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Bund 2.4.2005
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Schlagende Sicherheit
Die Mitarbeiter der Securitrans sollten im Bahnhof Bern für Ordnung sorgen – manchmal gehen sie dabei laut Augenzeugen zu weit
Die halbprivaten Objektschützer der Securitrans haben nicht die gleiche Ausbildung und die gleichen Rechte wie Polizeibeamte. Vielleicht gerade deshalb fassen sie die Leute teils härter an, als sie dürften – wenn niemand hinschaut.
Christian von Burg Michael Kurrle ist drogenabhängig. Seit zwei Jahren lebt der 32-jährige Berner auf der Gasse. Häufig ist er in der Bahnhofunterführung anzutreffen, wo er «Geld schnorrt», wie er sagt. So auch an einem Morgen im vergangenen Winter, um 4 Uhr früh. Er bettelte unterhalb der Rolltreppe, die zum Loeb führt. Bald schon stand eine Zweierpatrouille der Securitrans vor ihm und forderte ihn auf, die Unterführung zu verlassen. Dabei hätten sie ihn «wie den allerletzten Dreck» behandelt, sagt Kurrle. «Sie nannten mich einen ,Scheissjunkie‘, ein ,Arschloch‘ und ,en truurige Siech’, worauf ich ihnen sagte, dass ich manchmal auch auf mein Leben pfeife.» Sie hätten ihn dann die Rolltreppe hinaufgeführt, wobei ihm eine Spritze aus der Tasche gefallen sei. Darauf habe der eine der Sicherheitsbeamten seinen Schlagstock gezogen. «Der wollte mich auf den Kopf schlagen, ich konnte nur noch wegrennen.» Er habe sich in ein bereitstehendes Taxi gerettet.
Mit der Stadt- und der Bahnpolizei habe er nie solche Geschichten erlebt, sagt Kurrle. Die Securitrans hingegen habe nicht nur ihn «nicht korrekt» behandelt. Schon mehrfach habe er von Kollegen vernommen, dass ihnen entweder «der Stoff weggenommen und auf den Boden geschmissen» worden sei oder dass sie gar in eines der Untergeschosse des Bahnhofs geführt und dort verprügelt worden seien.
Verschiedene Sicherheitsdienste
Ines Bürge, die Leiterin der Contact-Drogenanlaufstelle, hat ähnliche Geschichten auch schon gehört. Allerdings: «Seit dem letzten Herbst sind mir keine Zwischenfälle mehr zu Ohren gekommen.» Schon vor einem Jahr seien sie mit dem Chef der Securitrans zusammengesessen, hätten über deren Auftrag diskutiert und «für uns festgehalten, was die Objektbewacher dürfen und was nicht». Für den Laien sei es nämlich oft schwierig, die verschiedenen Sicherheitsorganisationen auseinander zu halten. Securitrans ist eine halbprivate Sicherheitsfirma, die vor vier Jahren gegründet wurde. Sie gehört zu 51 Prozent den SBB und zu 49 Prozent der Securitas. Etwa 15 Securitrans-Mitarbeiter patrouillieren auch in Bern in Zweierteams durch den Bahnhof und die Unterführung. Ihre Aufgabe gemäss firmeneigener Homepage: «Sie sorgen alleine schon durch ihre Präsenz für die Einhaltung der Hausordnung, verhindern Straftaten und beugen Belästigungen vor.» Wie die Securitas tragen die Securitrans-Männer einen blauen Overall mit dem entsprechenden Schriftzug auf dem Rücken. Die Ausbildung der Objektschützer ist kurz (siehe Text unten), dementsprechend gering sind ihre Kompetenzen. Sie dürfen etwa einen in flagranti erwischten Dieb festhalten, bis die Stadtpolizei oder die Bahnpolizei (petrolgrüne Uniform, Dächlikappe mit Aufschrift Police) da ist, um die Personalien aufzunehmen oder eine Verhaftung vorzunehmen. Auch bei der kirchlichen Gassenarbeit ist man auf das Verhalten der Securitrans aufmerksam gemacht worden: «Ja, solche Zwischenfälle kennen wir», sagt Oliver Pettenati. Er spricht von einer «Grauzone», in welcher die Patrouillen gerne den Anschein erweckten, sie würden Amtshandlungen ausführen. Ihm sei zudem nicht klar, warum sich ihr Kontrollgebiet auch auf den städtischen Teil der Unterführung ausdehne, wo es sich doch um ein Sicherheitsunternehmen der SBB handle.
Misshandlung gefilmt
Aber auch im Bahnhof selber entwickeln die Objektschützer der Securitrans manchmal seltsam anmutende Eigeninitiative. So wurde etwa Yannick Noack (18), der das Strassenmagazin «Surprise» verkauft, von denselben Patrouillen täglich bis zu sechs Mal kontrolliert. «Sie behandelten mich von oben herab und wollten immer wieder meinen Verkäuferausweis sehen, obwohl wir uns seit langem vom Sehen her kennen.» Auch J. A., der regelmässig am Bahnhof anzutreffen ist und seinen ganzen Namen aus Angst nicht in der Zeitung lesen will, hat seine Erfahrung mit Securitrans gemacht: Er bekomme Hausverbot, wenn er nicht sofort aufhöre, die Leute anzuquatschen, hätten ihm zwei Securitrans-Männer gesagt. Darauf sei er von ihnen ins Untergeschoss geführt worden – «dort, wo die Lüftung ist». Sie hätten ihn gezwungen, Kniebeugen zu machen. «Der eine machte davon mit seinem Handy ein Filmli, und der andere trat mich von hinten, dass ich fast auf den Boden fiel.» --------------------------------------------------- «Wir wollen hilfsbereit sein»
«Wenn es zutrifft, was diese Leute erzählen, dann ist das absolut nicht tolerabel», sagt Urs Balzli aus der Geschäftsleitung der Securitrans auf die Anschuldigungen gegen das Sicherheitsunternehmen (siehe oben). «Aber ich bezweifle stark, dass da was dran ist.» Der Leiter Objektschutz in Bern habe ihm auf Anfrage gesagt: «So etwas ist bei uns nicht passiert.» Und solange keine klareren Anhaltspunkte vorlägen und die Betroffenen nicht sagen könnten, «wer was wann wo getan haben soll», könne der Sache nicht richtig nachgegangen werden.
Die interne Kontrolle laufe über ein Journal, in dem jeder Vorfall festgehalten werde. Die Männer seien immer zu zweit unterwegs und kontrollierten sich so gegenseitig, zudem bewegten sie sich im öffentlichen Raum, wo viele Blicke auf ihnen hafteten. Wenn es zu Zwischenfällen komme, bei denen sich jemand nicht richtig behandelt fühle, so seien die Männer angewiesen, Visitenkärtchen abzugeben, damit man sich beschweren könne. «Wir wollen hilfsbereit sein», sagt Balzli, «und gleichzeitig wollen wir uns, im Rahmen unserer Kompetenzen, durchsetzen.» Dadurch gebe es immer wieder Situationen, in denen sich die Securitrans nicht beliebt mache. Viele Anschuldigungen lösten sich aber bei genauem Hinsehen in Luft auf.
Zwei Tage Einführungskurs
Bewerber für den Objektschutz würden genau geprüft, sagt Balzli weiter. Neben einer abgeschlossenen Berufslehre müssen sie einen einwandfreien Leumund mitbringen. «Wir wollen keine Schlägertypen.» Wer den Anforderungen entspreche, werde zu einem «Welcome-Afternoon» eingeladen, an dem der Geschäftsführer auch den Verhaltenskodex des Unternehmens präsentiere. In einem zweitägigen Einführungskurs würden die Neulinge in Kommunikation, Recht, Organisation und Verhalten bei Betriebsstörungen eingeführt. Der Rest der Ausbildung geschehe «on the job». Anfänger patrouillierten immer mit Erfahrenen zusammen. Nach der dreimonatigen Probezeit gebe es monatlich einen Weiterbildungstag in Selbstverteidigung und Konfliktverhalten. |
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Dieser Satz ist ja paradox. Ich fühle mich extrem belästigt und verunsichert seit diese komischen Uniformierten patroullieren. Dazu kommt, dass die Sitzgelegenheiten rar gemacht wurden und mensch nicht einmal auf den Boden sitzen darf zum warten. Nicht einmal pinkeln darfst Du, wenn Du nichts zahlen kannst oder willst. Das finde ich schon total daneben. Früher war der Bahnhof teil des service public. Jetzt nur noch ein unangenehmer Ort, der viele Menschen vom Bahnfahren abhält - ich freue mich aufs nächste gemütliche sit-in, sleep-in oder radio-ballett - verbunden mit entsprechenden Wunschäusserungen für einen gemütlicheren multikulturellen Bahnhof.