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reclaim the streets
Mediencommuniqué
Beim reclaim the streets – Umzug vom Samstag Abend in Zürich handelte es sich, wie bereits vorgängig angekündigt, um einen friedlichen Demonstrationsumzug für eine lebendige Subkultur. Rund 3000 TeilnehmerInnen haben an diesem Anlass zwischen 20:00 Uhr und 3:00 Uhr ihrer Unzufriedenheit mit der Aufwertungs – und Baupolitik sowie der vom Stadtrat unterstützten Repression gegen alternative Kulturanlässe ausdruck gegeben.
Mit einem der Situation total unangemessenen Auftreten hat die zürcher Stadtpolizei eine Eskalation der Lage provoziert. Ohne ersichtlichen Grund wurde der Umzug unter der Kornhausbrücke massiv mit Tränengas angegriffen. Entgegen den gängigen Richtlinien wurden Distanzwaffen wie Tränengas und Gummigeschosse aus nächster Nähe gegen die ungeschützten PartybesucherInnen in der Langstrassenunterführung eingesetzt. Dabei wurden mindestens zwei Personen durch Gummigeschosse verletzt. Auf die Provokationen seitens der Ordnungskräfte wurde von den rund 3000 PartyteilnehmerInnen nicht eingegangen.
Am frühen Morgen um 2:30 Uhr drängte die Polizei den Umzug systematisch in ein Wohnquartier und versuchte, die Menge mittels eines massiven Tränengaseinsatzes aufzulösen. Bei der daraus folgenden Panik kam es dennoch nicht zu Angriffen auf die Polizei. Einige UmzugsteilnehmerInnen versuchten lediglich, sich durch den Bau von Barrikaden vor dem unverhältnismässigen Gewalteinsatz der Polizei zu schützen.
Die Doktrin der Polizei zeigt einmal mehr, dass die Behörden mit aller Kraft versuchen, unkommerzielle und alternative Projekte mit beabsichtigter Eskalation zu kriminalisieren. Es versteht sich von selbst, dass sämtliche politischen Inhalte durch die Informationspolitik der Polizei von einer öffentlichen Debatte ausgeklammert werden. Trotz der teilweise recht turbulenten Ereignisse der vergangenen Nacht werten die TeilnehmerInnen den Umzug als Erfolg und als klares Zeichen dafür, dass in dieser Stadt ein Bedürfnis nach alternativen Freiräumen existiert. Unser Vorwurf der Repression gegen unkommerzielle Veranstaltungen wurde durch die Ereignisse in drastischer Art und Weise bestätigt.
Die UmzugsteilnehmerInnen aus verschiedenen zürcher Subkulturen und politischen Kreisen werden weiterhin mit Aktionen gegen die marginalisierende und repressive Politik der Stadtregierung protestieren.
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12. Oktober 2003, 18:52, NZZ Online
Krawallnacht in Zürich
Mehrstündige Zusammenstösse von Demonstranten mit der Polizei
Bei einer unbewilligten Demonstration in Zürich ist es in der Nacht auf Sonntag zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen der Polizei und 500 bis 600 Demonstranten gekommen. Es entstand ein Sachschaden von rund 80'000 Franken, fünf Personen kamen in Haft.
(sda) Zur Kundgebung in den Stadtkreisen 4 und 5 hatten die Jugendlichen per Internet aufgerufen. Sie stammten unter anderem aus der Haubesetzerszene, beteiligt waren laut Polizeiangaben vom Sonntag auch vermummte Exponenten des sogenannten Schwarzen Blocks.
Die Jugendlichen sammelten sich unter dem Motto «Reclaim the street» («Nehmen wir die Strasse zurück») um 20 Uhr auf der Josefswiese. Via Escher-Wyss-Platz zogen sie zur Kornhausbrücke. Dort wurde die Polizei laut eigenen Angaben mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen. Die Polizisten antworteten mit Tränengas und Gummischrot. Fünf 17- bis 34-jährige Demonstranten wurden festgenommen, am Sonntag aber wieder frei gelassen. Ein Polizist wurde durch einen Steinwurf am Bein verletzt und musste hospitalisiert werden. Eine Demonstrantin meldete sich auf der Hauptwache und gab an, durch ein Gummischrotstück an der Augenbraue leicht verletzt worden zu sein.
Brennende Container als Barrikaden
Die Demonstranten zogen später durch die Langstrasse Richtung Innenstadt. Nach Mitternacht setzten die Polizisten in der Erismannstrasse erneut Tränengas ein. In der Hohlstrasse sowie an der Kreuzung Bullingerstrasse/Hardstrasse errichteten die teilweise vermummten Leute Strassenbarrikaden und entzündeten Container. Die Polizei wurde massiv mit Steinen angegriffen, sodass auch hier Tränengas und Gummischrot eingesetzt wurde. Nach weiteren Scharmützeln, bei denen erneut Container angezündet und Fahrzeuge beschädigt wurden, löste sich die Demonstration nach rund acht Stunden gegen 04.30 Uhr auf.
Autos demoliert und 14 Tramwagen besprayt
Nach vorläufiger Bilanz belaufen sich die Sachschäden auf rund 80'000 Franken, wie ein Polizeisprecher am Sonntag auf Anfrage der SDA sagte. Unter anderem wurden vier Personenwagen beschädigt und Schaufensterscheiben eingeworfen. Ferner wurden in einem Depot 14 Tramwagen besprayt sowie diverse Billettautomaten entlang der Badener- und Langstrasse. Die Polizei habe gegen die Demonstranten durchgegriffen, um zu verhindern, dass sie in die Innenstadt gelangten. Dies sei gelungen, sagte der Sprecher weiter.
Organisatoren: «Polizeiauftritt unangemessen»
Die Organisatoren der Demonstration geben der Polizei die Schuld für die Eskalation. Die Stadtpolizei sei der Situation «total unangemessen» aufgetreten, teilten sie in einem Communiqué vom Sonntagabend mit. Ohne ersichtlichen Grund sei der Umzug unter der Kornhausbrücke massiv mit Tränengas angegriffen worden. Mindestens zwei Personen seien durch Gummigeschosse der Polizei verletzt worden. Angriffe auf die Polizei habe es nicht gegeben. Einige Teilnehmer hätten lediglich versucht, sich durch Bau von Barrikaden vor dem «unverhältnismässigen Gewalteinsatz» der Polizei zu schützen. Rund 3000 Menschen nahmen laut Organisatoren an dem Anlass teil. Sie wollten ihrer Unzufriedenheit mit der «Aufwertungs- und Baupolitik sowie der vom Stadtrat unterstützten Repression gegen alternative Kulturanlässe» Ausdruck geben.