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Treffpunkt war um 17.00 Uhr vor der Zentrale der FPÖ an der Ecke Mariahilferstraße / Theobaldgasse. Es war sehr viel Polizei anwesend, um die Gebäude, in denen die Rechtsextremen ihr Pläne schmieden, vor möglichen Attacken zu beschützen. Von der FPÖ-Zentrale ging es nach einiger Zeit durch den 6. Bezirk zur Bude der Burschenschaft Olympia in der Gumpendorferstraße 149.
Dort gab es einige Gerangel mit der Polizei. Es flogen ein paar Leuchtraketen und auch die graue Fassade bekam etwas frische Farbe ab. Damit wurde sie einmal mehr verziert, denn es finden sich dort fast immer Sprayereien, wie die einfache Aussage "Nazischweine". Die Burschenschafter hatten das Licht ausgemacht und versteckten sich offenbar angesichts der antifaschistischen Übermacht, obwohl zahlrevomdurch den Lautsprecherwagen und nach einigen Reden, die wieder mal viel zu lange dauerten (vor allem weil es so viele waren) ging es weiter über den Gürtel bis zur Koppstraße.
Dort bog die Demo in den 16. Bezirk und machte vor dem Haus in der Koppstraße 72 halt. Hier befindet sich ein weiterer zentraler Ort des Rechtsextremismus: Das Dr.-Fritz-Stüber-Heim der Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AFP), in dem sich immer wieder Rechtsextreme und Neonazis treffen. Die Polizei hat in diesem Haus schon des öfteren Neonazistische Propaganda beschlagnahmt. Nachdem vor einigen Jahren ein Waffenlager dort ausgehoben wurde, musste die AFP das ehemalige Freiherr-von-der-Trenck-Heim 1993 umbenennen. Doch diese Änderung ist nur eine kosmetische und es ist ein offenes Geheimnis, dass dieses Haus aktuell eines der wichtigsten Zentren der Neonaziszene in Wien ist. Mehr dazu unter: http://at.indymedia.org/newswire/display/54917 und auf http://doew.at (unter Projekte - Rechtsextremismus).
Ein paar Neonazis waren an diesem Abend auch anwesend, als die Demo kam. Sie ließen es sich nicht nehmen, mit einer Fahne kurz vor das Haus zu kommen. Angesichts der zahlreichen AntifaschistInnen, die sofort versuchten, die Polizeiabsperrung zu überwinden, wurden sie von der Polizei sofort zurück in ihr Zentrum gedrängt. So gab es dann noch einen kurzen Versuch, die Tretgitter der Polizei zu beseitigten, was aber nicht gelang.
Nach einem weiteren Redeschwall wurde die Kundgebung aufgelöst und eine Demo zog zurück zum Gürtel. Dabei wurden, wie schon mehrmals zuvor, ein paar Nazis gesichtet. Doch waren die Antifas zu langsam - und die Nazis schafften es, ohne Blessuren davon zu kommen. Und die PolizistInnen zeigten, dass es gar nicht so leicht ist, derart ausgepolster und schwer bewaffnet zu sprinten...
Zur Demo hatten unterschiedliche Gruppen aufgerufen. Deshalb gab es im Vorfeld auch Kritik an der Demo. So schrieb no-racism.net: "Des Weiteren findet am 9. November auch eine antifaschistische Demonstration in Wien statt. Im offiziellen Aufruf zur Demo wird jedoch gerade mal in zwei Sätzen auf den Novemberpogrom 1938 hingewiesen. Dafür werden u.a. eine "Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn und Mindestlohn", "soziale und demokratische Rechte für alle, die hier leben" und "Schluß mit der Hetze gegen MigrantInnen" gefordert." Dieser "offizielle Aufruf" findet sich hier: http://slp.at/index.php/artikel+M58db2f37235
Der Vollständigkeit halber wird noch angeführt, dass es auch einen weiteren Aufruf einer autonomen Gruppe gibt. Dieser wurde auch unter http://no-racism.net/article/1866 veröffentlicht. Die Kritik mag zum Teil berechtigt sein, doch sollte angemerkt werden, dass es in letzter Zeit zu vermehrten rassistischen Übergriffen kommt und die militante Neonaziszene wieder aktiver geworden ist. Sie scheint besser vernetzt und es ist aus der Vergangenheit bekannt, dass die Nazis den 9. November der rechtsextremen bis neofaschistischen Szene mehrere Gründe zu feiern bietet: gescheiterter Hitlerputsch in München, Novemberpogrom 1938, Fall der Mauer.
Und vor einigen Jahren kam es in diesem Zusammenhang auch zu einem Übergriff. In der Nacht vom 8. auf den 9. November 1997 veranstaltete die deutschnationale Burschenschaft Olympia ein Gedenkbesäufnis in ihrem Haus in der Gumpendorferstraße. Gegen ein Uhr in der Früh kam eine Gruppe von jugendlichen Antifas am Olympia-Haus vorbei und vermeinten aus dem Haus "Sieg Heil"-Rufe zu hören. Als Reaktion darauf begannen die Antifas ArbeiterInnenlieder zu singen. In der Folge entwickelten sich einige Schreiduelle mit den Burschenschaftern. Diese kamen nach und nach vor die Haustür und die Situation eskalierte. Nach den zunächst noch glimpflich verlaufenden Rempeleien setzten einige Burschenschafter Tränengas gegen die Antifas ein. Mittlerweile waren die Burschenschafter auch eindeutig in der Überzahl. Die Antifas ergriffen daraufhin die Flucht, sechs von ihnen blieben jedoch, vom Tränengas außer Gefecht gesetzt, liegen. Mehr dazu unter: http://www.nadir.org/nadir/periodika/tatblatt/87olympia.htm
Dass dies gerade vor der Bude der Olympia geschah, ist sicher kein Zufall, denn diese Burschenschaft zählt zu jenen, die am weitesten rechts und dem Gedankengut des NS nahe stehen und ist seit mehreren Jahrzehnten in verschiedenste terroristische Aktivitäten verwickelt ist. Nachdem in Folge ihres "Freiheitskampfes" für Südtirol mehrere Menschen ermordet wurden, wurde die Olympia 1961 behördlich verboten. Doch auch in den folgenden Jahren waren die Olympen aktiv - sie organisierten sich zwischenzeitlich in der Burschenschaft Valdania - bis 1974 die "Akademische Tafelrunde Olympia" gegründet wurde. Mehr zur Olympia unter: http://www.nadir.org/nadir/periodika/tatblatt/88olympia2.htm
Ein Überblick über weitere Veranstaltungen zum 9. November 2006 findet sich unter: http://no-racism.net/article/1867
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Ein Artikel zur Verharmlosung des NS durch FPö-Abgeordnete findet sich unter: