|
Die G8 besuchen Basel
Ein unerwarteter Besuch sorgte am Donnerstagabend in Basel für Erstaunen: Die G8 hatten kurzfristig ihre Sitzungen in Gleneagles unterbrochen, um Basel einen kleinen Besuch abzustatten. Golf spielend und Champagner trinkend schlenderten sie mit ihrem Gefolge durch die Strassen und Gassen der Stadt und verteilten ihre Propaganda.
Wer hätte das für möglich gehalten? Unter völliger Geheimhaltung hatten die Staatschefs von Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, Kanada, Russland und den USA einen kurzen Ausflug in die Schweiz unternommen. „Man kann ja nicht immer nur arbeiten, Erholung muss auch sein.“ Meinte Bundeskanzler Schröder auf Anfrage. Dieser Meinung waren auch die anderen Staatschefs. „Today we will enjoy city-golfing in Basel, other things can wait.“* So Präsident Bush. Die Reaktionen der Passanten waren gemischt. Einige meinten, es sei geschmacklos am heutigen Tag einen solchen Ausflug zu machen. Die Staatschefs waren jedoch der Meinung, dass man am geplanten Programm festhalten sollte.
Nach der Golfpartie wurde mit Champagner angestossen, bevorzugt vor UBS-Filialen. „Sake wäre mir persönlich lieber gewesen, aber Präsident Chirac hatte diese Champagner-Flaschen dabei, und wir wollten ihn nach der Olympia-Niederlage nicht noch einmal kränken“ so der japanische Ministerpräsident Koizumi. Es wurde während dem Golfen und Anstossen aber durchaus auch über politische Themen diskutiert. Blair, der als Privat-Caddy von George Bush den Wagen ziehen musste, meinte etwas ausser Atem: „Die Zusammenarbeit mit Bob Geldoof, eh, Geldof fand ich sehr zufrieden stellend. All diese Leute an den Live8 Konzerten haben friedlich konsumiert und uns nett gebeten, unsere Macht zu benutzen, was wir auch gerne tun. So etwas gefällt uns. Diese Leute sind nicht wie die Anarchisten und Antikapitalisten, die unsere Legitimation, überhaupt solche Entscheidungen zu fällen, in frage stellen.“ Währenddessen waren Bush und der russische Präsident Putin in eine angeregte Diskussion vertieft, in der es um die besten Methoden ging, „islamistische Terroristen auszuräuchern“, ob im Irak oder in Tschetschenien. Sie wurden jedoch von Silvio Berlusconi unterbrochen, der ihnen seinen Begleiter, einen Schönheitschirurgen, vorstellen wollte. Nach dem Spaziergang durch das Stadtzentrum, nachdem alles Propagandamaterial verteilt war, wurde noch ein letztes Mal angestossen bevor man sich auf den Weg zurück nach Gleneagles machte.
*„Heute werden wir das Stadt-Golfen in Basel geniessen, andere Dinge können warten.“
Flyer-Text
Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger
Wir, die Grossen Acht – die acht mächtigsten Industrienationen der Welt - wenden uns hochachtungsvoll an Sie, um auf unser diesjähriges Treffen in Gleneagles im idyllischen Schottland, aufmerksam zu machen. Um unsere wertvolle Zeit nicht sinnlos zu vergeuden, finden sämtliche Treffen unseres exklusiven Männerclubs unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wie Sie sicher schon durch unsere Medien erfahren haben, werden wir uns auch in diesem Jahr wieder mit all unseren Kräften bemühen, den Weltfrieden und die Vollbeschäftigung - und somit unseren Wohlstand - auch weiterhin zu garantieren. Um einige hoffnungslos rückständige Länder, die immer noch nicht begriffen haben, wie man in unserem System zu Wohlstand kommt, vor dem sicheren Ruin zu retten, streichen wir sogar deren Schulden! Dadurch können wir sicherstellen, dass diese Länder auch weiterhin fähig sind neue Kredite in der nördlichen Hemisphäre aufzunehmen. Einen grösseren Beweis für unsere Aufrichtigkeit und guten Willen kann es gar nicht geben. Die meisten Entwicklungs- und Schwellenländer haben leider immer noch nicht verstanden, dass Privatisierung, Freihandel und das Anlocken von unseren transnationalen Firmen durch Steuervorteile – sprich die völlige Ein- bzw. Unterordnung in unserem Wirtschaftskreislauf - die einzige Möglichkeit zum Überleben ihrer Nation darstellt. Hier ist wohl noch ein wenig sanfter, väterlicher Druck unsererseits notwendig. Doch wir sind zuversichtlich, dass die Weltbank, der Internationale Währungsfond (IWF) und notfalls unsere Streitkräfte auch in diesem Punkt erfolgreich sein werden. Doch wie Sie sicher wissen, werden auch in diesem Jahr einige verantwortungslose, antidemokratische Subjekte versuchen, gegen unser Treffen zu protestieren und unsere guten Absichten in Frage zu stellen. Und das nur, weil wir daran glauben, dass Konkurrenzkampf und wirtschaftlicher Egoismus Wohlstand bringen und dass durch Krieg der Frieden gesichert werden kann – wie dies zuletzt im Irak geschehen ist. Wir glauben auch, dass nur durch den Freihandel die Menschen auch wirklich frei sein werden, das heisst, dass sie die Chance haben sich frei zu vermarkten, was die höchste Form der Freiheit darstellt. Um Ihnen vor Augen zu führen, wie weltfremd diese Idealisten, Träumer und Chaoten sind, haben wir diesem Schreiben einen unserem System feindlich gesinnten Text beigefügt. Überzeugen Sie sich selbst.
Freiheit für alle Märkte und Investoren! Ja zu Menschenrechten – wenn wir davon profitieren! Wirtschaftswachstum vor Umweltschutz! Friedenssicherung dank überlegener Feuerkraft! Wohlstand für uns Reiche! Patente sind die beste Medizin!
Die G8: Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, Kanada, Russland, USA
oben ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- unten
Warum wir gegen die G8 protestieren
Was im Fernsehen wie eine nette Plauderrunde und Schulterklopfen unter den selbst ernannten Heilsbringern der Welt aussieht, hat weitreichende Folgen für Milliarden von Menschen, die selbst von diesen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen sind. Die „Gruppe der Acht“ steht für eine Politik, die auf wirtschaftliche und militärische Macht, auf weltweite Ausbeutung und Unterdrückung statt auf Gerechtigkeit setzt, auch wenn die Politiker, während sie in die Kameras lächeln, natürlich das genaue Gegenteil behaupten. In den letzten Jahren geben die G8 vermehrt vor, nach Lösungen für die Probleme der Welt zu suchen. Sie geben vor, Hunger, Krieg, Armut und Umweltzerstörung zu bekämpfen, indem sie das System ausbauen und stabilisieren, das genau diese Probleme erst produziert hat. Die G8 sehen sich selbst als die „am weitesten entwickelten“ Staaten; und setzen alles daran, dass dies auch so bleibt.
Aber wie sollte ein gutes Leben aussehen? Arbeiten bis zum umfallen, um oft mehr schlecht als recht leben zu können? In einer Gesellschaft voller Konkurrenzdenken? In einer Gesellschaft, wo sinnentleerter Konsum und Massenmedien die arbeitsfreie Zeit immer mehr in Beschlag nehmen? Einer Gesellschaft voller sozialer Kälte, mit dem ständigen Druck alles noch grösser und höher und schneller zu machen? Dabei wird die Umwelt zerstört, das Klima verändert, und Mensch und Tier werden nur noch nach ihrem Nutzen im Sinne von Profitgewinnung gemessen. Das alles ist weder „natürlich“ noch unausweichlich, aber Fertigrezepte für eine Alternative gibt es auch nicht auf dem Tablett serviert. Wir träumen tatsächlich – aber es sind realisierbare Träume: Träume von einem anderen, respektvollem Umgang miteinander, mit dem Leben und der Umwelt. Von nachhaltigem wirtschaften, vom Ende der Lohnarbeit, dem Ende von Hierarchien und Diskriminierungen jeder Art. Wir sind deshalb gegen das Treffen der G8, weil sie all das repräsentieren wogegen wir sind. Wir wollen eine Welt, in der die Betroffenen selbst entscheiden, in der die Güter gerecht verteilt, und die natürlichen Ressourcen gemeinsam und nachhaltig genutzt werden.
Freie Menschen statt Freihandel Wir wollen nicht bloss ein Stück vom Kuchen – wir wollen die ganze Bäckerei! Wir brauchen keine Krawalle, denn Nessie frisst sie alle!
Autonome Highland-Gang - Kommando William Wallace
Kontakt: g8-info@gmx.net Zusätzliche Infos: www.g8-info.de, http://de.dissent.org.uk, http://dissent.org.uk
|
|
Außerdem, wer die demokratische Selbstverteidigung von unten gegen den unformierte Schlägerbanden und die Demoverbote von oben wie die Herrschenden als "Krawall" bezeichnet, der redet vermutlich nicht nur wie die Herrschenden, sondern denkt auch so.
Oder wird von ihnen - per Staatsknete - bezahlt wie diese obskure "autonome Highland-Gang - Kommando Willi Wallace"!