dem Land. Espinoza, Anwalt der Fundation für Soziale Unterstützung der Christlichen Kirche, glaubt dass alle diese Schritte, die Mapuche und die Aktivistin aufmuntern und dazu bewegen können, ihren Hungerstreik einzustellen. Gleichzeitig aber bezeichnet er es als schwierig, dafür eine Garantie zu geben, "denn die Rechtsforderungen, die sie stellen, sind keine Angelegenheit einer sofortigen Lösung".
Die Angehörigen der Gefangnen ihrerseits, haben den ebenfalls Anwalt für Menschenrechte Humberto Lagos damit beauftragt, einen Dialogtisch durchzusetzen, an dem u.a. die Regierung und die Katholische Kirche, die sich besorgt über den Fall gezeigt hat, beteiligt sein sollen. Die Dialoggruppe soll sich mit den fragwürdigen Gerichtsverfahren, die bislang gegen Mapuche- Comuneros geführt worden sind, befassen sowie mit den repressiven Aktionen, die von den Gemeinden angeklagt wurden, die politische und territoriale Rechtsforderungen erhoben haben. Lagos sagte gegenüber IPS, dass er mit baldigen Neuigkeiten rechnet.
"Ich habe heute mit meiner Tochter gesprochen, erzählt indessen der Vater von Patricia Troncoso, und sie gebeten, den Hungerstreik einzustellen. Aber sie will nicht. Sie sagt, dass ihn bis zu den letzten Konsequenzen fortsetzen wird".
( Quelle: http://www.ipsnoticias.net/nota.asp?idnews=86833 )
freie Übersetzung:tierr@
Links zu weiteren Berichten in deutsch unter:
http://de.indymedia.org/2007/12/201778.shtml
Links zu Informationen in spanisch: Wallmapu: Estado chileno logra detener al máximo dirigente de la Coordinadora Arauco Malleco, CAM: http://clajadep.lahaine.org/articulo.php?p=8037&more=1&c=1 25.11.07 PuelMapu: Grupo Parapolicial ataca a Mapuche en Picún Leufú
http://euskalherria.indymedia.org/eu/2007/11/43264.shtml 12.11.07 Se agrava la salud de los presos políticos mapuches
http://www.anred.org/article.php3?id_article=2337 04.11.07 Libertad para las prisioneras políticas Mapuche: Chile – En huelga de hambre MAPUCHES de la Comunidad Juan Paillalef: http://www.pachakuti.org/textos/campanas/indigenas/mapuche_presas_liber2.html 24.08.07 Waikilaf Cadin Calfunao, Carta Abierta Desde la Carcel de Alta Seguridad
http://www.klinamen.org/article2951.html 05.08.07 Frente de lucha Mapuche campesino y Askapena
http://barcelona.indymedia.org/newswire/display/311089/index.php 11.07.07 Gobierno chileno silencia el uso de la tortura”
http://www.diagonalperiodico.net/article4307.html 06.07.07
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