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Als Soldat unterstehst du der militärischen Geheimhaltungspflicht, weshalb erzählst du uns trotzdem von deinem Militärdienst im Januar 2003?
Seit meiner Zeit im WEF-Kommandobunker befürchte ich, dass es im Inneren Einsatz der Armee – früher oder später – zu einer Tragödie kommt, falls überforderte Soldaten mit Demonstranten zu-sammentreffen. Das möchte ich verhindern.
Hast du damals gewusst, dass du im WEF-Kommandobunker deinen Dienst leisten wirst?
Als ich das Datum auf dem Marschbefehl gesehen habe, war mir klar, dass mein Einsatz mit dem WEF zu tun hat. Ich rechnete damit, irgendwelche Gebäude oder Telefonmasten zu bewachen. Nicht im Traum dachte ich daran, im WEF-Kommandobunker zu landen. Die Woche in Parpan war für mich eine schreckliche Zeit.
Wieso?
Die Stimmung war die ganze Zeit äusserst angespannt. Niemand wusste, ob der Kommandobunker der Armee nicht auch zum Ziel von Protestaktionen werden könnte.
Man rechnete also weniger mit terroristischen Anschlägen als mit Demonstranten?
Genau. Je näher das Demo-Wochenende rückte, desto unruhiger wurden besonders unsere Offiziere. Wenige Tage vor der Demonstration in Davos gaben sie uns den Befehl, die mit Stacheldraht ge-sicherte Zone um den Bunker noch zu vergrössern. Auch mussten wir kurzfristig Tarnnetze anbrin-gen, um die Eingänge vor Molotovcotails zu schützen. Einige Offiziere glaubten ernsthaft, dass „Chaoten“ von der Bergseite auf Schlitten oder Skiern angreifen könnten.
Habt ihr ungebeten Besuch bekommen?
Einmal gab es Alarm, weil im Dorf ein paar Punker gesichtet wurden. Die waren aber Einheimische und wollten nicht zu uns, sondern an die Demonstration. Einige Soldaten waren sichtlich enttäuscht darüber, weil sie es gerne mal den „Chaoten“ zeigen wollten. Keine Ahnung, was alles hätte passiert können, wenn diese Soldaten mit geladenem Gewehr irgendwelchen Demonstranten gegenüber gestanden wären.
War ihr für den Umgang mit Demonstranten ausgebildet?
Überhaupt nicht. Wir hatten ja bloss unser Sturmgewehr, um uns gegen „Eindringlinge“ zu wehren. Am ersten Tag hat uns lediglich ein Offizier über den Schiessbefehl informiert. Ab da standen wir – Tag und Nacht – mit scharfer Munition draussen Wache: Je zwei am Bunkereingang und zwei bei der Absperrung an der Strasse. Wie gesagt hatten wir es aber zum Glück nicht mit Demonstranten, sondern nur mit Langläufer oder Spaziergänger zu tun, welche zu Nahe an die Sperrzone kamen und von uns freundlich weggewiesen wurden.
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